28.03.2012

Der Morgen ist kalt. Nur ein wenig Nebel. Wir machen uns auf den Weg zum Startpunkt. Die Brücke über die Loire zeigt uns den Weg. Aus den Reiseberichten habe ich die Info, das der Ausgangspunkt nicht leicht zu finden ist. Es ist auch so. Nach einigen Minuten sind wir da. Endlich. Martina hilft mir das Rad aus dem Auto zu heben. Die Sonne strahlt schon hinter den Bäumen hervor. Noch ein Foto. Ein Kuss mit der Liebsten und los geht’s. Nach 50 m. Halt. Stop. Hier gibt es noch ein besseres Motiv für das erste Foto. Alles nochmal von vorne. Nun geht es aber los. Gleich am Anfang lobt sich die EU wieviel €uros in das Projekt geflossen sind. Ich werde Feedback geben, ob sich die Investitionen gelohnt haben. Das Wasser plätschert, die Vögel zwitschern – genauso wie Zuhause. Der Verkehr auf der Brücke rauscht. Ein Knattern durchbricht den Morgen. Ein ganz alter LKW fährt auf die Brücke. Es hört sich an, als hätte er nur einen Vespamotor. Nach 2 Km habe ich zum ersten Mal die Entscheidung zu treffen, welche der vorgeschlagenen Wege ich nehmen soll. Ich nehme den Kürzeren. Es ist der Falsche. Nach 500 Metern versinke ich in Sand… Die nächste Möglichkeit zurück zur Hauptroute. Angenehm ist die Strecke zu fahren. Kaum Verkehr. Der grobe Asphaltbelag macht Freude. Das Rad macht Freude. Nur der Gegenwind macht Sorgen. Geht das so weiter? Ich bin erst am Anfang. Wird er mein Freund oder mein Feind werden? Ein Bauer pflügt das Feld. Der modrige Geruch sagt meinem Gehirn, dass es Frühling wird. Das Hirn soll jetzt mal die Melantoninproduktion einschränken. Über mir ein Dutzend, nein Hunderte von Möven. Das Geschrei erinnert an Kindergeschrei. Das ist ja im Vergleich noch angenehm. Ihr da oben macht jetzt bloß keinen Scheiß! Ich fahre KM für KM am Kanal entlang. Kaum ein Mensch. Nur Schafe, Ziegen, Hühner, Hunde und Katzen. Eine Gruppe Radler kommt mit entgegen. Ich denke es sind Sportler. Es werden für diesen Tag nicht die Letzten gewesen sein. Das Begleitfahrzeug fährt hinterher. Der Fahrer sieht sehr, sehr entspannt aus. Das Übersetzen mit der Fähre kostet Zeit. Doch die habe ich ja. Nach den ersten kleine Pausen suche ich jetzt einen Platz für die Mittagspause. Er soll schön sein. Dort will ich eine Stunde Rasten. Nach 59 KM ist er gefunden. Doch er ist besetzt. Ich setze mich dazu. Antoni, so ist der Name des jungen Mannes, ist sehr freundlich. Er verzehrt sein MC Menü und die Cola. Ich packe meine Französische “Ahle Wurscht“, Graubrot, 2 Magnesiumpillen, 5 Fruchtgummis und mein Wasser aus. Jeder eben so wie er will. Wir kommen schnell ins Gespräch. Er war
schon 20 Monate als Backpacker auf der ganzen Welt unterwegs. Für meine Reise durch Bulgarien und Rumänien soll sich meine Frau keine Sorgen machen. Die Menschen dort sind alle nett, sagt er so nebenbei. Ab jetzt zieht sich die Strecke. Die nächsten 38 KM ziehen sich. Immer eine leichte Steigung. Obwohl es ja am Fluss entlang geht. Nur eben in die andere Richtung. Wie war das nochmal? Flussauf- oder Flussabwärts. In welche Richtung darf ich mehr strampeln? Ich werde Walter A. nochmal fragen. Die Strecke durch Nantes war so lala. Einerseits an der viel befahrenen Hauptstraße entlang, andererseits an den neuen Prachtbauen der Uni und anderen Verwaltungsgebäuden mit vorbildlich angelegten Erholungsflächen vorbei. Nur 2 Km weiter befindet sich das weniger schöne Stadtviertel. Die Herren Investoren, Architekten und Politiker sollen einmal darüber nachdenken auf den Glimmer in der Fassade und die aufwendigen Formen zu verzichten. Dafür kann an der anderen Stelle ein Wohnpark und wenn auch nur mit Mobilhome und einer funktionierenden Abfallentsorgung auf Jahre geholfen werden…. Mittlerweile sind es 24C ich hoffe die Temperatur steigt nicht weiter. Die Oberarme und Schenkel nehmen die Sonnenstrahlen auf. 5 mal ein dreiviertel Liter Wasser sind weg. 2 davon habe ich auf der Toilette im 4 Sterne Hotel in Nantes aufgefüllt. Die haben vielleicht geguckt, als ich reinkam! Die Stecke zehrt an mir. Noch ein paar KM und dann ins Hotel. Für die Statistiker 89 HM, 1% Steigung, 5,26 H auf 90 KM.

27.03.2012

Es ist kalt. Die ersten Vögel zwitschern. Sind es die neuesten ornithologischen Nachrichten oder der “Guten Morgen Gruß“ an den neuen Tag? Wir Menschen werden es wohl nie erfahren. Der feuchte Nebel liegt über Lohfelden. 6 Uhr. Das Rad ist gut im Auto verzurrt und das Gepäck ist auch schon seit gestern Abend verstaut. Schnell noch den heißen Kaffee und die Brötchen eingeladen. Jetzt geht es in Richtung Atlantik los. Auf der Höhe von Soest sehe ich im Rückspiegel die Sonne aufgehen. Ein herrlicher Anblick. Ich werte es als ein gutes Zeichen. Wenn das Wetter in den nächsten 14 Tagen so wird, wie es die Sonne heute Morgen verspricht, kann nichts mehr schiefgehen. Um 14 h sind wir an Paris vorbei. Die halbe Strecke ist geschafft. Um 17 h überqueren wir das erste Mal dir Loire. Die Vorfreude steigt an. Jetzt noch das Hotel finden und die Klamotten umpacken. In 11 Stunden geht es los. Meinen Startpunkt, die Brücke über die Loire und die Mündung habe ich schon aus der Ferne gesehen….

22.03.2012

Heute ist der Tag an dem ich die Packliste überprüfe. Habe ich nichts vergessen? So wie wir „alten“ das halt so machen wird erst einmal alles auf DIN A3 aufgeschrieben. Von oben nach unten wird nun abgehackt: Handyladekabel, Brille, Kopien der Dokument für den Brustbeutel, Trillerpfeife, Regenhose (wo habe ich die nur im Haus versteckt) und die Ohropax fehlen noch. Nur noch 5 Tage bis zum Start in St. Nazaire. Komprimierter Druck erzeugt Energie, das wird mich schon antreiben. Der Tag hat für mich auch noch angenehme Momente. Heute wird mir Jörg Z. den finalen Enturf für die Rad Shirts zeigen. Ich  bin sehr gespannt darauf. Es ist schon unglaublich wie viel Arbeit in einem solchen Logo und dem Aufbringen auf die Shirts steckt. Für mich ist das eine neue Erfahrung, doch Jörg geht professionell mit der filligranen Vorlage und dem Aufbringen der Vorlage auf die Shirts um. Hut ab. Auch die ersten Spendenzusagen aus dem Ausland, genauer aus Österreich, wurden heute avisiert. Wolfgang, der Robin Hood aus Österreich, der, der es den Reichen nimmt und den Armen gibt, hat eine Spende versprochen. Bei meinem Aufenthalt in Wien werde ich einen „Heurigen“ auf Ihn trinken. Freunde kann man beim Wort nehmen – oder? Jetzt noch die ganzen Sachen in den beiden Packtaschen sinnvoll verstauen. Gar nicht so einfach. Alleine die Medikament fliegen nur so rum. Die Lösung ist schnell gefunden. Alles in einer alten Frühstücksdose der Kinder verstauen. Nimmt kaum Platz ein, ist leicht und alles ist gut gesichert. Immernoch  der Gedanke – wo ist die Regenhose? Ich nehme sie nur mit weil es ja so ist, dass der Regen wenn die Hose dabei ist nicht einsetzt …. . So hofffe ich jedenfalls. Ich werde es hoffendlich nicht erleben.

Jetzt noch ein Wochenende ohne Rad und nur mit meiner Frau Martina verbringen. Einfach nocheinmal ausspannen.

Die Vorfreude steigt stetig.  Bald geht es los. Bis zum nächsten Block.