22.03.2020 Hätte, hätte Fahrradkette oder Momente in denen die Zukunft so „plötzlich“ ihre Richtung ändert.

Die Zeit ist jetzt. Einfach eine Tiefenkrise.

Ab heute, 22. März sind es noch 32 Tage bis zur ersten Radreise in 2020. Das Ziel ist Bishkek.

Geplant ist:

23.04.2020

die Anreise mit dem Zug von Kassel zum Airport nach Frankfurt/Main.

Gegen 20.30 Uhr Ankunft in Taschkent/Usbekistan, dort  Übernachtung im Pearl Hostel in Taschkent für € 6.00 die Nacht inkl. Frühstück.

24.04.2020

Gegen 11.00 Uhr über die Grenze nach Kasachstan nach ca. 75 Km Übernachtung im Zelt in der Nähe einer Tankstelle in Sharapkhama.

25.04.2020

Heute nur 60 Km bis nach Shymkent, dort Übernachtung im ShymHostel für € 8.00 inkl. Frühstück

26.04.2020

Weiter nach Kizen, ca. 85 Km, dort wieder Übernachtung an einer Tankstelle

27.04.2020

Von Kizen nach Nurkent. Ich hoffe das Radeln an der Autobahn hat mich noch nicht ganz verrückt gemacht. Die zweiten Berge sind vor mir. Eine feste Herberge habe ich bei der Recherche nicht gefunden. Macht nix meine 1000 Sterne Herberg ist in der Packtasche dabei.

28.04.2020

Weiter nach Taraz. Es sind 65 Km geplant. Es gibt dort ein Hotel für 17.00 €. Das werde ich mir wohl leisten.

29.04.2020

Heute sind 80 Km nach Maldybay  geplant. Es geht immer nach Osten. Von woher kommt wohl der Wind?

30.04.2020

Noch 3 Tage bis Bischkek. Das Tagesziel ist Merki. Es sollte nur 80 Km entfernt sein. Eigentlich bin ich jetzt fit genug das locker zu meistern. Zur Belohnung gibt es ein Bett im Hotel Kernygen. Den Preis werde ich verhandeln müssen.

01.05.2020

Noch 140 Km nach Bischkek. Davon will ich heute heute 60 Km bis nach Karabalta schaffen. Dort gibt es das Hoste Nekrasov  mit schlechten Bewertungen. Will ich das?

02.05.2020

Die letzten 80 Km bis nach Bischkek. Noch ein Mal über die Grenze und ich bin in Kirgisistan.

Doch ein Virus macht das alles, die Planungen und Recherchen von vielen Stunden, nicht nur bei mir zunichte. Umdenken, soziale Verantwortung, zusammenstehen mit der nötigen Distanz ist jetzt das oberste Gebot der Stunde für jeden einzelnen von uns hier im Land und auf der ganzen Welt. Wir werden uns noch wundern, dass die únd so wichtigen sozialen  Verzichte, die wir leisten müssen, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach der ersten Schockstarre nach so 10 Tagen die wir zum orientieren benötiegen fühlen wir uns sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Ein NEIN hat wieder eine andere Bedeutung für uns alle. Distanz und Nähe werden neu definiert. Ich freue mich darauf. Nach diesem Reset kann ich, können wir alle Neu starten. Ich freue mich auf noch viele, viele Kilometer in mir unbekannten Ländern auf meinem Rad.

Never ride alone…

07.11.2019 Nieheim nach Münster

Die Nacht im Hotel Berghof war sehr angenehm und ruhig. Das Zimmer war Top in Ordnung und alles war sauber. Zum Frühstück wurde ich nach meinem Wunsch für die Eierspeise gefragt. In solch einem Hotel habe ich diesen Service nicht erwartet. 10 Min später als geplant ging es bei 2 Grad im Nebel los. Schnell war ich aus der beschaulichen kleinen Stadt mit seinen 6000 Einwohnern raus und in Richtung Nord-West unterwegs.

Bis nach Schloß Holte Stukenbrock war irgendwie der Wurm drin. Ich habe meine grob geplante Route noch gefunden. Ein stetiges bergauf und bergab war die Quittung für die mangelhafte Vorbereitung an diesem Tag. Das fehlen des Regens und des Gegenwindes trugen trotzdem zur guten Laune bei. Meine erste 40 Min Pause legte ich in Detmold ein. Die Ladestation war direkt am Bahnhof in einer gut gesicherten Radgarage. Ich musste mir eine Pfandkarte für 3€ ziehen um reinzukommen. Drin habe es neben Stellplätzen für über 100 Räder auch Schließfächer zu laden der Akkus. Diese wurden mit 1 € aktiviert. Das Entgelt gab es jeweils am Ende wieder zurück. Vorbildlich wie ich meine.

Die Wartezeit verbrachte ich im warmen Bahnhof ganz bequem. In Gütersloh hatte meine App keinen Hinweis auf eine Ladestation. Ich ging in die  Touristen Info. Dort  googelte die Mitarbeiterin das Radparkhaus am HBF wohl eine Möglichkeit bietet. Dort kommt man aber nur als registrierter Nutzer rein. Einfacher und Kunden- und Serviceorientierter wäre die gut sichtbare und leicht zugängliche Steckdose im Tourismus Büro gewesen. Hausaufgabe im Office nicht gemacht!! Am HBF lud ich in einem zugigen  Café mit schmutzigen Toiletten meinen Akku und versuchte mich zu erholen. War aber nix. Weiter ging es nun sehr gut ausgeschildert nach Warendorf. Natürlich beim losfahren mit Regen. Nach 1 KM zog ich meinen Poncho über und radelte los. Es hat so gar keinen Spaß gemacht. Am anspruchsvollsten war die kurze Passage durch ein Waldstück. Das war eine Schlammschlacht ohnegleichen. Das Vorderrad rutschte ständig weg und die Schlaglöcher und Pfützen waren unter dem feuchten Laub nicht zu sehen. Langsam war ich dann endlich durch. Bei meiner Teepause erholte ich mich und es hörte auf zu regnen.

Bis jetzt hänge ich gute 15 KM hinter meiner Planung oder ich fahre jetzt schon 15 KM von den geplanten 125 mehr. Nach Warendorf ging es über Telgte nach Münster. Dort wollte ich vor Sonnenuntergang um 16.40 Uhr sein. Als ich dort angekommen bin war es schon dunkel. Jetzt noch die 14 KM nach Münster. Soll ich in der Dunkelheit fahren? Schnell war ich mit mir einig, dass es auf den guten und geraden Radwegen an der Straße gehen wird. Die vielen Radfahrer die mir entgegenkamen bestätigten das auch noch. Viele Kilometer vor Warendorf habe ich schon mal abgefahren, als ich auf dem Emsradweg unterwegs war. Den hatte ich vor einigen Jahren auch schon mal im November bis zur Nordeee und dann weiter nach Büsum gemacht. In Münster bin ich zu meiner Orientierung erstmal zum Bahnhof geradelt. Dort habe ich mein Bett im H.ostel gebucht. Danach das 8 Bett Zimmer beziehen, eine warme Dusche, das Rad in der Lobby abstellen und essen gehen. Heute bin ich früh in meinem Bett. Die 149 KM machen sich bemerkbar.

06.11.2019 Lohfelden nach Nieheim

Der Plan für den heutigen Tag ist aufgegangen. 125 KM sollten es sein. 129 KM sind es am Ende geworden. Für mich eine Punktlandung. Bis KM 75 ging es immer an den Flüssen Fulda und Weser entlang. Danach grob in Richtung Westen auf dem Eurovelo 2, den ich jedoch auf keinem der Schilder gefunden habe. Er geht über 5200 KM von Galway, Irland nach Moskau. Dabei geht es auch durch unser schönes Radlerparadies Deutschland. Einmal von Westen nach Osten. Diese schöne Passage wollte ich heute eigentlich fahren. Eigentlich. War ich drauf oder bin ich daneben geradelt? Noch Weiss ich ich es nicht. Bis nach Hann Münden ging es sozusagen auf meiner Hausstrecke flott voran. Die Strecke ist mir mit all seinen Schikanen, vor allem im Herbst mit dem feuchten Laub, auf dem Radweg mit Vorsicht zu befahren. Vorsichtiges Fahren ist meine oberste Devise. Bisher ging alles gut. Es gibt ja keinen Gegenverkehr zu dieser Jahreszeit. Nur einen vollgepackten Radler habe ich vor Bad Karlshafen im strömenden Regen getroffen. Ja, bis Hann Münden an die Ladestation bin ich trocken gekommen. Im Moment der Stromentnahme fing es an zu nieseln. Mein Frühstück nahm ich dann im alten Welfenschloss vor der Bücherei im trocknen ein. Hier auf der zweiten Etage, zu finden durch ein Wirrwar an schmalen rund engen Treppen, gibt es auch saubere Toiletten und Steckdosen um den Akku zu laden. Mache ich beim nächstenmal so. Vorausgesetzt ich bin während der behördlichen Öffnungszeiten dort. Ach ja, im Nebenflur ist das Finanzamt untergebracht. Zurück bei der Ebike Ladestationen begann es stärker zu regnen. Also den Poncho überziehen. Ich hatte die Werrabrücke noch nicht überquert, schon schüttete es wie aus Eimern. Das hat dann bis Bad Karlshafen angehalten. Gut das der Wind hier noch von hinten kam. In Bad Karlshafen fand ich ein Kaffee direkt am neuen Hafenbecken. Meine Frage bezüglich der Akku laden wurde bejaht und so belohnte ich mich die nächsten 90 Minuten mit einem Kaffee und einem Gebäckteil. Dabei wurde ich trocken und konnte mich aufwärmen. Bei 5 Grad bin ich heute morgen um 7.04 Uhr losgefahren. Am Nachmittag waren es dann doch noch 7.4 Grad. Also war der Regen doch warm.

Noch ein kurzer Abstecher zur Diemelmündung, die nach 100,9 KM sich hier mit der Weser vereint und weiter auf der rechten Seite der Weser entlang in Richtung Höxter. Dort war nach 90 KM die nächste Pause geplant. Es war mittlerweile trocken und die Sonne habe ich auch so gute 15 Minuten gesehen. Am Ortseingang fand ich das Hinweisschild nach Nieheim. „Na die letzten 26 KM rockst du jetzt auch noch ganz locker“ sagte ich noch so vor mich hin…. gute 180 HM lagen jetzt noch vor mir.

Eigentlich nichts wildes. Aber meine Waden und mein Kopf hatten sich das nicht so beschwerlich vorgestellt. Der Akku ging nachdem ich die Unterstützung auf Sport umgestellt hatte bergan schnell in die Knie. Ich schaltete in die nächst tieferen Gänge. Die Zähne zusammen beißen und durchhalten sagte ich zu mir. Wo es raufgeht geht es auch wieder runter.

So kam ich voller stolz in Nieheim an. Am letzten Anstieg im Dorf war der Akku leer und noch keine Herberge gefunden. Ich radelte durch das Dorf die Hauptstraße in die eine und die andere Richtung und fand keine Herberge. Im Käsemuseum fragte ich die nette Frau nach einer Möglichkeit der Übernachtung. Sie sagte mir sehr freundlich und mit einem Lächeln „Fahren sie wieder zurück bis zum Kreisverkehr und dann den Berg hoch, oben dann links finden sie den Berghof“. Also los. Doch vorher noch den zweiten Akku rein und los, immer bergauf…. oben angekommen fand ich auch das Hotel und eine offene Türe. Die Rezeption war nicht besetzt doch eine Telefonnummer war hinterlegt. Auf meinem Anruf bekam ich ein Zimmer. Juhuuuuu! Jetzt setzte auch der Regen wieder ein. War mir aber egal.

Ich erinnerte mich bei der Durchfahrt des beschaulichen Städtchen an die Schilder der kurz hintereinander gereihten Museen an eine Reportage des WDR über eine Radreise zweier Menschen vom Harz über den Brocken bis nach Münster. Er führte auch durch diese Museums Stadt. Hier sind die Museen für Brot, Käse, Schinken, Bier und den Schnaps und sogar eines für Säcke zu finden. Morgen möchte ich in Münster ankommen. Mal schauen ob und wie das klappt.

20.10.2019 Altmühlradweg – Sulzbach Rosenberg nach Nürnberg

Gestern Abend konnten wir hoch oben von unserem Hotel aus noch einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten. Heute Morgen um 7 Uhr stieg die Sonne langsam im Osten auf. Gleichsam verhüllte der aufsteigende Nebel das Tal. Somit war das beschauliche Städtchen Sulzbach Rosenberg nicht mehr zu sehen.

Nach unserem stärkendem Frühstück rollten wir rasant den Berg in die kleine Stadt hinunter. Vergessen waren die Mühen des gestrigen Abends als wir den Berg mit seinen 70 HM und mit den vollgepackten Räder hochgeschoben sind. Das Städtchen war noch im Sonntagsschlaf. Nur die fleißigen Kirchgänger strömten um 10 Uhr aus der Kirche mitten in der Altstadt und verteilten sich in den Gassen. Der Pfarrer und die Messdiener standen an der Türe der Kirche und verabschiededen die Gläubigen und wünschten einen schönen Sonntag. 25 km radelten wir ganz entspannt immer rauf und runter durch die ruhigen Straßen und durch die Felder. Es war teilweise schon mehr rauf als runter. Die sanften bergab Passagen rollten wir still hinunter. In Hersbruck legten wir unsere Vormittagspause auf dem Marktplatz ein. Heute zur in Bayern zelebrierten „Aller Welts Kirchweih“ waren in der Stadt auch Fahrgeschäfte zur Kinder Belustigung aufgebaut.

Die Eltern wurden im sonnigen Biergarten unter Bäumen und den unbequemen Bierbänken mit den entsprechenden Speisen und Getränken bespasst! Die Sonne tat, sofern sie nicht immer wieder von den Wolken verdeckt wurde, gut. Unter der dicken Jacke begann ich sogar zu schwitzen. In Sulzbach Rosenberg, Hersbuck sowie auch in Lauf rollten wir langsam und gut durchgeschüttelt durch die mit Pflastersteinen ausgestatteten Innenstädte. Ich habe es nicht geschafft vom Fluss Pegnitz ein Foto mit dem Schild zu machen. Idyllisch war es allemal an ihr lang zu radeln.

Viele Fußgänger und Radler säumten heute unsere Tour. Unser Radklingeln hatten heute gut zu tun um die Herrchen, Frauchen und sonstigen Verkehsteilnehmer vor uns zu „warnen“.ln den kleinen Dörfern ist mir aufgefallen, dass viele Bäckereien für immer geschlossen waren. Jedoch waren die vielen kleinen Metzgereien noch geöffnet. Am Nachmittag wurde die Sonne stärker jedoch leider auch das  aufkommen der Menschen auf den Wegen heftiger. Die letzen 13 KM vor Nürnberg ging es an der vielbefahrenen Bundesstraße B 14 entlang. Das war nicht so prickelnd. War ja auch nicht mehr der original ausgeschilderte Radweg! Die letzten Kilometer am Wöhrdersee entlang waren nicht mehr schön zu fahren. Übervoll war dieser Freizeit- und Erholungspark. Auf den letzten Kilometern mussten wir noch durch die Fußgängerzone zum Bahnhof – natürlich wegen der Menschenmassen schieben. Nach über 420 Km ist diese sehr schöne Tour hier zu Ende.