1. Mai 2021 Durcheinander – Geordnet – Durcheinander

Ein leeres Blatt Papier liegt vor mir. Ich will über meine Radreisen berichten, dabei die vergangenen Stunden des Tages Revue passieren lassen, meinen Gedanken freien Lauf lassen, sie mitteilen und euch alle an den Bildern in meinen Kopf teilhaben lassen.

Nichts geht!  Alles Leer?

Nach den vielen Monaten mit den unvorhersehbaren, nicht beeinflußbaren Ereignissen und allgegenwärtigen Ungewissheiten ist es leicht, sich gebrochen und leer zu fühlen. Aber genau aus diesen gebrochenen Teilen wird das Puzzle des Daseins wieder zusammengesetzt und ein neues Bild nimmt in uns und mit uns und um uns herum Gestalt an.

Ich freue mich schon darauf, euch die ersten Berichte meiner neuen Radreisen vorstellen zu können, die aus einer so komplizierten Zeit stammen und das, dass Ende dieser Pandemie für bessere, wieder unbeschwerteren Zeiten, für alle bald erreicht wird.

In meinen Gedanken beschäftige ich mich mit der Zeit, die viele von uns mehr oder weniger intensiv erleben: Vom Moment, der so viele Gewissheiten und vertraute Routinen in Stücke gerissen hat und der uns jetzt dazu bringt alles mit neuen Augen zu sehen und die eigene Zukunft mit veränderten Perspektiven wieder aufzubauen und neu zu konstruieren. Eigene Perspektiven sind nun sofort zu ändern und die Gegenwart ist neu zu interpretieren. Ich muss meinen Gedanken einen Raum für eine Zukunft lassen die dann immer noch anders als gedacht und unvorhersehbar sein wird.

Spreche ich von den Gedanken die ich in der für mich neuen Rubrik „Rekonstruktionen“ ablegen kann, deren Auswirkungen jedem von uns ansprechen, von Schwierigkeiten und Wiedergeburt, von Positivität und Optimismus, von Gesichtspunkten und Veränderungen, von Entscheidungen und vor allem von der Energie, die für den normalen Alltag benötigt wird. Jetzt ist die Zeit sich selbst Stück für Stück, Tag für Tag neu zu entdecken und sich verändert wieder neu gefestigt zu positionieren und während dessen sich selbst wirklich treu zu bleiben.

Vieles ist zerbrochen als wäre es aus Holz. Das Lebendige fehlt!  Die vielseitigen und uns antreibenden sozialen Kontakte verleihen uns nur einen Hauch von Energie.

Es sind jetzt einzigartige und unruhige Momente die mich beschäftigen: Der Frühling kommt, die Natur erwacht, der Muttertag steht bevor, Geburtstage wollen gefeiert, Reisen unternommen werden. Warten wir nicht alle bis zur letzten Minute um unsere Entscheidungen final zu treffen und uns mitzuteilen? Dieses mulmige Gefühl der verhaltenen und quälenden Unsicherheit  anderen mit seinen Entscheidungen nicht zu gefallen oder ihnen gar weh zu tun muss schon bald für uns alle enden.

Heute beginnt für mich der erste Tag in dieser neuen Zeit. Ich bin bereit ein aktives Teil zur Lösung des globalen Problems zu sein! Ich will zur Lösung beitragen, das Geschwätz und die abgewetzten und Inhaltlosen, unzeitgemäßen und unhaltbaren Phrasen der „anderen“ kann ich nicht mehr hören. Das kollektive jammern und schimpfen auf alles was andere entscheiden und uns vermeintlich einschränkt, will ich nicht mehr hinnehmen.

Ich nehme heute meinen schon so lang ersehnten ersten Impftermin wahr und freue mich schon meiner doch so selbstverständlichen, jetzt dann neu erlangten Freiheit ein klein wenig näher zu kommen.

I´ll never ride alone.

D – 20.11.2013 Mainradweg Bayreuth –

M

Erst am frühen Mittag bin ich in Bayreuth, südlich unterhalb des Festspielhügels, also am Bahnhof, gestartet. Vielen Dank an das  Team vom „Hotel Bayerischer Hof“ für das gratis unterstellen des Rades in der Hotelgarage an meinem Ruhetag. Der leichte Regen sollte sich nach der Wetterprognose am Nachmittag verabschieden und der Sonne weichen. Denkste! Schnell war ich auf dem schon in der Stadt gut ausgeschilderten Radweg angekommen. Auf einem Bahntrassenweg ging es bis zum zusammenfluß des Weißen und Roten Main. Von den beiden Farben konnte ich im übrigen keine, auch unterzuhilfenahme aller meiner Phantasie, ausmachen. Schnell war ich vorangekommen. Um 13.00h war ich schon an Kulmbach vorbei. Die heutige Strecke war mit vielen Schotter und unbefestigten Abschnitten gespickt. So richtig Schlamm hatte ich nur einmal. Die wenigen Steigungen habe ich genossen. Der Rennsteig lässt grüßen. Mein heutiges Tagesziel ist Lichtenfels. Dort angekommen haben mich der obligatorische Fitness- Zeitmanagement und Wettercheck dann doch noch bis Bad Staffelsetein geführt. In einem schönen und freundlichen Hotel bin ich so gegen 16.45h untergekommen. Keine 200m vom Radweg neben dem Bahnhof entfernt. Den Namen der Herberge habe ich mir nicht gemerkt. Was habe ich heute gelernt. „Hochstadt“ nennt sich „Hochstadt“ weil es „hoch“ oben angesiedelt ist. Die wenigen Steigungen waren so gar keine Herausforderung und auch bei Nießelwetter kommt man, wenn auch schlechtgelaunt voran. Statistik: 73km in 4.13 H bei einer Durschnittsgeschwindigkeit von 17.1kmh und 356 HM rauf sind auch bei Regen machbar.

D – 16.11. -17.11.2013 Rennsteig – Radweg Neuhaus – Blankenstein



Rennsteig-Radweg Hörschel – Oberhof 16.11.2013

Seit heute bin ich mit sicher das die Kirche auch an der Gestaltung des Rennsteig-Radweg beteiligt war. Ich mutmaße mal das zwischen den Radwandernden aus Katholen und Evangolen unterschieden wird. Wie konnte der Martin Luther aus Worms kommend einen Teil des Rennsteig benutzen und dann noch in aller Ruhe und mit all seiner Kraft seine Thesen an die Tür hämmern? Wahrscheinlich hatte er in seinem Rucksack auch noch die Nägel und einen besonders schweren Hammer dabei! Laut bikeline Führer besteht die Strecke aus Schotter, Asphalt und Wanderwegen. Heute habe ich nur noch die Schotter, Schotter und nochmals die Schotterwege in Erinnerung. Die Bezeichnung Radwandern hat bei mir eine neues Türchen in meiner Gefühlswelt aufgemacht. Nach unten fahren und nach oben schieben. 1792 HM habe ich heute bewältigt. Enorm mit einer Stunden km/h von 11,3. So viel hatte ich in meiner Radlerzeit noch nie bewältigt. Dementsprechend war ich auch kaputt. Doch die 79 KM hatten auch angenehme Passagen. Schon um 9 h sah ich aus der Ferne, etwa in gleicher Höhe, im Nebel und den ersten warmen Sonnenstrahlen, die Wartburg. Für diesen Anblick durfte ich schon ganz schön schwitzen. Weiter ging es auf den nicht endenden Steigungen. Die Trinkpausen wurden nie langweilig. Das Panorama war umwerfend. Auf den gegenüber liegenden Bergen konnte ich die schon gefahrene Strecke in der Sonne sehen. Der Geruch der Fichten und Tannen mit dem Geruch des nassen, schon leicht faulenden Laubs ist Natur pur. Hier oben höre ich keine störenden Geräusche. Nur die wenigen Vögel und die stetigen Wassertropfen, die von den Bäumen fallen untermalen die Landschaft. Regen gab es heute keinen. Dieses Klangbild kann ich gar nicht beschreiben. Die heutige Strecke war ab Eisenach mit 87KM beschrieben. Gut das ich aus dem Cantus schon in Hörschel ausgestiegen bin. Glatte 10KM gespart. Am Ende des Tages sollte es sich zeigen das es gut war. Um 16.00h entscheide ich in welchem Ort ich schlafe. Brotterode war noch zu früh. In Ebertswiese gibt es eine Möglichkeit. Denkste. Geschlossen. Jetzt ging im Kopf das Karusell los. Noch gute 35 KM. Immer Bergauf. Schotter und es wurde dunkel und schnell feucht und dazu noch kalt. -2c zeigte mein Tacho um 18h. Alle noch verfügbaren Kräfte wurden mobilisiert. Der Vollmond leuchtete ein wenig durch den dunklen, jetzt teilweise unheimlichen Wald . Das ist nichts für Angsthasen. Der Weg war nicht mehr zu erkennen. Jede Pfütze und jedes Schlagloch wurden mitgenommen. In der Ferne, es ging mal leicht bergab, die ersten Lichter. Das war der Grenzadler. An den Wintersporteinrichtungen wurde am späten Abend noch gearbeitet. Aus einem Discozelt ertönten die Apreskipartyknaller im Soundcheck. Die 120 BPMs schafften es nicht mehr mich anzutreiben. Wie in Trance rollte ich nach Oberhof runter. An der Kasserne fragte ich nach einem Bett. Die diensthabenden Kollegen lachten und schickten mich auf dem richtigen Weg ins Dorf. Viele Hotels und Gasthäuser sind noch zu. Ich fand noch ein Zimmer im Hotel Gründle. Am besten war das Frühstück. Sonst kein Kommentar.



Die Wetterprognose war mehr als sonnig. Für heute war nur Nebel vorhergesagt. Im laufe des Tage bestätigte sich die Vorhersage. Nach nur 10 Min war ich auf dem Radweg angekommen. Die erste Strecke ging, wie schon erwartet, auf Schotter los. Gleich neben dem Radweg verlief die gut zu fahrende Straße. Es ging heute zum großen Teil bergab. Die Abschnitte waren zum großem Teil gut zu befahren. Nur wenige Meter verliefen auf Schotter. Um 15h war ich berauscht. Ja fast besoffen von der letzten Abfahrt. Die Tränen liefen mir über die Wangen. Die Backen waren kalt und steinhart. Meine letzte Abfaht an diesen Tag hatte es in sich. Hier war es kurz vor Blankenstein. Meinem heutigen Zwischenziel. Von Blankenstein nach Bad Steben waren es nur 8 Km. Die hatten es jedoch in sich. Berge, Berge und nochmals rauf. Die Abfahrten waren nicht mehr ausreichend um die Kraft die ich beim Bergaufschieben verloren habe wieder aufzufüllen. Am Bahnhof angekommen beschloss ich bis nach Bayreuth mit der Bahn zu fahren. Es klappte gut und um 19.30 h wurde ich in mein Elternhaus abgeholt. Heute wird die Wäsche in der Maschine gewaschen. Was war den sonst noch so auf der Strecke los? Tolles Panorama herrliche Fernsichten und bizarre Felswände waren heute, bedingt durch den dichten Nebel nicht auszumachen. Einmal bin ich an einem Hinweisschild vorbei gerast. Im rechten Augebwinkel konnte ich das R noch erkennen. Wäre ich den Berg weiter nach unten gerast, ich darf gar nicht daran denken wie sauer ich gewesen wäre. Alles Gut. Nur bei zwei Abzweigungen war ich mir minutenlang unsicher. Der Kompass die Karte und der noch gesunde Menschenverstand halfen mir auf den Weg. Etwa in Höhe von Schlegel kam mir ein Gespann mit Huskys rasant entgegen. So sechs oder sieben waren vor dem „Sommerwagen“ gespannt. So schnell möchte ich auch mal über die Schotterwege im Wald rasen. An einer Schutzhütte war der Truck mit dem Transportboxen der „Rennsteighuskys“ geparkt. Ein Tier war noch im Wagen. Es machte sich nicht mit Knurren, Bellen oder Kratzen bemerkbar. Nein der Hund heulte wie ein Wolf. Ich stelle mir vor das mir dieses Geräusch am Samstagabend hoch oben, auf dem schon dunklen Rennsteig, mit der in mir aufkommenden Kälte, eingeräumt vom Vollmond begegnet wäre. Der Rennsteig-Radweg ist geschafft, wenn auch unter extremen Bedingungen. Die letzten drei Tage alleine mit der Natur ohne die vielen Menschen haben mir sehr gut getan. Den Rennsteig-Radweg empfehle ich allen Radlern die es mit den damit verbunden Anstrengungen und den vielen Höhenmetern nicht so eng sehen. Ich habe und bin mit dem Rennsteig-Radweg fertig. Am Mittwoch geht es weiter. Den Mainradweg ab Bayreuth habe ich mir vorgenommen. Der Wetterbericht meint es gut mit mir. Keine Sonne dafür Schnee. Macht ja nichts hatte ich ja in diesem Jahr schon jede Menge.

Rennsteig – Radweg Oberhof – Neuhaus 17.11.2013

Schon nach eingen Kilometern war ich oben auf dem Kammweg angekommen. Heute mal zu uberwiegenden Teil auf wenig befahrenen Straßen. Also auf Asphalt. Herrlich. Heute ist es bewölkt. Die Sonne lässt sich nur spärlich blicken. Das Panorama ist nicht so ansprechend wie am gestrigen Tag. Mein Start erfolgte heute nach einem guten Frühstück um 10h. Erst am Bahnhof Rennsteig lasse ich mich in der Sonne nieder. Der nächste Berg hat es in sich. Bis nach Maserberg zieht es sich. Dazwischen immer wieder kleine Abfahrten zu Teil im Wald auf matschigen, mit Feuchten Laub bedeckten Wegen. Immer die Bremse angezogen. Aber auch rasante Abfahrten auf der Straße. Ich genieße sie, trotz des eisigen Fahrtwindes, sehr. Jetzt geht es auf Schotterwege weiter bis zur Werraquelle in Fehrenbach. Fast bin ich vorbeigefahren. Hier war ich vor 7 Jahren schon einmal mit neinen Sohn gestartet. Gemütlich von der Quelle bis zu Mündung. Es war eine schöne Tour für Vater und Sohn. Ich empfehle allen Lesern mit Kindern Radtouren zu Unternehmen. Die Erinnerungen halten lange vor. Es müssen ja keine großen Touren sein. Kleine über ein Langes Wochenende reichen schon. Nicht die Strecke sondern einfach das Radfahrer zählt. Links vom Rennsteig erblicke ich das Aufgestaute Wasser der Pumpenspeicher Werkes Goldistal. Das Wasser glänzt in der Nachmittagssonne. Bis Friedrichshoehe noch mal Bergauf. Laut Karte geht es jetzt auf der Schotterstrecke leicht bergauf. Es läuft gut. Dennoch wird es schon wieder dunkel. Nur noch 5 KM bis Neuhaus. Meine erste Herberge ist zu teuer. Die Mitarbeiterin bemüht sich bei der Direktion um einen guten Preis. Immer noch zu hoch. Ihre Empfehlung nehme ich an und fahre ins Rennsteig Hotel Herrenberger Hof. Sofort wird mir ein für so spät im Jahr Radelnde ein Top Preis genannt. Ich schlage zu. Danke an die Inhaberin. Morgen geht es in Richtung Blankenstein an der Saale. Bis hier habe ich einen Karte. Danach geht es frei Schutze in Richtung Oberfranken. Bad Steben ist mein ersten Ziel in Bayern.

D – 31.08 – 06.09.2013 Berlin – Usedom



Für Deutschland, insbesondere für die Region Berlin bis zur Ostseeküste, ist die nächsten Tage ein super Wetter angekündigt. Na ja, ich will der Wetterfee von Air Berlin, auf NTV vertrauen. Bei 20c starten wir am Morgen in Berlin Reinickendorf. Nach 20 Minuten sind wir am Radweg Berlin-Usedom angekommen. Wir verlassen die große Stadt. Durch den Brandenburger Speckgürtel radeln wir durch idyllische Dörfer immer Richtung Norden. Zeitweise zeigt bis zum Mittag das Thermometer 26c. Die Strecke geht heute überwiegend auf Asphalt. So dann und wann schlängelt sich eine gepflasterte Straße dazwischen. Die Orte sind klein und romantisch. Manch ein Straßenzug erinnert noch an die 60er bis 80er Jahre. Aber auch postmoderne Häuser sind zu finden. Passen aber nicht so recht in das Bild hinein. Wir überqueren die Panke. Einen kleinen Fluß der dem Stadtteil Pankow in Berlin seinen Namen verliehen hat. Es sind für einen Samstag wenige Radler unterwegs. Diese sind jedoch alle, wie auch wir, auf Ihren Rädern gut gelaunt mit einem fröhlichen Lächeln unterwegs. Viele Felder sind schon abgeerntet. Nur noch vereinzelt findet sich die blühende Blumenpracht des Sommers wieder. Eine Blume – oder ein Unkraut- mit einer gelben Farbe bestimmt das Bild. Also für alle Besserwisser: Es ist keine Sonnenblume. Durch Kiefer, Lärchen, Eichen und Mischwälder hindurch kommen wir gut voran. Der Geruch des Waldes ist unbeschreiblich. Seine volle Stärke entfaltet er an den frisch geschlagenen und aufgestapelten Holzlagerplätzen. In Biesenthal machen wir im. “Cafe zum Schloßberg“ unsere große Pause. Direkt auf der Strecke kurz vor einer Stelle an der rechts abgebogen wird ist das Kaffee. Die Tische draußen zwingen einen förmlich zum Abbremsen und verweilen. Der leckere Himbeerkuchen, die hausgemachte Frikadelle oder war es eine Boulette, mit dem Milchkaffee bringen verlorene Kräfte zurück. Martina will heute nur 60 KM fahren. Schon am frühen Nachmittag sucht sie nach einem Quartier. Die erste Möglichkeit am Werbellin See hat eine “geschlossene Gesellschaft“ und keine Zimmer mehr frei. Aber nach wenigen Kilometern weiter finden wir im Nationalpark Schorfheide ein Zimmer. Nicht irgendeines. Nein. Wir sind in einer Anlage gelandet, in der schon früher, nicht nur in den Zeiten der DDR, zahlreiche Staatsgäste bewirtet wurden. Von Kaisern, Königen, Funktionären und westlichen Politikern wird berichtet. Hier wurde früher von und mit den Gästen das vorbeigetriebene Wild aus den Gehegen geschossen. Unglaublich. Wir haben ein Zimmer in einer der drei Villen bekommen. In diesen modern renovierten Gebäuden fehlt es uns an nichts. Zum Abendessen sind wir im Gasthaus am Spring. Samstag gibt es immer Eisbein. Wir bekommen das letzte. Klasse. Heute haben wir 64KM in 4.30h geschafft und das leckere fette Essen verdient. Mal schauen was uns der nächste Tag bringt.

Berlin in Richtung Usedom 2. Tag 31.08 – 06.09.2013

Nicht nur viele Betriebe wie zum Beispiel die Maxhütte oder das Petrolchemische Kombinat Schwedt hatten hier Erholungseinrichtungen, sondern auch das Ministerium für Bauwesen unterhielt an diesem Ort ein Schulungszentrum. So die Beschreibung im Bikeline Radfernwegführer Berlin-Usedom für diesen gastlichen Ort. Heute sind wir hier nach 54KM gelandet. Diese Einrichtung nennt sich heute Panoramahotel und ist sagenhaft am Oberruckersee gelegen. Direkt am Wasser laden Liegestühle zum entspannen ein. Oberhalb auf der Terrasse ist der See und das gegenüber liegende Ufer zu erkennen. Die im Bikeline Führer abgebildeten Bänke auf dem Steg laden in Natur beim Sonnenuntergang genauso, wenn nicht noch mehr, zum kuscheln ein. Doch bis es soweit ist darf mal eben über Berg und Tal geradelt werden. Heute morgen um 10.00h sind wir am “Jagdschloss Hubertusstock“ bei gerade mal 13c gestartet. Der asphaltierte Radweg führt uns in einiger Entfernung in Richtung Norden am Werbellinsee entlang. So dann und wann lassen die Bäume einen Blick auf ihn zu. Schon nach 5 KM kommen die ersten Steigungen. Das glaubt man hier oben nicht. Mehrmals geht es heute noch bergauf und bergab. Diese “Berge“ sind die letzten noch sichtbaren Spuren der vergangenen Eiszeit. Der strahlend blaue Himmel von heute morgen wird immer mehr von Wolken verdeckt. Der zunehmende Wind aus West vertreibt sie jedoch schnell. Zeitweilig erahnen wir Regen. Heute aber bleiben wir tocken. Durch das malerische Städtchen Joachimsthal radeln wir gemächlich. Im kleinen Örtchen Glambeck erwarten uns gleich zwei Höhepunkte des heutigen Tages. Ein, zu einem Museum umgebauter Taubenschlag und nur einige 100 Meter weiter eine Radfahrerkapelle. Die Kapelle interessierte mich nicht sehr. Mehr der Radlertreff davor. Wer hier vorbeikommt muss anhalten. Der leckere noch warme Pflaumenkuchen ist ein Geschenk Gottes oder seiner gut gelaunten und witzigen Wirtin. Gut gestärkt geht es weiter in Richtung Angermünde. Vorbei an Wolletz mit Blick auf den See ohne Namen. Bis Steinhöfel ist noch so manche Steigung zu erfahren. Sonnenblumenfelder, soweit das Auge reicht, lassen die Herausforderungen am Horizont vergessen. Am Wegesrand stehen Apfel, Pflaumen und Birnenbäume. Das frisch gefallene und schon am Boden zerquetschte Obst verbreitet schon aus einiger Entfernung einen angenehmen Geruch. Das, mit geschlossenen Augen, wahrgenommene Aroma erinnert an eine frisch geöffnete Obstlerflasche. Die vielen kleinen Birnen sollten alle mal den Weg in eine Kelterei finden. Teilweise waren die Wege heute aber auch unwegsam. Pflaster- und Feldwege forderten uns heraus. Doch das Hotel Panorama lies dies alles vergessen. Heute Nacht darf es wie schon gestern regnen. Hauptsache morgen bleibt es trocken.

Sonnenblumenkind

Sonnenblumenkind

Der Richtige Weg

Der Richtige Weg

Berge in der Uckermark

Berge in der Uckermark

Berlin in Richtung Usedom 3. Tag 31.08 – 06.09.2013

Ratespiel: Welchen Wind hatten wir heute nicht? Wind, Wind von vorne, Wind von der einen Seite, Wind von der anderen Seite, Rückenwind, Gegenwind, Wind mit Regen, Wind und Sonnenschein, Windstille oder Fahrtwind? Die Lösung bekommt ihr am letzten Tag – falls ich es nicht vergesse. Wir hatten nach einer stürmischen und regnerischen Nacht einen guten Start. Bei 17c kamen wir die ersten 5KM gut in Richtung Norden voran. Jetzt aber änderte sich unsere Himmelsrichtung. Der Kompass zeigt in Richtung Westen. Von hier kommt auch der starke Wind. Die Wellen auf dem Oberuckersee haben uns heute Morgen bei unserem leckeren und entspannten Frühstück nicht angelogen. Kleine Schaumkronen auf den Wellen. Als mindestens Windstärke 4-5 auf dem Wasser. An Land, auf dem Rad ist das natürlich noch viel, viel mehr. Vor allem für meine Frau. Ich denke so vor mich hin, als sie sagt: “Es gibt wohl nicht viele Frauen die solche Strapazen auf sich nehmen um auf diese Weise ihren Urlaub mit Ihrem Mann zu verbringen“. Recht hat sie. Das ist keine Begeisterung am Radsport, dass ist Liebe. Unsere Reise geht durch ein Gebiet, welches stark von der Eiszeit geprägt wurde. Wir in Bayern sagen Hügel. Für die Norddeutschen sind es Berge. So einige dürfen wir heute erklimmen. Der Wind macht es uns nicht leichter. Zwischendurch gibt es auch Etappen auf denen es so richtig rollt. Leichter Schiebewind von hinten. Ausgehend vom Oberuckersee zum Unteruckersee, dem großen Potzlowsee kommen wir in Penzlau an. Ein Supermarkt und ein Kaffee sind unser Ziel. Wir finden beides und machen eine Pause. Weiter geht es bergan mit starkem Gegenwind und leichten Steigungen in Richtung Trebenow. Hier ändert sich die Fahrtrichtung und wir bekommen Schiebewind. Endlich. Bei Nieden folgt der erste Klamottenwechsel bei Martina. Noch eine Radler mehr wird über die Regenhose gezogen. Sieht lustig aus, macht aber Sinn und tut gut. Mit anderen Worten der Hintern ist im Ars.. . Jetzt erwarten uns Feldwege und auch der angesagte Regen kommt. Die Laune ist im Keller. Wir beide haben aber immer noch Humor und nehmen es gelassen. Unser Tagesziel ist Pasewalk. Bald schon erreichen wir es. Die wenigen Radler heute treffen wir hier wieder. Ein Paar sucht einen Campingplatz, ein anderes nur ein Hotel so wie wir. Wir gehen ins Hotel am Park und stossen frisch geduscht und in trockenen Klamotten “Auf den tollen Scheißtag“ an. Prost.

Straker Wind aus West

Straker Wind aus West

Die Ausnahme: Feldwege

Die Ausnahme: Feldwege

Berlin in Richtung Usedom 4. Tag 31.08 – 06.09.2013

“Pozdewolk“ was soviel wie “Ring des Wolfes“ bedeutet verlassen wir heute morgen bei 17c und fast blauem Himmel, nur einige Wolken sind am Himmel und verdecken zeitweilig die Sonne. Hurtig sind wir aus der Stadt hinausgekommen und befinden uns jetzt auf dem Radweg an der Landstraße in Richtung Viereck. Ein Dorf wie aus dem Katalog eines Immobilienmaklers. Alles Top. Hier gibt es keinen Müll oder sonstige Dinge die stören. Dir sichtbaren Dorfbewohner an diesem Dienstagmorgen sind gut gelaunt und halten, machen Ordnung. Die Wahlplakate der hiesigen, wohl angesagten Parteien an den Straßenlaternen machen mir ein wenig Angst. Wir fahren links und rechts von einer großflächigen Militäranlage umgeben, in Richtung Torgelow bis nach Eggesin. Dazwischen eine kurze Pause vor einem rot angemalten Feuerwehrhaus unter schattigen Laubbäumen. In Ückermünde lassen wir uns an der schön angelegten Hafenanlage bei “Rosi“ im Zelt einen Backfisch schmecken. Hier treffen wir auch ein noch junges Radlerpärchen aus Berlin wieder. Die beiden fahren auch den Weg von Berlin nach Usedom – allerdings erst ab Bernau und ab Ückermünde mit der Fähre auf die Insel. Schon einmal hatten wir kurzen Kontakt in Pozlow. Der junge und gestüme Robert meinte gestern es geht links nach Usedom. Wir folgten Ihm. Nach 1KM zeigte mein Kompass die Richtung nach Süden an. Wir wendeten. Die beiden Raser merkten erst nach 4 KM den Irrtum. Na ja, 4 KM zurück und bergauf mit Gegenwind sollten den beiden eine Lehre gewesen sein. Für uns sind die beiden ab jetzt die “Schummel Radler“ Von Ueckermünde bis Burgewitz geht es immer wieder im Wald auf engen, unbefestigten Wegen entlang. Die Buchen, Kiefern, Eichen und Birken rauschen im leichten Wind. Der sandige Boden lässt sich leicht fahren. Kaum Gegenverkehr an diesem Dienstag Nachmittag. Noch eine Kaffeepause bei Lena einlegen bevor es weiter in Richtung Anklam geht. Bisher haben wir so 50KM geschafft. Für das Ende der Tagesetappe ist es jetzt noch zu früh, also weiter. Gegen 15.30h beginnt der bisher freundliche Tag ungemütlich zu werden. Dicke dunkle Wolken ziehen schnell am Himmel auf und bringen den verhassten Regen mit. Erst als Nieselregen, wenig später als kräftigen Schauer. Mitten im Naturschutzgebiet gibt es keine Möglichkeit des Schutzes. Also im Regen weiter. Der vorerst schottrige Bodenbelag im Naturschutzgebiet wird später bis nach Anklam von Betonplatten abgelöst. Batam, batam, batam, batam….. Je nach Geschwindigkeit fühlte und hörte es sich an als fährt ein Regioexpress oder ein ICE über die Schienen. Für Martinas Hintern, trotz drei Radlerhosen eine echte Herausforderung. In Anklam treffen wir auch auf einen Radler der die vergangene Nacht in unserem Hotel verbrachte. Im Laufe des Abends treffen wir Ihn bei der aufreibenden Zimmersuche wieder. Zu guter letzt bekommen wir nach einer Stunde Zimmersuche im ERSTEN angefahrenen Hotel das letzte Zimmer. Morgen erreichen wir die Insel Usedom. Mal schauen wo wir den Tag beenden.

Blick auf das Stettiner Haff

Blick auf das Stettiner Haff

Durch den Wald nach Anklam

Durch den Wald nach Anklam

Im Naturschutzgebiet

Im Naturschutzgebiet

Berlin in Richtung Usedom 5. Tag 31.08 – 06.09.2013

Gab es wohl vor der letzten Eiszeit auch hier die berüchtigt gefährlichen und gefürchteten Säbelzahntiger. Grasten wohl auch herdenweise Mammuts die Steppe ab? Ich weiß es nicht. Die Eiszeit hat hier leider einiges liegen lassen. So zum Beispiel die vielen, über mehrere Meter hohen, Bodenerhebungen die das Radeln erschweren und auch die vielen, vielen Findlinge. Manch einer nur so groß wie ein VW Käfer andere so groß wie ein Mercedes Sprinter. Diese Giganten werden garantiert nicht geklaut. Heute morgen haben wir im “Hotel am Stadtwall“ in Anklam ausgiebig gefrühstückt. Das Rührei wurde frisch und genauso wie gewünscht zubereitet. Lecker. Genau die Portion Energie die ein Radler zu starten benötigt. Anklam war mit all seinen Sehenswürdigkeiten und seine Baustellen schnell verlassen. An der vielbefahrenen B109 radelten wir in Richtung Insel. Erst war die Stecke recht laut, später im Wald wurde es umso ruhiger. Der Duft von Gülle, das weit schon zu riechende Deo einer Hundehalterin vor uns und der nicht zuzuordnete Duft einer Eintopfkanone verwirrten mich. Wo zum Teufel kommt dieser für mich so bekannte Duft denn her? Nur 100 Meter vor uns, auf einem Parkplatz, stand ein mobiler Imbisswagen. Der große Parkplatz davor war gut gefüllt. Heute so gegen 11.30h standen schon einige Autos dort. Die hiesigen Kennzeichen verrieten den Geheimtipp an der Bundesstraße. Eintopf To go- oder zum hieressen. Für uns war es, nach dem späten Frühstück noch nicht an der Zeit abermals zu essen. Lange radelten wir durch den Wald meist auf befestigtem Belag, selten auf Sand oder Waldboden. Zügig kamen wir vorran. Nur die liegengebliebenen Erdwälle der letzten Eiszeit bremsten uns so dann und wann. Aber eine Steigung bringt auch eine Abfahrt mit sich. Diese genossen wir umso mehr. Von Pinnow nach Usedom ist er nur noch ein kleines Stück des Weges. Leider geht es immer in unmittelbarer Nähe der vielbefahrenen Bundesstraße entlang. Die PKW`s und die kleinen LKW`s störten zunehmend. Die Brücke zur Insel ist nicht groß. Schnell sind wir, trotz des Verbotes fahrend, darüber. Der “Bewacher“ im Turm schüttelte den Kopf. Mir war es egal, Martina hat es nicht gesehen. Gut so. Den kurzen Weg nach Usedom, an der befahrenen Bundesstraße oder die längere Inselrundfahrt nehmen. Klar. Lange und gemütlich die Insel genießen. Hier kam uns auch die Idee heute in Polen zu übernachten. Doch bis dahin ist es noch weit. Schlappe 40KM. Erst einmal eine Pause in Karmin. Der Kaffee am “Hafen“ war so alt wie der diensthabende Hafenmeister. Kuchen gab es keinen und für die Toilettenbenutzung wurden 50ct berechnet. Eine Menge Geld für eine Rast am Stettiner Bodden. Unspektakulär fanden wir das Örtchen Usedom. Schnell waren wir durch. Über Dargen, Zirchow und am Flugplatz, mit den laut startenden und landenden Flugzeugen vorbei nach Garst bogen wir nach Kaminke ab. Direkt am Wasser machten wir eine Pause. Das leckere und schmackhafte Matjesbrötchen genossen wir auf einer Bank am Wasser in der Sonne. Nach Swinoujscie war es nicht mehr weit. Die letzten Kilometer fuhren wir auf toll ausgebauten Radwegen in die Stadt. Die Zimmersuche gestaltete sich schwierig. Radler für eine Nacht sind nicht gerne gesehen. Nach einer langen Zeit des Suchens, hier trafen wir auch unseren holländischen Radlerfreund wieder, fanden wir ein Quartier an der Strandpromenade. Eine Gaststätte war auch dabei und so konnte der angenehme Teil des Abends beginnen.

Kurz vor Usedom

Kurz vor Usedom

Eisenbahnhebebrücke

Eisenbahnhebebrücke

“Naturgewaltig“ ca. 200 Jahre einfach abgeknickt

“Naturgewaltig“ ca. 200 Jahre einfach abgeknickt

Berlin in Richtung Usedom 6. Tag 31.08 – 06.09.2013

Gibt es in Polen noch den Zloty oder schon den €uro? Was wissen wir eigentlich über unseren direkten Nachtbarn im Osten? Nun, ich bin davon ausgegangen das der €uro auch in Polen das Zahlungsmittel ist. Weit gefehlt. Vom €uro ist offiziell nichts zu sehen. Das Abendessen konnten wir mit Karte bezahlen. Auch die kleinen Einkäufe am nächsten Morgen waren mit dem €uro kein Problem. Nach unserer Abfahrt aus dem Hotel “Albatros“ waren wir schon nach einem Kilometer wieder in Deutschland. Ahlbeck. Ahlbeck begrüßte uns mit wunderschönen Villen, Hotels, Erholungsheimen und sonstigen Einrichtungen. Schnell war zu erkennen das die Eigentümer nicht immer privat Personen sind. Das ein oder andere Logo oder der Name des Hauses deutenten darauf hin. Der Radweg war vierspurig, autobahnähnlich ausgebaut. Nur die Leitplanke in der Mitte fehlte. Am heutigen Morgen war die fahrtrichtung aus Polen heraus angesagt. Hunderte Radler, weit über die 60 kamen uns entgegen. Es war Achtsamkeit angesagt. So manch ein Radler bremste mal schnell auf der Strecke ohne Grund ab. Stieg dann vom Rad um sich nur mal die Haare aus dem Gesicht zu streichen. Ich habe ja Urlaub und rege mich nicht auf oder “don`t worry be happy“. In Ahlbeck begaben wir uns gleich, noch am Mittag, auf Herbergssuche. Das war auch gut so. Es gabe viele freie Hotelzimmer, jedoch für einen Preis das unser Budget nicht zugelassen hat. Ein Insider gab uns einen Tipp. Um 15h waren wir bei der Zimmervermietung vor Ort. Schnell war das passende für uns gefunden. Beim betreten des Appartements fühlten wir uns schon wohl. Alles neu und picobello sauber. Nur 15 Gehminuten von der Promenade entfernt. Ein Geheimtipp wie gesagt. Die Adresse ist über mich zu erfragen. Jetzt sind wir auf unserer Insel angekommen. Hier bleiben wir noch weitere Tage und beenden somit die Radreise. Danke, dass ihr die letzten Tage bei uns ward und bis zum Nächstemal. Ein Teil der Rhön wird in Kürze an einem Wochende erradelt. Seit ihr alle dabei? Da war doch noch was – oder? Die Lösung ist: Windstille. Unsere Bewertungen der Unterkünfte und Gaststätten findet Ihr bei Tripadisor.de

Seebrücke in Ahlbeek

Seebrücke in Ahlbeek

Stand in Ahlbeek

Stand in Ahlbeek

D – 15.08.2013 Fulda – Werra – Leine

Mal so richtig abschalten. Die Natur mit allen Sinnen genießen und den Körper ertüchtigen. Mal wieder rauf aufs Rad. Für heute habe ich mir eine kleine Runde in Hessen, Niedersachsen und Thüringen ausgesucht. Ganz ohne Karte nur dem Verstand und dem Bauchgefühl folgend. Schon in der Frühe ging es bei gerademal 9c in Lohfelden los. Schnell war ich in der hektischen Stadt Kassel und schon nach einigen Minuten später dem lauten und aggressiven Morgenverkehr entkommen. Immer an der Fulda entlag ging es zu meinem ersten Etappenziel Hann Münden. Nach 90 Min war ich dort angekommen bei einen flotten Tempo von 22.5KMH. Da meine beiden Bremsen nicht so richtig griffen suchte ich einen Radladen. Gar nicht so einfach um kurz vor 10h in Deutschland. Der erste hatte zu und der zweite konnte nicht helfen. Doch die Zeit dort im Radladen “Radikal“ war gut investiert. Nette Gespräche über die schon erlebten Geschichten auf unseren Reisen ließen fast meine Pausenverpflegung vergessen. Thorsten es war angenehm bei dir und ich schau mal wieder vorbei. Quitschend fuhr ich durch die Altstadt. Zur Werra sind es nur wenigen 100M. Gleich am Anfang eine für Radler unpassierbare Baustelle. Macht nix. Die Umleitung, auf der anderen Flussseite war schnell gefunden. Noch ein Einkauf beim Discounter und die nächste Etappe ging los. Witzenhausen war mein Ziel. Der Weg dorthin war mit Apfel, Pflaumen und Mirabellenbäumen gesäumt. Die leckeren gelben Mirabellen waren zuckersüss und gratis. Es machte Spass diese vom Boden aufzusammeln. Ich hatte einen starken Anstieg in meiner Erinnerung. Doch wo war er? Ein Radler hob den Zeigefinger und rief mir zu. “Gleich kommt eine 18% Steigung“ gerade noch rechtzeitig in den kleinsten Gang geschaltet und mit Bravur hoch gestrampelt. Allgemein waren heute recht viele Radler unterwegs. Rentner oder auch Pärchen mit Ihren Ebikes. Auch eine Holländische Familie mit vollem Camping Gepäck sah ich zuerst in Hann Münden und später einige Male an der Werra wieder. In Lindewerra machte ich in meiner Kaffeepause die Bekanntschaft von vier Holländern. Sie wollten ein Bild von sich, was ich gerne für sie knipste. Wie animierte ich wohl dir Truppe zu lächeln? Ich sagte sie sollen jetzt alle mal “Oranje“ sagen. Hat sehr gut geklappt. Klasse Bild. Hier hätte es Sinn gemacht den steilen und nimmer endenden Berg zur Burg Hanstein über die Straße zu fahren. Ich erinnerte mich an einen Wanderweg hoch zu Teufelskanzel. Den wollte ich nehmen. Schnell war der Einstieg gefunden. Nach 120M die Wahl zwischen dem 2.4KM langen Weg oder die nur 700M lange -steile- Strecke nach oben zum Lindewerrablick. Was habe ich wohl genommen? Alle 50M Pause. Das Rad konnte auf dem ehemaligen Grenzweg nicht abgestellt werden da es sonst umgefallen und nach unten gerutscht wäre. Der Schweiß quoll wie aus Sturzbächen aus allen meinen Poren. Das Hirn und die Augen fingen an zu flimmern. Die Arme verwandelten sich in Blei und die Waden begannen zu krampfen. Ich habe mich für diesen Weg entschieden. Die angeschlagenen Bremsen ließen auch hier keine Abfahrt zu. Ein liter Wasser weg. Kaum Schatten. Das Garmin zeigte noch zwei Kehren. Unendlich zog sich dieser Berg. Vor mir eine Jägersitz. In seinem Schatten machte ich 20 Min Pause. Die Augen zu und der Natur zuhören. In der Ferne ein Mähdrescher sein Lärm war allgegenwärtig. Keine Vögel zu hören. Die Blätter rauschten mal mehr mal weniger im Wind. Das für mich angenehmste Geräusch. Die Sirenen im Tal heulen. Minuten später waren die Rettungskräfte mit ihren Martinshörnern unterwegs. Ganz weit weg fuhr ein Zug. Am meisten genoss ich iedoch wie mein Herzschlag langsam leiser wurde und ich jetzt wieder FREIDURCHATMEN konnte. Die letzten 600M waren vergessen. Nur noch ein kleines Stück hochschieben. Ich habe keine Ahnung wie weit es noch ist. Mit aller zurückgewonnenen Kraft ging es weiter. Nach gut 100m war ich oben. Den Ausblick genoss ich für 30 Sekunden. Weitere 30 Minuten lag ich zum trocknen schlafend auf der Bank in der Sonne. Den Schildern folgend ging es nun in Richtung Burg Hanstein. Überraschend schnell war ich dort. Die vielen Touristen musste ich nicht von der Straße klingeln. Das machten schon meine laut quietschenden Bremsen. In Heiligenstadt wollt ich meine Tour beenden. Doch ich musste erste die Strecke an die Leine finden. Bauch oder Kopf wem folge ich diesesmal. Da der Kopf heute schon einmal versagte blieb nur der Bauch übrig. Das war gut so. Nach 10 KM fand ich das ersehnte Schild. 25 KM nach Heiligenstadt und 20 KM nach Göttingen. Ich fuhr in den Westen. An gut ausgebauten Radwegen in einem Mordstempo über Friedland und dort nach einer Radler- und Bananenpause nach Göttingen. Um 17H in Göttingen angekommen war für mich dieser wunderschöne Tag zuende. Hier ist noch der GPS Track: http://connect.garmin.com/activity/359372735 Ich freue mich schon auf die nächste Tour im September von Berlin nach Usedom.

Zeit zum FREIDURCHATMEN

Zeit zum FREIDURCHATMEN

Eurovelo 13 ganz Nah

Eurovelo 13 ganz Nah

ehemaliger Grenzweg

D – 13.07.2013 Lauterbach – Schlitz – Fulda – Lauterbach

1

“Heute Abend wollen wir grillen“ davor fahren alle noch ein bisschen Rad. Am späten Vormittag starteten wir gut gelaunt. Unser kleines Gepäck war nur jede Menge Sonnenschein. Für etwaigen Regen oder sogar Gegenwind hatten wir keinen Platz. Unser Parkplatz an der Berufsschule ist der ideale Ausgangspunkt für die heutige Tour. Manuela mit ihrem Elektrobike, Bruno, Martina und ich starteten in Richtung Schlitz. Sanft ging es mit 1% Gefälle los. Wir genossen die blühenden Felder, den satten Weizen, die unverzichtbare Gerste. Leider waren die Rapsfelder schon verblüht. An diesem Samstag waren sehr, sehr viele Radler in Richtung Schlitz unterwegs. Später wussten wir warum. Kurz nach der Einfahrt in Schlitz meine erste Panne. Ich war stinkesauer. Gestern noch war das Reiserad in der Werkstatt. Ein neues Tretlager, neue Ritzel und eine neue Kette kosteten eine Menge Geld. Heute fällt mir das linke Pedal ab und ich knalle auf das Kopfsteinpflaster. Na toll!!! Im Ort gibt es einen Radladen. Nichts wie hin. Samstag machen die wohl schon am Mittag zu – war meine Befürchtung. Dort angekommen war der Radladen noch geöffnet. Ein großer Stein viel mir vom Herzen. “Geht nicht gibt’s nicht“ war der Slogan der Jungs die noch in der Werkstatt waren. Schnell, freundlich, gut gelaunt und professionell haben sie mir geholfen. Dafür dem “rhön RADSPORTHAUS“ ein herzliches Dankeschön. Das fehlende Teil wurde von einem anderen Rad abgebaut. Bei der Probefahrt stellte ich fest das auch noch die Pedale hinüber ist. Noch mal Kohle auf den Tresen. Wir treffen ein fernradreisendes Paar aus Berlin. Die beiden sind schon seit 21 Tagen unterwegs. Von Berlin nach Minden und dann nach Frankreich. Über Karlsruhe nach Frankfurt und jetzt am Vogelsberg in Richtung Kassel. Die weitere Strecke war noch nicht geplant. Toll, die beiden sind schon so lange mit Zelt und allen Klamotten unterwegs und haben noch so gute Laune. Ein perfektes Team. Familie Gerke, ich wünsche euch noch eine gute Heimreise. Mit einer Bratwurst bei alle zwei Jahre stattfindenden Trachtenfest kam auch die gute Laune zurück. Beeindruckt von den vielen farbenfrohen Trachten ging unsere Tour nach Fulda weiter. In Fulda durfte ein Besuch des Doms nicht fehlen. Unsere Mittagsrast machten wir in der Wiesenmühle. Leckerer Käsekuchen mit Früchten, süffiges Bier und ein wohltuender Capuccino wollten uns nicht mehr aufstehen lassen. Der Rückweg hatte noch einige Steigungen für uns parat. Manuela hat mit ihrem Ebike etappenweise Martina gezogen. Am Abend waren wir – bis auf eine – geschafft auf der Terrasse angekommen. Das Terrassenbier schmeckte uns allen ausgezeichnet. Gemeinsam tischten wir das Abendessen auf und lassen diesen wunderschönen lauen Abend ausklingen.