19.07.2018 – Teil 2

In Teheran befindet sich am Bahnhofsvorplatz der große gelbe Eingang in die Metro. Erst ganz unten bevor der Einlass erfolgt ist es möglich das Ticket zu kaufen.
Die erste Bahn war sowas von voll. Ich habe dann die 5 Minuten auf die nächste gewartet. Beim einfahren habe ich schon gesehen, dass die Bahn vorne nicht so voll war. Also schnell dahin. Ich war schon drin als ich seeeehr langsam an den vielen schwarzen Burkas merkte das es das Abteil für die Frauen ist. Schnellllll wieder raus. Der nächste Zug war dann meiner. Es ging zügig in den vollen Wagen voran. Die Klimageräte waren auf 22 Grad eingestellt. Da tat meinem verschwitzten Körper nicht gut. Das umsteigen verlief bis zur letzen Umsteigemöglichkeit auch ganz gut. Hier nur musste ich 45 min auf den Anschluss zum Airport warten. Ich habe ja Zeit und kann mich wieder aufwärmen. Ich wurde von einigen Männer angesprochen. Woher, wohin, was kostet das Rad. Deutschland ah Alemagne, usw. immer die gleichen Fragen. Meist ist auch ein Bruder oder Schwager in München oder Düsseldorf.
Ein kleiner junge stand vor dem Rad mit leuchtenden Augen. Er hat sich nicht getraut sich auf das Rad zusetzen oder es anzufassen. Sein Papa hatte ihn dazu ermutigt. Er hatte einfach Angst vor dem orangen Ding.
War es in der Stadtmitte noch so voll das Gedrängel herrschte und geschoben wurde war es später entspannter. Bis ich am Flughafen war musste ich nochmals umsteigen. Es ging dann noch ca 10 Km weiter bis dorthin. Es zog sich unendlich lange. Jetzt kommt der Hammer. Ab der letzten Station musste ein neues Ticket bezahlt werden und zwar beim Eintritt in das Terminal. Nochmal 60 Cent losgeworden. Die üblich Frage nach Cash von Karte wurde auch hier verneint. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Es gab auch keinen Lufthansaschalter zum umbuchen des Fluges. Das hat dann der Franz übernommen #franzkanns. Rüber zum Ibis Hotel. Keine 200m Luftlinie entfernt, mit einem Übergang direkt zu erreichen. Erste Frage kann ich mein Zimmer umbuchen? Ja! Kann ich mit Kreditkarte bezahlen? Nein! Ich bin ja in einem IBIS. Also die finale Frage. Haben Sie eine Lösung? Ja! Sagte die Mitarbeiterin und griff an‘s Telefon. Minuten später stand der junge Manager vor mir. Er stellte sich in perfektem Deutsch als Hasan vor und sagt er war viele Jahre in Deutschland und ist in Aachen aufgewachsen. Nachdem wir unsere Accorgeschichte ausgetauscht haben, ging es ohne Bürokratie weiter. Du bekommst jetzt erst deinen Zimmerschlüssel. Danach stornierst du die Buchung bei uns. Danach buchst du über www.apochi.com, mit deiner KK ein Zimmer bei uns. So einfach kann es gehen. Auf die Accorianer ist halt weltweit Verlass. Frisch geduscht, mit Kopfschmerzen gehe ich jetzt einen Burger essen. Ich kann sogar mit meinen letzten Dollar bezahlen. In der Zwischenzeit ist auch die Umbuchung des Fluges gekommen. Um 2.55 Uhr morgen früh hebe ich ab. Vorher noch die Taschen umpacken, in Folie einwickeln und das Rad einchecken. Bis 20 Uhr soll das alles fertig sein.
Morgen Nacht schlafe ich auf einen CP irgendwo in Hessen. Die Zusammenfassung dieser Reise folgt in kürze.

19.07.

Pünktlich wie die Eisenbahn ging es mit der qualmenden Diesellok um 17.55 Uhr los. Wenn alles gut geht sind wir zwischen 5.30 bis 7.30 Uhr in Teheran. Ich sitze noch im Wagen 6 auf Platz 26. Alles wie gebucht. Wenn da nicht noch der fehlende Gepäckwagen wäre. Mein Rad steht ganz vorne im ersten Wagen. Ich sollte am Bahnsteig warten und es kommt jemand auf mich zu. Das war der letzte Stand von heute Nachmittag. Der nette junge Schaffner sagte erst vor dem einsteigen: „Das ist ein heute ein Problem und es kostet 10000 Rial“ – das sind 20 Cent extra. Ich glaube mittlerweile das es eine Masche ist. Er meinte auch noch, wenn etwas frei bleibt könnte ich nach vorne in den ersten Wagen umziehen. Mal schauen ob es klappt. Ich stand als zweiter in der Abfertigungsschlage an. Ein Mitarbeiter holte mich nach vorne, ich musste zu den Mitarbeitern, mir wurde ein Stuhl, Wasser und ein zuckersüßes Blätterteig Teilchen angeboten. Der Flüssige Zucker lief nur so durch meine beiden Finger. Jetzt wird mir im Abteil von einem Mitarbeiter auch noch eine Packung Kuchen und ein Fruchtnektar angeboten. Einfach so. Das bekommen alle die einsteigen. Das werde ich auch gleich mal essen. Wenn ich nicht schon gesehen hätte, dass der Iran die meisten Blumenblüten weltweit produziert würde, würde ich das, wenn ich aus dem Fenster auf die Dürren und Kargen Felder schaue, nicht glauben. Noch bin ich im Abteil alleine. Bin gespannt wann die nächsten drei dazukommen und was es für Menschen sind. Wir haben immerhin eine lange Zeit in diesem Abteil gemeinsam zu verbringen. Der Fernseher läuft auf beiden Wänden. Die lauten unverständlichen Stimmen und die Musik nerven. Ich glaube es ist ein Drama. Unten im Abteil sind vier normale Sitze, abgetrennt durch einen Tisch. Wird dieser hochgeklappt lässt sich hier zusammengekauert liegen. Oben befinden sich noch zwei Klappliegen. Ich hoffe, dass ich da nicht hoch muss. Später sehe ich draußen über der Tür wer hochmuss. Ich und der ganz alte Mann. Also die Fensterplätze. Wir fahren nach Süden und ich sitze auf der Ostseite leider gegen die Fahrtrichtung. So bleibt mit die Sonne erspart. Die Klimaanlage bringt eine angenehme Kühle in das Abteil. Wir tuckern mit 50 km/h durch die karge manchmal schon mondartige Landschaft dahin. Vorbei an riesigen blauen Hallen. Jedoch kann ich nicht erkennen was hier produziert wird. Die Dörfer sind klein. Sie sind schon von weitem daran zu erkennen das die Bauern und Hirten vorher auf den Feldern sind. In der Landschaft steht auch ein Kraftwerk. Die Kühltürme deuten auf ein altes mit atombetriebenes hin. Sonst aber auch nichts. Außer einigen Störchen und Vögeln sehe ich keine weiteren wilden Tiere. Das hier die kleine Landwirtschaft noch von Hand betrieben wird zeigen die goldenen Garben auf den Getreidefeldern. Aprikosen werden auf großen Plänen direkt auf dem Feld in der Sonne getrocknet. Die erste große Stadt, Maragha, erreichen wir um 20.20 Uhr. Hier fahren wir über eine Brücke. Der Wasserstand ist auch sehr niedrig. Hier steigen auch meine Begleiter zu. Zwei Herren ca. 40 Jahre und ein kleiner schmaler Opa. Noch bevor es losgeht sagen die beiden zu mir ich muss unbedingt Esfahan und auch Shiraz besuchen. Hier ist alles billig wie noch nie. Sagen die beiden auf persisch zu mir. Ich verstehe ja mittlerweile alle Armbewegungen und auch die Mimik. Sie bieten mir auch von Ihrem Kuchen an. Ich lehne ab da ich meinen schon gegessen habe. Dieser Industriekuchen bekommt mir in großen Mengen nicht. Gleich geht die Sonne unter. Leider hinter dem Zug. So kann ich den Sonnenuntergang nicht festhalten. Schade. Es gibt ja noch den Aufgang kurz vor unserer Ankunft in Teheran. Jetzt läuft schon der dritte Film. Ich denke das ist auch der letzte da es im Display keinen weiteren gibt. Ist ja auch bald Schlafenszeit. Die Landschaft wird sich bis morgen nicht weiter verändern. Es riecht jetzt wieder nach den abgebrannten Feldern. Das macht die Stimmung in der Dämmerung kaputt. Bei der Fahrscheinkontrolle erfahre ich das ich das Abteil wechseln kann. Ich packe meine Sachen zusammen und warte im Gang. Hier bekomme ich alle Gerüche mit. Es gibt In diesem Bereich keine Belüftung mit Kalter Luft. Wie lange wird der Zugchef mich hier warten lassen? Es war über eine Stunde. Er hatte mich vergessen. Zwischendurch gab es noch eine Pause von 30 Minuten. Viele nutzten diese um sich draußen die Beine zu vertreten. Ich wartete im Gang bei meinem Taschen und musste Dutzenden von Passagieren im Wege stehen. Das warten war trotzdem angenehm. Eine 26 Jährige Frau aus dem Nebenabteil sprach mich auf Englisch an und wir kamen ins Gespräch. In ihrem Abteil war noch die Mutter und zwei Freundinnen. Mir wurde sofort ein Apfel und eine Gurke angeboten. So war es recht kurzweilig. Wir tauschten die Namen und die FB-Accounts aus. Sie ist ganz gespannt auf meine Homepage. Ich darf auch Shabnan’s Foto mit einstellen. Eine ganz nette mit einer gesunden Weltanschauung. Jetzt bin ich im Wagen Nr. 1. Dazu musste ich bei laufender Fahrt durch die engen Gänge laufen. Der Mitarbeiter lief so schnell vor, dass ich vollbeladen die NICHT automatischen Schiebetüren mit Händen und Füßen öffnen musst. Atemlos war ich dann an meinem neuen Platz. Noch immer habe ich nichts für das Rad gezahlt. Wir sind jetzt zu zweit und ich lege erstmal die Füße hoch. Noch habe ich keine Position gefunden um die Augen zuzumachen. Ich habe mein aufblasbares Kissen herausgeholt. Jetzt ist es 22.00 Uhr und angenehm kühl. Der mittelalte Herr gegenüber ißt Hühnerschenkel mit Reis aus der Styroporbox. Hier im Zug wird frisch gekocht. Ich konnte beim warten in die Küche schauen. Es muss geschmeckt haben. Die Box ist leer. Er zeigte auch noch auf die Tüten mit der Bettwäsche. Die soll ich nehmen da die Lüftung weiter kühlt. Danke für diesen Tipp. Gegen 23 Uhr habe ich meine Schlafgelegenheit im oberen Bett hergerichtet. Ich empfehle sich mit dem Kopf auf die Gangseite zu legen. Hier zieht es weniger. Es ging mehr holprig als weniger holprig durch die Nacht. Um 5.30 Uhr bin ich dann wieder nach unten. In der Nacht kam noch ein junger Mann dazu. Es war alles in allem sehr unruhig und geruchsintensiv. Es ist schon hell. Den Sonnenaufgang habe ich nicht mitbekommen. Jetzt gehe ich nochmal den kommenden Tag durch und lasse alles auf mich zukommen. Laut meinem Garmin haben wir schon 680 Km hinter uns. Es wird also nicht mehr weit sein. Derzeit haben wir 30 Grad im Abteil und es wird heute richtig heiss werden. Mein Rad steht immer noch wie gestern abgestellt am Platz. Es ist, durch die Vollfederung, nicht einmal umgekippt. Jetzt bin ich wieder allein im Abteil. Zum Frühstück lasse ich mir meine letzen trockenen Kekse schmecken. Nach fast 13 Stunden in Teheran müde angekommen.

 

18.07.2018

Nachts kühlt es merklich ab. Das tut dem Kopf richtig gut. Ich trinke etwa nur beim laufen und ohne Anstrengung 4 Liter Wasser am Tag. Ab heute mische ich es mit Fruchtsäften. Beim zahlen des Zimmers gestern Abend ging auch die Kredit- und EC Karte nicht. Obwohl mir das die Mitarbeiterin beim Check in zusicherte. Also wieder an das Dollardepot. Viel ist jetzt nicht mehr da. Ich hoffe das ich in Teheran eine Wechselstube finde die auch Karten zum wechseln akzeptiert. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Da morgen ab 18 Uhr die 12 Stündige Fahrt mit dem Zug nach Teheran ansteht, habe ich mich heute nochmal so richtig sattgegessen. Heute Morgen nach meinem Frühstück hatte ich doch gleich Besuch von Flotten Otto. Das entsprechende Medikament habe ich dabei und am Mittag war wieder alles ok. Am Nachmittag war ich schon mal mit dem Rad am Bahnhof und habe mir angeschaut wie das morgen abläuft. Da mache ich mir bis zum Schaffner keine Sorgen. Dann kommt halt wieder der Faktor Mensch ins Spiel. Heute morgen, welcher Tag ist heute eigentlich? Habe ich ausgeschlafen und gefrühstückt. Danach bin ich nochmal kurz im Schatten in den nahen Park um den Menschen bei Ihren Geschäften die Basarartig abgehen zuzusehen. Gegen 12 Uhr war der Check out. Durch die Stadt bin ich den mir schon bekannten Weg zum Bahnhof zwischen den Automassen rasant geradelt. Das ist ein schönes Erlebnis. Ich kam wieder in den Bahnhof ohne das mein Gepäck durchleuchtet wurde. Am Schalter war abermals eine sehr gut englisch sprechende junge Frau die mir alles nochmal erklärte und mir auch sagte das der Zug um 16.55 Uhr nur noch 6 Bett Abteile in der zweiten Klasse hat. Das wollte ich nicht. Also nehme ich den Zug eine Stunde später um 17.55 Uhr. Salon Wagen 6, Liege Nr. 24. Nochmal auf das Rad angesprochen telefonierte Sie kurz und sagte das ein Helfer vor der Abfahrt auf mich zukommt und die Radmitnahme regelt. Toller Service. Jetzt darf ich noch 5 Stunden in der Klimatisierten Halle warten. Bevor ich den Bahnsteig betreten darf erfolgt noch eine Kontrolle des Fahrscheines. Nach und nach wird man dann durchgelassen. Am Wagen wartet ein Schaffner der den richtigen Platz zuweist. Die Halle ist in etwas 120×50 Meter groß
Und ca. 15 Meter hoch. Die Obere Hälfte ist nur aus Fesntern und unten ist alles mit Marmor verkleidet. Selbst die Bodenfliesen sind aus roten marmoriert Marmor. An den Wänden hängen große Flats die Werbung oder iranische Nachrichten zeigen. In einer Ecke gibt es einen kleine Mosche. Bei einem Laden ist es möglich Getränke und Süßigkeiten zu bekommen. Wasser kann an einer Zapf- Trinkstation ausgefüllt werden. Sonst ist hier neben den Ticketschaltern, dem Infostand und den Geldautomaten nichts drin.

17.07.2018 Täbris

Gestern Abend habe ich meine tolle schwarze Schirmmütze wieder gefunden. Ich hatte sie in den Verpflegungssack gelegt. Dabei habe ich festgestellt das meine kleine Spülmittelflasche zur Hälfte ausgelaufen ist. Gut das ich meine Nudelfertiggerichte alle nochmal in einer Zipp off Tüte von IKEA eingepackt habe. Trotzdem musste ich alles einzeln im fließendem Wasser abspülen. Bis morgen hat es Zeit zum trocken. Mal schauen was davon noch zu gebrauchen ist. Meine Berichte kann ich selbst nicht hochladen. Die Texte und Bilder werden nur über WhatsApp App zugestellt. Das übernimmt ab jetzt Franz für mich. Also nicht wundern wenn er als Ersteller angegeben ist. Totale Kontrolle des Internets durch die staatlichen Organe. Facebook geht hier auch nicht. Big Brother ist watching you. Nach einer ruhigen Nacht ging es heute wieder auf die Straße. Ich hatte mir eine kleine Route zusammengestellt und bin diese auch abgelaufen. Interessant waren die verschieden Straßen mit ihren speziellen Händlern und deren Waren. So gab es einen Straßenzug nur mit Rädern und Motorrädern. Autos wurden gleich auf dem Bürgersteig repariert. Eine Straße weiter gäbe es alles für das Bad und die Küche usw.. Häufig lief das Öl oder andere Flüssigkeiten gleich auf den Boden und in die Rinne. Die Rinne ist auch ganz speziell. Sie liegt neben den Bürgersteig und in die wird alles reingekippt. Gestern hat es an manchen stellen durch die Hitze stark nach Gülle gerochen. Heute weht schon den ganzen Tag ein leichter Wind bei bewölkten Himmel. Er vertreibt die verschieden Gerüche aus den Straßen. Den Basar habe ich mir auch nochmal angeschaut. Hier könnte ich mich den ganzen Tag herumtreiben und die Eindrücke auf mich wirken lassen. Immer wieder werde ich von Iranern angesprochen die mir „helfen“ wollen. Ein kräftiges und bestimmtes Nein Hilft da und sie ziehen wieder ab. Es gibt zu wenige Bänke zum ausruhen. Die Grünflächen werden alle gepflegt und abends bewässert. Das macht sich sehr gut in der Häuserflut. Diese Oasen sind für die Iraner schon am Morgen die Rückzugsgebiete. Überall wird gebaut. Ganze Viertel sind abgesperrt. Hoch ragen die Kräne in den Himmel. Die Metallskelette für die Hochhäuser ragen in den Himmel. Beeindruckend sind die verschiedenen Nüsse die hier angeboten werden. Schubkarren stehen davon an der Straße oder in den engen Gassen des Marktes. In den Gängen ist es zwar voll und es wird gedrängelt, jedoch ist es alles im Fluss und es entsteht kein Geschiebe. Ich finde auch die Ruhe in den Hallen angenehm. Einen Gang weiter geht es wieder mal nach draußen. Hier wirkt gleich der Lärm der Autos und Dieselgeneratoren auf einen ein. Durch die vielen kurzen Stromausfälle hat fast jeder so ein Ding. Einer nachdem anderen gehen dann lautstark und stinkend an. Heute habe ich mir bis 14 Uhr schon eine Blase gelaufen. Bis 18 Uhr Ruhe ich im gekühlten Zimmer. Dann geht es nochmal los. Jetzt gerade ist hier im Hotel auch der Strom weg. Sekunden später ist alles wieder ok.

16.07.2018 Täbris

Meinen gestrigen Abend habe ich mit dem Endspiel der WM 2018 in Moskau,  mit einem Salatteller und sechs Chicken Wings ausklingen lassen. Das letzte Bier vor der Abstinenz im Iran durfte dabei nicht fehlen. Nach einer für mich unruhigen Nacht rollte ich den Hügel hinunter zur Grenze. Der erste kontrollierende Polizist an der Zufahrt hat mich durchgewunken. Bei der zweiten musste ich mit meinem Rad in eine Halle. Dort haben drei Personen meinen Reisepass bearbeitet. Die erste Frau ging mit ihn in einen Nebenraum. Nach zwei Minuten kam sie raus und gab ihm den zweiten Mann. Der ging in die Kabine, ich musste mich davor stellen, er scannte den Ausweis und machte einen Stempel rein. Der dritte machte die erste und die zweite Türe auf. Jetzt war ich ca. 600 Meter vom Iran entfernt. Langsam rollte ich durch das Niemandsland. Hier waren die beschlagnamten PKWS abgestellt. An der Brücke am Grenzfluss der erste Iranische Polizist. Er winkte mich mit den Worten „Willkommen im Iran“ durch. Vor der Passkontrolle in der Halle noch eine Kontrolle draußen. Zu ersten mal wurde der Pass in die Hände genommen und das VISA gesucht. Die letzte Passage war die eigentliche Einreise. Pass abgeben und wieder auf das Scannen warten. 5 Meter weiter der nächste Schalter. Jetzt wurde es interessant. Der Polizist tippte viele Daten aus dem Pass in den PC ein. Er fragte wo ich wohne, wie groß der Ort ist und welches die nächst größere Stadt ist. Er gab weiterhin Daten mit einem Finger in den PC ein. Jetzt fragte er nach dem Vornamen meines Vaters und den musste ich ihm auch noch auf Englisch buchstabieren. Diese Daten wurden auch schon bei der VISA Beantragung abgefragt. Wieder fleißiges Tippen. Danach der erhoffte Stempel. Jetzt noch das ganze Gepäck vom Rad und in den Scanner. Ich hatte Glück und musste nur eine Tasche auspacken. Er fragte mich was in der Alu Flasche ist. Er wollte wissen ob es Alkohol oder was zum trinken ist. Ich zeigte auf das Benzinsymbol und er war zufrieden. Öffnen brauchte ich die Flasche nicht. Jetzt alles wieder langsam auf das Rad und ich war durch. Vor mir und nach mir habe ich keine einreisenden Personen gesehen. In der nächste Halle wollte ich Geld am Automaten abheben und die letzen Dram tauschen. Das abheben ging mit keiner meiner Karten. Tauschen könnte ich zum richtigen Kurs, jedoch nicht in Rial sondern in eine andere Währung die weniger wert ist, hier aber auch noch angenommen wird. Das erste Mal beschissen. Habe ich jedoch erst gegen 17 Uhr gemerkt. Ein Fahrer sprach mich an wohin ich wollte. Ich sagte nach Täbris oder Jolfa. Kein Problem für 10 Dollar bringe ich dich nach Jolfa. Ich handelte noch zwei runter und es ging auch gleich los. Das Rad passte gerade so in den kleinen Wagen Iranischer Bauart auf die Hinterbank. Sitze umklappen war wegen des Gastanks nicht möglich. Er wollte es ja so. Die Schmiere auf dem Sitz meine ich. Geld macht eben doch Blind. Zwei Stunden später war ich dann nach einer ruhigen Fahrt durch die Berge immer an der Aserbaidschanischen Grenze entlang im Zentrum von Jolfa. Hier sprachen mich schon die nächste Traube von Männern lautstark an. Das ist hier normal so. Ein Redner übernahm das Gespräch und ich verhandelte den Preis nach Täbris. Den Fahrer kannte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Auch sehr gut gelaufen. Er machte es für 13 Dollar. Rad wieder hinten auf dem Rücksitz. Mit geöffneten Fenster auf der Fahrerseite ging die Tür zu. Um 13.30 Uhr hat er mich am Stadtrand an einem riesigen Kreisverkehr rausgelassen. Ich wollte doch zum Bahnhof! Doch dafür wollte der Gauner 1 Dollar extra. Habe ich nicht gemacht. Die gestandenen Taxenfahrer dort sahen das Rad schon beim ausladen und mutierten zu kleinen Jungs. Sie halfen beim zusammenbauen und beim Gepäckaufladen. Dafür dürften zwei auch mal eine Runde mit dem beladen Rad drehen. Es war Männerparty angesagt. Sowas habe ich noch nicht gesehen. Mit kleinen Sachen Freude machen. Einer der Männer schrieb mir auf iranisch das Wort Bahnhof auf einen kleinen Zettel. Er zeigte mit die Ausfahrt am Kreisverkehr und meinte zwei mal links. Nur wann Links? Den Zettel habe ich vier mal rausgeholt. Dann war ich nach 12 Km glücklich am Bahnhof. Einfach fantastisch. Hier am Bahnhof das erste mal die Möglichkeit ins Internet zu gehen. Aber vorher noch an den Schalter und wegen der Verbindung nach Teheran fragen. Die Dame sprach ein gutes Englisch und schrieb mir alles auf. Also übermorgen um kurz vor 16 oder noch um 18 Uhr mit dem Nachtzug in der ersten Klasse nach Teheran für 1,20€! Das Rad muss beim Schaffner gezahlt werden. Kostet so wie ich gelesen habe 20 – 40 Cent. Jetzt in die Stadt und eine Bleibe suchen. Google Maps sagte 6 km geradeaus nach Osten in die Stadt. Ich fand ein Hotel für 16€ die Nacht. Hier bleibe ich jetzt zwei Nächte.
Zurück zur zweiten Autofahrt. Die Straße war wie immer aus der Stadt hinaus vierspurig und gut asphaltiert. Der Mittelstreifen war bepflanzt, gewässert und ca. 30 Meter breit. Am Straßenrand wieder die „Buden“ mit
getrockneten Aprikosen, Fellen von Rind und Schaf, Nüssen und auch Töpferwaren waren heute dabei. Die grünen Flächen der Felder wurden allesamt bewässert. Hier wachsen Zucchinis, Auberginen und Kürbisse. Die Roller und Motorrad Fahrer sind alle ohne Helm unterwegs. Das Tempo wird hier an den neuralgischen Stellen durch hohe Bodenwellen reduziert. Das nervt zwar die Fahrer bringt aber richtig viel und kostet den Staat wenig. Den schnellen Fahrer beim aufsetzen mehr. Einen jungen Radler habe ich in Marand gesehen. Der arme.
Ich kann erkennen das die großen Gräben in der Ebene das ausgetrocknete Flussbett ist. Wenn es hier mal regnet müssen die Wassermasse aus den Bergen Flutartig hier unten ankommen. Der Müll wird dann gleich mit weggespült. Könnte hier sicher mal wieder regnen. Meine Lippen trocknen aus. Ich muss mich oft eincremen. Meine tolle Mütze habe ich im Hostel liegen lassen. Dafür gehe ich heute zur Strafe auf den größten Basar im Iran um eine neue zu besorgen. Bevor wir Jolfa verlassen muss der Fahrer noch ein Päckchen mitnehmen. Das bekommt er am Straßenrand gereicht. Die Übergabe funktioniert genau so. Nur mal kurz vorher angerufen. Der Stadtrand von Täbris ist mit Chemieanlagen gesäumt. Ebenso finden sich hier andere kleine Fabriken und Speditionen. Hier lese ich auch zu ersten Mal Teheran auf den Schildern. Den Nachmittag habe ich auf dem Basar und mit dem Versuch Geld abzuheben verbracht. Das war ja nichts. Einer sagte es kööönnnte in Teheran klappen. Ein paar Dollar habe ich ja noch. Morgen will ich den kostenfreien Hop on Hopp of Bus finden und mich wieder mal Fahren lassen. Mein Abendessen, ein Döner, kommt mir mit einem enormen Knoblauchduft immer wieder hoch. Das kann eine Nacht werden, ich störe ja keinen.