Tag 3 – Sirenen, Waldwege und drei Berge

Liebes Tagebuch,
gestern Abend war es plötzlich richtig unheimlich. Wir saßen noch gemütlich vor dem Zelt, als auf einmal überall die Sirenen losheulten.
„Was ist denn jetzt passiert?“, fragte ich und schaute Robert mit großen Augen an.
„Keine Ahnung. Wir warten erst einmal ab“, sagte er ganz ruhig.
Trotzdem klopfte mein Herz ganz schön schnell.
Etwa eine Stunde später hörten wir von Weitem ein lautes „Wupp-Wupp-Wupp-Wupp“. Ein Hubschrauber flog immer wieder über den Wald. Er schien etwas zu suchen. Das Geräusch wurde mal lauter und mal leiser, je nachdem, wo er gerade war.
Kurz danach fuhren Feuerwehr und Polizei mit Blaulicht durch unseren Campingplatz. Vorneweg ein großes Feuerwehrauto und dahinter ein Mannschaftswagen. Die blauen Lichter blitzten zwischen den Wohnwagen und den Bäumen. Überall schauten Menschen aus ihren Zelten oder kamen neugierig heraus.
Ich blieb lieber ganz dicht bei Omartina und Robert.
Dann kam ein Feuerwehrmann direkt aus dem dunklen Wald. In seiner Hand hatte er eine riesige Taschenlampe. Der Lichtstrahl war so hell, dass er sogar bis in die leeren Wohnwagen leuchten konnte.
Er zeigte den Leuten ein Foto.
„Haben Sie diesen Mann gesehen? Er wird seit fünf Stunden vermisst. Er ist hilflos und braucht dringend Hilfe.“
Plötzlich war es ganz still.
Jetzt wusste ich endlich, warum alle so aufgeregt waren.
„Dann suchen sie ihn also nur?“, fragte ich leise.
„Ja“, antwortete Robert. „Sie tun alles, damit sie ihn schnell finden.“
Da war ich sofort viel beruhigter.
Bevor wir einschliefen, hatte ich bestimmt noch hundert Fragen.
„Wie findet man jemanden im Wald?“
„Warum fliegt der Hubschrauber so tief?“
„Kann man nachts überhaupt etwas sehen?“
Robert beantwortete geduldig jede einzelne.
Vorher hatte Omartina mir noch meinen letzten Tagebucheintrag vorgelesen. Ich musste grinsen.
„Das stimmt ja alles genauso!“, sagte ich stolz.

Heute Morgen wollte ich eigentlich ganz früh heimlich aus dem Zelt schleichen, um endlich nach den Wichteln zu schauen.
Aber das habe ich verschlafen.
Als ich aufwachte, war das ganze Außenzelt voller kleiner Wassertropfen. Es sah aus, als hätte jemand tausende glitzernde Perlen darauf gelegt. Als die ersten Sonnenstrahlen darauf schienen, funkelte das Zelt wie mit Diamanten bestreut.
Wir legten das Außenzelt sofort in die Sonne.
Nach dem Frühstück und dem Zähneputzen ging ich noch schnell auf den Spielplatz. Dort war es schon schön warm. Die Sonne schien durch die Blätter der Bäume und überall zwitscherten die Vögel. Das tat richtig gut.


Dann starteten wir unsere Radtour.
Schon nach wenigen Minuten wurde der Weg immer schmaler.
Aus einem Radweg wurde ein kleiner Trampelpfad mitten durch den Wald.
Überall ragten dicke Wurzeln aus dem Boden. Große Steine lagen zwischen dem weichen Waldboden. Es roch nach feuchter Erde, Moos und Tannennadeln. Man hörte Spechte klopfen, Vögel singen und manchmal knackte irgendwo ein Ast.
Hier merkte ich, warum ein Mountainbike etwas Besonderes ist.


Die dicken Reifen rollten über Steine und Wurzeln. Die Federung schluckte viele Schläge, trotzdem hüpfte mein Fahrrad manchmal richtig in die Luft. Ich musste den Lenker gut festhalten und immer weit nach vorne schauen.
Mountainbikefahren ist ganz anders als auf einer Straße.
Man sucht sich ständig die beste Spur. Mal fährt man links an einer Wurzel vorbei, dann wieder rechts an einem Stein. Manchmal steht man sogar auf den Pedalen, damit das Fahrrad besser über Hindernisse klettert. Bergauf braucht man Geduld und den kleinsten Gang. Bergab muss man ruhig bleiben und gut bremsen.
Es fühlt sich fast so an, als würde man mit dem Fahrrad ein kleines Abenteuer bestehen.
An einer besonders steilen Stelle passierte es.
Mein Vorderrad rutschte in eine tiefe Kuhle.
Ich musste absteigen.
„Das schaffst du! Noch einmal!“, rief Robert.
Der erste Versuch klappte nicht.
Der zweite auch nicht.
Ich atmete tief durch.
„Jetzt gib alles!“
Ich schaltete in den kleinsten Gang, trat so kräftig ich konnte in die Pedale und…
…geschafft!
Oben angekommen jubelte ich laut.
Heute mussten wir insgesamt drei Berge hochfahren.
Alle drei habe ich geschafft.
Na gut… Robert war wieder meine Anschiebehilfe.


„Ein kleiner Schubs gehört schließlich zum Teamwork“, lachte er.
Am schönsten war die Fahrt auf den breiten Schotterwegen mitten durch den Wald. Die Sonne blitzte zwischen den hohen Bäumen hindurch und malte helle Flecken auf den Boden. Der Wind rauschte in den Baumwipfeln und überall roch es nach frischem Holz und Wald.
Bergauf musste ich vorsichtig fahren. Auf dem losen Schotter konnte das Hinterrad leicht wegrutschen.
Als wir schließlich den Campingplatz Erzberg erreichten, bekamen wir einen tollen Platz direkt gegenüber vom Schwimmbad.
„Perfekt!“, rief ich.
Beim Zeltaufbauen war ich heute schon fast der Chef.
„Das Gestänge kommt hier rein! Nein… die andere Seite zuerst!“, sagte ich grinsend.
Robert musste lachen.
„Na gut, Chef!“


Danach gingen wir sofort ins Schwimmbad.
Das Wasser war eiskalt!
Ich sprang hinein und war genauso schnell wieder draußen.
Zum Schluss machten Omartina und ich noch ein Wettschwimmen.
Ich gab wirklich alles.
Ich paddelte, strampelte und spritzte das Wasser nach hinten.
Im Ziel schaute ich zu Omartina.
„Heute warst du zwei Sekunden langsamer!“, rief ich stolz.
„Na warte, morgen bekomme ich meine Revanche!“, lachte Omartina.
Am Nachmittag spielte ich noch lange im riesigen Sandkasten. Ich siebte Sand, bis ich zwölf große Sandhaufen zusammen hatte. Das machte richtig Spaß. Der feine Sand rieselte durch das Sieb wie ein kleiner Wasserfall. Danach war ich ganz schön müde und legte mich im Schatten neben unser Zelt. Dort war es angenehm kühl. Ich hörte die Vögel zwitschern, den Wind in den Bäumen rauschen und irgendwo lachte ein Kind. So konnte ich richtig entspannen.
Jetzt freue ich mich schon auf das Abendessen. Ich darf wieder aussuchen, was Omartina, Robert und ich essen.
Bei mir wird es bestimmt wieder ein leckeres Schnitzel geben.
Aber auf eine Sache freue ich mich noch viel mehr:
Kaiserschmarrn!


Wenn der frisch gebacken aus der Küche kommt und nach Butter, Vanille und Puderzucker duftet, kann ich kaum warten, bis ich den ersten Bissen essen darf.
Heute war ein Tag voller Abenteuer. Erst die spannende Suche nach dem vermissten Mann, dann die aufregende Mountainbike-Tour durch den Wald, drei geschaffte Berge, das kalte Schwimmbad und zum Schluss ein gemütlicher Nachmittag auf dem Campingplatz.
Morgen wartet schon das nächste Abenteuer auf uns.
Dann packen wir unser Zelt ein und machen uns auf die Heimreise nach Kassel.
Ich freue mich riesig darauf, Mama und Papa wiederzusehen. Gleichzeitig bin ich auch ein bisschen traurig, weil unser Camping-Abenteuer schon vorbei ist.
Aber ich glaube, genau das ist das Schönste an einer Reise:
Man erlebt jeden Tag etwas Neues, sammelt Erinnerungen, die man nie vergisst, und kommt mit ganz vielen Geschichten wieder nach Hause.
Und wer weiß …
Vielleicht haben die Wichtel heute Nacht doch noch eine kleine Überraschung für mich versteckt.

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