07.04.2012

Am frühen Morgen quälen mich die täglichen Wadenkrämpfe. Aufstehen und eine Magnesiumpille einwerfen. Als ich mir Nachschub in einer französischen Apotheke besorgte, meinte die teilnahmslos da sitzende Mitarbeiterin “Eine am Tag reicht“. Bei mir nicht! Ich nehme eine am Morgen und eine am Abend. Viele Menschen bekommen ihr Gehalt einfach so weil sie da sind. Meine ich. Beim betreten der modernen Apotheke in der alten Stadt sitzen dem Eingang zwei Mitarbeiterinnen gegenüber. Zu welcher gehe ich? Hübsch war keine. So fiel dieser Filter schon mal weg. Also wer von euch beiden bewegt sich zuerst. Die hat verloren. Die Linke sagte “Bon Jour“ und hatte nach 4 Sekunden verloren. Ich fragte nach Magnesium und Sie verstand mich sofort. Glück gehabt. Drehte sich nach hinten um und legte eine Packung mit 45 Stück für 14€ auf den Tresen. „Gesalzene Preise“ denke ich. Sie sagt “Eine am Tag genügt“. Wem kann ich da noch trauen? Um 9h am Morgen starte ich bei 10c. Der Einstieg ist schnell gefunden. Das Hotel war nur 3 Km von der Route entfernt und es geht Bergab. Der Himmel ist noch bewölkt und ich bin auch nicht so richtig in Stimmung. Nach 10 Km wird mir kalt. Der, nur leichte Gegenwind, kühlt mich schnell aus. Heute sehe ich nur einen Reiher und der steigt wieder kurz vor mir auf. Die ersten Forsitzien verblühen schon wieder. Das erste leuchtende gelb wird vom frischen grün verdrängt. Doch die Natur erwacht überall. Alles wird grün. Die vielen Grüntöne lassen meine Stimmung steigen. Die Enten schwimmen schnatternd im Kanal. Sie haben, genauso wie die Raben, keine Angst vor den Menschen. Ich habe wieder ein neues Departement erreicht. Die Beschilderung ist anders gekennzeichnet. Auch sind die Wege hier besser in Schuss. Besancon zieht sich hin. Dort eine lange Pause und ein nahrhaftes Essen. Mit meinen Mahlzeizen habe ich heute geschlampt. Der Körper hat keine Kraft mehr. Heute fehlt mir die Motivation. Das ich die falsche Brücke in die Stadt genommen habe wird klar als ich die Steigung vor mir sehe. Ca. 800m bergauf hochschieben. Bergab geht ja nicht. Ich mache 4 mal Pause auf dieser Strecke. Ich schwitze nur vom Schieben. Jetzt in die Altstadt und einen Lebensmittelladen finden. Gegen 16h will ich weiter. Um 15h sind es in der Sonne gerade mal 14c. Der Himmel zieht sich wieder zu. Heute ist wieder Frauchen, Herrchen und Hundchen Tag. Am Nachmittag gehen alle gassi. Einige Jogger kann ich bei diesem Wind schon riechen bevor sie zu sehen sind. Sobald es nach Waschmittel und Weichspüler riecht, stelle ich mir die Frage: Kommt die Ariel oder der Meister Propper? Die Angler am Kanal werden im Laufe des Nachmittages mehr. Auch die ersten Deutschen sind mit ihren Zelten und ihren Wohnmobilen auch schon vertreten. Osterferien eben. Ein schwarzer BMW Kombi mit dem Kennzeichen KA -steht am Canal. Eine Batterie von 12 Angeln ragen vom Ufer aus in den Kanal. Drei mittelalte Männer in Ihren Tarnhosen und dicken Pullovern haben es sich gemütlich auf der anderen Seite des Radwegs eingerichtet. Ein Lagerfeuer brennt. Der Grill ist an. Ich sage “Grüß Gott“ nur einer versteht mich. Die drei sprechen kaum deutsch. Ich frage nach einem Bier. “Naaah nur Wodka“ wird mir geantwortet. Wenn ich davon einen trinke falle ich vom Sattel. Also nur noch das Nötigste plaudern und schnell weg von hier. So schnell kann die Fatamorgana an so einem sch….. Tag sich in Luft auflösen. Das fünfte Hotel nehme ich. An meinem Zielort bin ich schon lange vorbei. Ich bin hier in der tiefsten Provinz gelandet. Hier gibt es noch nicht einmal WIFI. Das Zimmer ist eine Zumutung. Heute gehe ich erst woanders essen und dann incl. einer Flasche Wein intus aufs Zimmer. Die freundliche Frau aus dem Hotel Nr. 4 hat mich dorthin geschickt. Die Küche macht um 19.30h auf. Will ich dann noch essen!? Morgen wird ein neuer, besserer Tag. Die nächste Übernachtungsmöglichkeit suche ich nicht mehr nach geradelten Km aus. Die Daten der Strecke: 129 Km, 228 Hm und 8.10h im Sattel. Allen frohe, gesunde und glückliche Ostern.


Osterfreude

Die Natur ist erwacht

Die Natur ist erwacht

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06.04.2012

Es ging schon damit los, dass ich im Supermarkt vergessen hatte die Bananen und Äpfel zu wiegen. Kurz bevor ich drankam habe ich es noch gemerkt. Na ja, zur Obsttheke sind es nur ein paar Meter. Bis jetzt habe ich auch nach mehreren Kilometern Umweg immer zurückgefunden. Kompass sei Dank. Ich musste jetzt nur noch den Weg an die La Saone finden. Eine echte Herausforderung. Zwischen den stinkenden Rollern, PKWs und lauten LKWs hindurch. Der zweite Kreisverkehr war zuviel. Ich befinde mich auf der A6. Schnell wieder runter. Aber wie? Bis zur nächsten Ausfahrt weiter zu radeln ist zu gefährlich! Ah da rechts hinter der Leitplanke ist ein Trampelpfad. Den nehme ich. Nur noch das Rad mit Gepäck drüberheben. So locker 35Kg. Für die einen ist es die einfachste Sache der Welt. Ich komme ganz schön ins Schwitzen und mir geht die Puste aus. Nach einigen KM habe ich Crissey erreicht. Zwar nicht den gewünschten Einstieg gefunden, doch auf dem richtigen Weg. Der Duft nach Honig, den ich zwischen den gelb blühenden Rapsfeldern einatme, lässt den Gestank und Lärm der letzten 45 Min vergessen. Jetzt nach 23 Km finde ich einen sonnigen Platz, um meine erste Pause zu machen. Die Natur ist unter sich. Einige Vögel zwitschern, die Raben lärmen und in der Ferne ruft der Kuckuck. Lautlos gleiten die Schwäne über die Saone. Einzig das Rascheln meiner Twix Verpackung passt nicht in die Stille. Heute geht ein leichter Wind, natürlich von vorne. Mein Tagesziel Dole werde ich gegen 20h erreichen – so der Plan. sollte ich noch mehr so schöne Orte zum Verweilen finde, kann es auch damit nichts werden. Von der Saone komme ich bequem zur Le Doubs und danach zum Canal Rhone au Rhin. Der letzte Canal führt mich dann leicht bergauf nach Dole. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. 108 Km sind zu bewältigen, 6.30h werde ich im Sattel sitzen und 263 Hm werde ich bewältigen. Die max. Steigung von 10 % geht mir am Ars…. vorbei. Der Körper stellt sich sehr schnell auf die zu bewältigenden Aufgaben ein. Das macht er automatisch. Ich habe es ihm nicht gesagt. Vorbei an Schilfgürtel, naturbelassenen Mooren, führt mich der Weg immer öfter durch die Mückenschwärme. Die haben wohl heute gerade alle Geburtstag. Durch die dicke Schicht Labello auf den Lippen und auch an den Ohren, bleiben einige bei mir hängen. Mehrmals verirrt sich so ein Insekt in meine Ohren. Hört sich an wie der Start bei einem Formule 1 Rennen. Nur nicht so laut. Heute wollte ich es schaffen einen Fischreiher aufs Bild zu bringen. Dieser schlaue Vogel steht unsichtbar am Ufer. Noch bevor ich ihn sehe hebt er ab und gleitet lautlos davon. Zieht lautlos seinen Kreis und kommt an der selben Stelle wieder runter. Das kann ja ein paar Mal passieren. Mir wiederfährt das seit Tagen schon ein dutzend Mal. Ich kriege ihn noch aufs Bild! Wenn ich einmal warte und meine Pause einlege kommt er nicht wieder. Nachdem ich Dole 1h ein Hotel gesucht habe, die Preise in der Stadt waren jenseits von Gut und Böse, bin ich in den Norden der Stadt ins Formule 1 gefahren. Auch das war jenseits von Gut …… Einige hundert Meter weiter bin ich im ERIK HOTEL untergebracht. Das Rad steht gut verschlossen im Heizungraum. Neben dem Rasenmäher und einigen Kanistern Benzin. Bei uns in Deutschland undenkbar. Zum Essen schickt er mich ins Country Restaurant “Onkel Scotts“. Am Eingang werde ich von Johnny Walker empfangen und platziert. Dolly Barton bedient mich. Mrs. “Sex on the beach“ ist wohl die Ober Squaw. Mit Ihren hochhackigen roten Schuhen kann die schlanke, mit schwarzen langen Haaren, auf ein Pferd steigen ohne die Steigbügel zu benutzen. Glen Fittich steht lächelnd hinter der Bar. Little Joe und Ben Cartrigth kümmern sich um den Rest. Sing Sing schwingt sein Lasso in der Küche. Die Einrichtung ist wie in einem Salon. Wird ein Stuhl in die Ecke geworfen geht der Kaputt. Das will ich heute und hier nicht ausprobieren. Morgen geht es weiter bis Clerval oder so…. Mein großes Ziel Basel kann ich erreichen. Orange Q ist noch guter Dinge. Weil Ostern ist, werde ich es morgen einmal waschen. Den Schlauch habe ich schon gefunden. Im Heizungsraum links an der Wand!!

Ein neues Depatement

Ein neues Depatement

Eine Blume beim DENKMAL

Eine Blume beim DENKMAL

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05.04.2012

“Bruder Jakob, Bruder Jakob schläfst du noch …“ diese Melodie höre ich schon von Weitem. Eine Gruppe Jugendlicher, etwa 14 Jahre alt, macht mit ihrem Betreuer einen Ausflug am Fluß. Sie gehen Hand in Hand und singen dieses Lied. Jedoch auf französisch. Ich rolle leise von hinten an sie heran und lausche noch etwa 100m diesem Lied. Eine schöne Art und Weise den neuen Tag zu begrüßen. Der Ohrwurm geht mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf. Na, wer von euch hat ihn jetzt noch bekommen. Ich verabschiede mich im Laufe des Vormittages von der Loire. Einige, wenige, Sonnenstrahlen bekomme ich noch mit. Ansonsten bleibt es am sich anschließenden “ Canal“ recht trübe und ereignislos. Bis gegen 16h fahre ich Km für Km den Kanal hinauf. Die vielen kleinen Schleusen lassen die Höhenmeter erahnen. Irgendwas läuft hier falsch!! Warum wird hier auf einmal in die andere Richtung geschleusst?? Das muss mir ein guter deutscher Ingenieuer in aller Ruhe bei einem Bier einmal erklären. Der gleiche Fluss, das gleiche Wasser?? Noch 26 Km bis Chalon Sur Saone. Ich will vor 20h ankommen. Ein Hotel ist auch noch nicht gefunden. Ich schaffe es in 45 Min. Das Gefälle, der Rückenwind und die Aussicht auf eine heiße Dusche haben geholfen. Die vielen Rinder zum Größteil alle in weiß, lasse ich links und rechts liegen. Vorgestern hatte ich einen Anruf aus Berlin. Ich wollte gerade den wunderschönen Wochenmarkt verlassen. Die Stimme am Telefon sagte “ Sie stehen im totalen Halteverbot!“ „Mit wem spreche ich bitte?“ „XY von der Spedition XYZ. Ihre Nummer liegt hier hinter der Windschutzscheibe.“ „Welches Auto meinen Sie?“ „Ein weißer Kastenwagen.“ „HM, HM, OK. Welches Kennzeichen?“ „B- xY …. Ok! Mit der Aufschrift “Tischlerei so und so““ „Sie können die Bullen rufen, wie Sie schon sagten, und ihn dann abschleppen lassen!“ sage ich und lege schmunzelnd auf… Bei den Bullen sind wir ja wieder bei den Rindern. Auch hier in Frankreich zeigt sich, dass neben der Qualität, die wir bei jedem Essen in barer Münze bezahlen, auch die Quantität gezüchtet. Alles was man an einem Tier nicht verwenden kann wird weggezüchtet. Die meisten Tiere habe keine Hörner mehr. Diese sind ja zu nichts zu gebrauchen und die Entsorgung kostet Geld. Auch, wird schon das Fell dünner gezüchtet. Was soll es, da friert das Tier eben einen Winter. Hauptsache die Rendite stimmt. Ich denke in 1-2 Hundert Jahren werden die Tiere in großen Becken in einer Nährlösung schwimmend herangezüchtet. Die großen, bis dahin stillgelegten, Atomkraftwerke bieten doch den idealen Platz für diese Art der Lebensmittelherstellung. An fünf dieser Anlagen bin ich bis jetzt vorbeigekommen. Die Tiere liegen wiederkäuernd auf den Weiden. Ich beneide Sie machmal um ihre langen Pausen. Ich muss weiter. An freidurchatmen ist nicht immer zu denken. „Streckemachen und das erste Etappenziel gesund erreichen“ ist in meinem Kopf. Zur Zeit bin ich meinem Ziel “BASEL“ schon sehr, sehr nahe gekommen. Bleibt es so? Komme ich noch weiter? Ein bisschen muss ich an meinen Hintern denken. Ich kann keine Prognose abgeben. Bei der Einfahrt nach Charlos Sur Saone sehe ich ein Formule 1 und ein MERCURE Hotel. Jetzt nur noch die viel befahrene Straße überqueren und die Nacht ist gerettet. Auf dem Weg dahin komme ich an einem Ibis vorbei! Es gibt noch Zimmer, ich bekomme einen guten Preis, die Nacht ist gerettet und das Steakhaus gleich nebenan. Guten Appetitt und bis morgen. Karfreitag vor den Osterfeiertagen. Mal schauen welche Wunder euch und mich erwarten werden? Übrigends Karfreitag gibt es in Fankreich nicht.

Glückliches Rind

Glückliches Rind

Schon am Canal

Schon am Canal

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Staistik: 109 Km in 5.54h, und 192 HM.

04.04.2012

Das heute einige Steigungen auf mich zukommen habe ich auf der Karte gesehen. Das mich diese Strecke Zeit kosten wird, war mir schon klar. Mein Tagesziel ist mit ca. 90 Km vorsichtig geplant. 2c Temperatur in der Früh, mehr als gestern. Der Himmel ist bewölkt. Die Sonne lässt sich nur erahnen. Raus aus dieser schrecklichen Unterkunft. Aufs Rad und los. Aus mehreren Gründen nehme ich heute die Straße. Zum Einen ist der Weg etwas kürzer, zum Anderen möchte ich heute die vom Regen des Vortags aufgeweichten, unbefestigten Schotterwege nicht fahren. Der Hauptgrund sind die Blasen an meinem Hintern. Heute gemütlich, wenig Erschütterungen für den Po. Nur bequem und gemütlich weiterkommen. Der Wind hat heute Pause. Bei max. 15c am Nachmittag kann ich den nicht auch noch gebrauchen. Die Füße und das Gesicht werden kalt. In den Pausen kein Plätzchen in der Sonne, um sich aufzuwärmen und die Kleidung zu trocken. Meine Mittagspause mache ich heute schon um 11.30h. Ein ALDI läd mich zum Einkaufen ein. Der Laden ist genau so wie bei uns Zuhause aufgebaut. Für 6.20€ kaufe ich mir Mittagessen. An einer nahen Anlage mit Bänken und Tischen mache ich in der Kälte Rast. Ich nehme meine Decke und mache auch noch 15 Min. ein Nickerchen. Heute komme ich an vielen Weiden mit Rindern vorbei. Beim Versuch ein Foto zu machen schrecke ich die wiederkäuende Kuh in ihrer Mittagsruhe hoch. Wenig später verbellt mich ein Hund, so groß wie ein Kalb. Gut, dass er hinter dem Zaun ist. Ich sehe Bullen, die von der Größe und dem Gewicht einem kleinen Elefanten ähneln. Bei diesen vielen Kühen möchte ich mit ihm tauschen. Ich erlebe, wie eine menschliche Ampel an einer Baustelle den Verkehr regelt: Also zwei Arbeiter sitzen auf der Leitplanke. Jeder hat ein Schild mit einer roten und einer grünen Seite in der einen Hand. In der anderen Hand ist die Zigarette. Kommt nun aus der einen Richtung ein Fahrzeug, oder ein Radler, rufen sie sich zu und drehen entsprechend die Schilder. Fantastisch oder? Es gibt noch so einige Sachen, die in Deutschland und Frankreich unterschiedlich sind. Es gibt zu 80% nur Stopschilder und den Kreisverkehr. So viele Stopschilder habe ich in meinem Leben nicht missachtet, wie bis jetzt auf der Tour. Ich komme an einer Menge Kläranlagen vorbei, in dieser ländlichen Gegend nichts besonderes – aber hier gibt es keine Hinweisschilder dafür. In Deutschland undenkbar. Frag mal einen Franzosen nach dem Weg. Alle wissen sofort die Richtung. Dazu sind sie sich alle ganz sicher. Ich frage jetzt nach 500m erneut einen Passanten und vergleiche die beiden Aussagen mit meiner Karte. Sischer is sischer…! Ich wollte heute meine Wäsche in einem Waschsalon waschen lassen. Die Preise haben mich dazu gebracht, doch im Zimmer in der Badewanne selbst zu waschen. Meinem Ziel einen Döner in Istanbul bin ich heute näher gekommen. Ich sitze hier in einem Imbiss und habe mir gerade einen bestellt. Nur so als Vorgeschmack… Heute: 93.5 Km in 5.25 Min. Maximale Geschwindigkeit 55.5 Kmh, 544 HM, mit max. 14% Steigung. Im Übrigen waren die Steigungen sehr lange und die Abfahren kurz. Mehrmals durfte ich von ca. 445 HM auf ca.484 HM hochschieben. Ich bin gar nicht mehr gegen den Berg angefahren. Morgen mehr über Rinder und Ziegen.

Hund oder Kalb?

Hund oder Kalb?

Die Schlüsselblume zum Glück

Die Schlüsselblume zum Glück

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03.04.2012

Die Tränen laufen mir über die Wange. Gerade mal 750 m gefahren. Die Kälte am Morgen ist nicht zu unterschätzen. 8.30 h und gerade mal 6c. Ich halte am Ende des Gefälles an und trockne mir die Augen. Weiter geht es in Richtung Nevers, einem Etappenziel, und mein Ort für die Mittagspause. Aus der Ferne kommt so eine Art kleiner Range Rover mit Anhänger auf mich zu. Bom, Bom, Bom knallt der Hänger auf der reparaturbedürftigen Straße. Plötzlich ein metallisches Kling! Der Hänger löst sich und überquert, von links, vor mir die Straße. An einem geparktem Auto kommt er mit einem lauten Knall zum stehen. Kurz darauf halte ich zittrig an. Das gibt’s doch nicht. Der PKW Fahrer kommt 100 m hinter mir zu stehen. Aus dem Haus kommt ein Pärchen gerannt. Die Frau macht ein unheimliches Geschrei nur wegen dem Auto. Alles andere ist Nebensache. Der PKW Fahrer ist durcheinander. Ist dem Radler was passiert? Da mich sowieso keiner versteht radle ich weiter. Schicksal, Glück oder wer hat den Hänger an mir vorbeigelenkt? Die Situation beschäftigt mich noch eine Weile. Einige Km weiter nehme ich mein Frühstück in einem kleinen Bistro, in mich gekehrt, ein. Bis nach Nevers gönne ich mit mehrere kleine Pausen. Nebensächlichlichkeiten lassen mich oft verweilen. Um 14.30 h will ich mich wieder auf den Rückweg zur Strecke machen und Nevers mit einem Umweg von ca. 20 Km verlassen. Mein für mich gesetztes Tagesziel verwerfe ich. Heile und gesund in einem Hotel ankommen ist mir wichtiger. Wieder zurück auf der Hauptstrecke werde ich auf einem unheimlich langweiligen Weg geschickt. Asphalt so weit das Auge reicht. Weg von der Loire. Immer wieder die langen, sanften Anstiege. Danach kurze und schnelle Abfahrten. Zu alle dem kommt um 17 h auch noch Nieselregen auf. Er wird stärker. Nachden ich wiedermal von der Strecke abkam auch noch stärker. Von einem Hotel keine Spur. Ich muß nach Dezise. Noch 26 Km. Die letzten Km geht’s gut bergab. Ich komme völlig durchnässt an. Die Reklame eines Hotels am Ortseingang lockt mich blinkend an. Der Blick auf die Preisliste mobilisiert die letzten Reserven. In der Innenstadt frage ich nach einem Hotel. „Fahren sie ins ‚Bel Air'“ sagt mir ein junger Mann, nur noch 3 km. Nach 140 Km und 8.01 h im Sattel ist mir alles egal. Die 508 Hm mit den max. 8 % Steigung lassen grüßen. Mein Hintern macht noch mit. Aber wie lange noch?

Der Anhänger auf Abwegen

Der Anhänger auf Abwegen

Brüder und Schwestern

Brüder und Schwestern

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