07.08.2018 Fulda – Weserradweg Lohfelden nach Polle

Heute morgen ging es bei angenehmen 26 Grad und blauem Himmel um 8.30 Uhr auf das schon am Vorabend gepackte Rad. Das Ziel in den nächsten Tage ist die Wesermarsch. Dort an der Nordseeküste wo der Wortschatz der Menschen aus den Worten „Moin Moin“ und „nicht soviel schnacken, Kopf in Nacken“ im überwiegenden besteht will ich hin. Einmal die von der Sonne schon verschrumpelten Füße im kalten und feuchten Schlick einer 15 Minuten Kur unterziehen wünsche ich mir. So nach 35 km wurde die Idylle an der Fulle, wie die Fulda in Nordhessen genannt wird, von einem Rauschen und wenig später von einem lauten Gemurmel und Geschmatze unterbrochen. Was war das? Woher kommen diese Geräusche? Es lässt mir keine Ruhe ich muss dahin. Auch wenn ich mich dabei in Lebensgefahr begeben sollte. Also dem Geräusch nach. In Hann Münden über die Brücke und in Richtung Norden, immer an der Fulda entlang. Es wurde lauter und unsagbar lauter. Die Luft kühlte sogar merklich ab. Unheimlich. Nach weiteren 100 Metern dem Lärm folgend sah ich das Naturspektakel ganz nah vor mir. Hier an diese Stelle „Küsst die Werra die Fulda“ mit so einer Leidenschaft die kaum zu beschreiben ist. Nach dieser Liaison beruhigen sich die Wassermassen wieder und ziehen ab hier fortan unter dem Namen „Weser“in vielen Schleifen gen Norden. Die Weser schlängelt sich in ihrem breiten Bett nach Norden. Es ist an vielen Stellen sichtbar, das eine Menge Wasser durch die Trockenheit in diesem Jahr fehlt. Noch am Wochenende war ich am Edersee und habe mir die Situation dort vor Ort angeschaut und mir den Einheimischen gesprochen. Der Wasserstand der Weser wird im wesentlichen vom kontrolliert abfließenden Wasser der Erdertalsperre gehalten. Derzeit sinkt der Wasserstand der Sperre durch den geregelten Abfluss täglich um 50 cm. Das geht jetzt noch 45 Tage so weiter und dann greift der Notfallplan. Was immer der auch beinhaltet und welch Auswirkung das auch hat. Der Zufluss aus der Eder in die Sperre hat in den letzen Jahren um 26% abgenommen. Was das in Tausend Kubikmeter ist habe ich mir nicht gemerkt. Jedenfalls ist das in einem heißen Sommer wie in diesem Jahr schon am Wasserstand der Sperre sichtbar. Es sind derzeit ca 20 Meter zuwenig Wasser in der Sperre. Die versunkenen Orte und Friedhöfe sind sichtbar. Brücke bei Assel ist begehbar. Auch an der Weser fehlen so um die 50 cm. Das sieht man an den Steinen der Uferböschung. Heute waren kaum Angler am Fluss gewesen. Es lag entweder an der Hitze oder am Wochentag. Erstaunlich viele Radler sind heute unterwegs. Die schattigen Plätze mit Sitzgelegenheiten am Wegesrand waren immer voll. Die Tiere auf den Weiden waren alle träge und suchten auch im Schatten ihre Zuflucht. Was die gutgenährten Bullen und Kühe auf den vertrockneten Weiden nicht an fressen finden erklärt mir hier keiner. Polle, Polle, Polle ist heute mein Tagesziel. Ich spreche den Namen des Ortes laut vor mich hin. Noch 35 Km bis dahin. Noch kein Hinweis auf den Schildern. Richtig bin ich jedenfalls. In Beverungen mache ich in einem Einkaufszentrum rast. Eine warme Cola, zwei Brötchen mit gekochtem Schinken und eine sauberer Toilette machen mich bei Gefühlen 20 Grad im Klimatisierten Gebäude glücklich. Draußen wartet die Hitzekeule auf mich. Meine 3 Liter Getränke sind rasch aufgebraucht. Ich fülle meine Wasserflasche an einem Friedhof wieder auf. Ein Landwirt erntet seine Zwiebeln unter einer dichten Staubwolke auf dam großen Feld mit einem Vollernter. Das habe ich in Deutschland so noch nicht gesehen.


Der CP in Polle ist in Sicht. Jedoch auf der anderen Seite der Weser. Ein Schild am Radweg zeigt mit den Weg zur Personenfähre hinüber. 250 m leicht bergab zum Fluss. „Alles wird gut“ denke ich mir noch. Überraschung.!!! Die Überfahrt ist nur von Mittwoch bis Sonntag möglich. Also wieder zurück zum Radweg. Polle ist nur noch 3 km entfernt. Bei dieser Hitze um 17 Uhr eine Ewigkeit. Die nächste Fähre in Polle wartet auf mich mit dem Übersetzen. Hier sehe ich auch meinen CP „Weserterassen“ Der erste war der falsche gewesen. „Alles ist so gut“ denke ich mit und lasse mich die letzten 200 Meter rollen. Ich bin angekommen in meiner heutigen Oase der Ruhe und des Glücks. Die sanitären Anlagen sind sauber und gepflegt. Das Personal ist freundlich und sehr aufmerksam. Das Essen ist Top. Was will ich mehr? Mein Zelt steht gaaaanz weit hinten unter einem mächtigen und schattigen Nussbaum. Hier träume ich heute von den Dingen die man aus Nüssen zubereiten kann. Morgen will ich schon früh am Morgen los. Es sind wieder um die 38 Grad angekündigt.

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