19.07.2018 – Teil 1

Pünktlich wie die Eisenbahn ging es mit der qualmenden Diesellok um 17.55 Uhr los. Wenn alles gut geht sind wir zwischen 5.30 bis 7.30 Uhr in Teheran. Ich sitze noch im Wagen 6 auf Platz 26. Alles wie gebucht. Wenn da nicht noch der fehlende Gepäckwagen wäre. Mein Rad steht ganz vorne im ersten Wagen. Ich sollte am Bahnsteig warten und es kommt jemand auf mich zu. Das war der letzte Stand von heute Nachmittag. Der nette junge Schaffner sagte erst vor dem einsteigen: „Das ist ein heute ein Problem und es kostet 10000 Rial“ – das sind 20 Cent extra. Ich glaube mittlerweile das es eine Masche ist. Er meinte auch noch, wenn etwas frei bleibt könnte ich nach vorne in den ersten Wagen umziehen. Mal schauen ob es klappt. Ich stand als zweiter in der Abfertigungsschlage an. Ein Mitarbeiter holte mich nach vorne, ich musste zu den Mitarbeitern, mir wurde ein Stuhl, Wasser und ein zuckersüßes Blätterteig Teilchen angeboten. Der Flüssige Zucker lief nur so durch meine beiden Finger. Jetzt wird mir im Abteil von einem Mitarbeiter auch noch eine Packung Kuchen und ein Fruchtnektar angeboten. Einfach so. Das bekommen alle die einsteigen. Das werde ich auch gleich mal essen. Wenn ich nicht schon gesehen hätte, dass der Iran die meisten Blumenblüten weltweit produziert würde, würde ich das, wenn ich aus dem Fenster auf die Dürren und Kargen Felder schaue, nicht glauben. Noch bin ich im Abteil alleine. Bin gespannt wann die nächsten drei dazukommen und was es für Menschen sind. Wir haben immerhin eine lange Zeit in diesem Abteil gemeinsam zu verbringen. Der Fernseher läuft auf beiden Wänden. Die lauten unverständlichen Stimmen und die Musik nerven. Ich glaube es ist ein Drama. Unten im Abteil sind vier normale Sitze, abgetrennt durch einen Tisch. Wird dieser hochgeklappt lässt sich hier zusammengekauert liegen. Oben befinden sich noch zwei Klappliegen. Ich hoffe, dass ich da nicht hoch muss. Später sehe ich draußen über der Tür wer hochmuss. Ich und der ganz alte Mann. Also die Fensterplätze. Wir fahren nach Süden und ich sitze auf der Ostseite leider gegen die Fahrtrichtung. So bleibt mit die Sonne erspart. Die Klimaanlage bringt eine angenehme Kühle in das Abteil. Wir tuckern mit 50 km/h durch die karge manchmal schon mondartige Landschaft dahin. Vorbei an riesigen blauen Hallen. Jedoch kann ich nicht erkennen was hier produziert wird. Die Dörfer sind klein. Sie sind schon von weitem daran zu erkennen das die Bauern und Hirten vorher auf den Feldern sind. In der Landschaft steht auch ein Kraftwerk. Die Kühltürme deuten auf ein altes mit atombetriebenes hin. Sonst aber auch nichts. Außer einigen Störchen und Vögeln sehe ich keine weiteren wilden Tiere. Das hier die kleine Landwirtschaft noch von Hand betrieben wird zeigen die goldenen Garben auf den Getreidefeldern. Aprikosen werden auf großen Plänen direkt auf dem Feld in der Sonne getrocknet. Die erste große Stadt, Maragha, erreichen wir um 20.20 Uhr. Hier fahren wir über eine Brücke. Der Wasserstand ist auch sehr niedrig. Hier steigen auch meine Begleiter zu. Zwei Herren ca. 40 Jahre und ein kleiner schmaler Opa. Noch bevor es losgeht sagen die beiden zu mir ich muss unbedingt Esfahan und auch Shiraz besuchen. Hier ist alles billig wie noch nie. Sagen die beiden auf persisch zu mir. Ich verstehe ja mittlerweile alle Armbewegungen und auch die Mimik. Sie bieten mir auch von Ihrem Kuchen an. Ich lehne ab da ich meinen schon gegessen habe. Dieser Industriekuchen bekommt mir in großen Mengen nicht. Gleich geht die Sonne unter. Leider hinter dem Zug. So kann ich den Sonnenuntergang nicht festhalten. Schade. Es gibt ja noch den Aufgang kurz vor unserer Ankunft in Teheran. Jetzt läuft schon der dritte Film. Ich denke das ist auch der letzte da es im Display keinen weiteren gibt. Ist ja auch bald Schlafenszeit. Die Landschaft wird sich bis morgen nicht weiter verändern. Es riecht jetzt wieder nach den abgebrannten Feldern. Das macht die Stimmung in der Dämmerung kaputt. Bei der Fahrscheinkontrolle erfahre ich das ich das Abteil wechseln kann. Ich packe meine Sachen zusammen und warte im Gang. Hier bekomme ich alle Gerüche mit. Es gibt In diesem Bereich keine Belüftung mit Kalter Luft. Wie lange wird der Zugchef mich hier warten lassen? Es war über eine Stunde. Er hatte mich vergessen. Zwischendurch gab es noch eine Pause von 30 Minuten. Viele nutzten diese um sich draußen die Beine zu vertreten. Ich wartete im Gang bei meinem Taschen und musste Dutzenden von Passagieren im Wege stehen. Das warten war trotzdem angenehm. Eine 26 Jährige Frau aus dem Nebenabteil sprach mich auf Englisch an und wir kamen ins Gespräch. In ihrem Abteil war noch die Mutter und zwei Freundinnen. Mir wurde sofort ein Apfel und eine Gurke angeboten. So war es recht kurzweilig. Wir tauschten die Namen und die FB-Accounts aus. Sie ist ganz gespannt auf meine Homepage. Ich darf auch Shabnan’s Foto mit einstellen. Eine ganz nette mit einer gesunden Weltanschauung. Jetzt bin ich im Wagen Nr. 1. Dazu musste ich bei laufender Fahrt durch die engen Gänge laufen. Der Mitarbeiter lief so schnell vor, dass ich vollbeladen die NICHT automatischen Schiebetüren mit Händen und Füßen öffnen musst. Atemlos war ich dann an meinem neuen Platz. Noch immer habe ich nichts für das Rad gezahlt. Wir sind jetzt zu zweit und ich lege erstmal die Füße hoch. Noch habe ich keine Position gefunden um die Augen zuzumachen. Ich habe mein aufblasbares Kissen herausgeholt. Jetzt ist es 22.00 Uhr und angenehm kühl. Der mittelalte Herr gegenüber ißt Hühnerschenkel mit Reis aus der Styroporbox. Hier im Zug wird frisch gekocht. Ich konnte beim warten in die Küche schauen. Es muss geschmeckt haben. Die Box ist leer. Er zeigte auch noch auf die Tüten mit der Bettwäsche. Die soll ich nehmen da die Lüftung weiter kühlt. Danke für diesen Tipp. Gegen 23 Uhr habe ich meine Schlafgelegenheit im oberen Bett hergerichtet. Ich empfehle sich mit dem Kopf auf die Gangseite zu legen. Hier zieht es weniger. Es ging mehr holprig als weniger holprig durch die Nacht. Um 5.30 Uhr bin ich dann wieder nach unten. In der Nacht kam noch ein junger Mann dazu. Es war alles in allem sehr unruhig und geruchsintensiv. Es ist schon hell. Den Sonnenaufgang habe ich nicht mitbekommen. Jetzt gehe ich nochmal den kommenden Tag durch und lasse alles auf mich zukommen. Laut meinem Garmin haben wir schon 680 Km hinter uns. Es wird also nicht mehr weit sein. Derzeit haben wir 30 Grad im Abteil und es wird heute richtig heiss werden. Mein Rad steht immer noch wie gestern abgestellt am Platz. Es ist, durch die Vollfederung, nicht einmal umgekippt. Jetzt bin ich wieder allein im Abteil. Zum Frühstück lasse ich mir meine letzen trockenen Kekse schmecken. Nach fast 13 Stunden in Teheran müde angekommen.

 

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