Für Große und kleine Kinder

Eines Nachts wurden König Luke, Prinzessin Marla, Prinz Fritz und die kleine Prinzessin Mira von einem gewaltigen Donnern geweckt.

**RUMMMMS!**

Die Fensterscheiben des Schlosses zitterten.

**KLIRR!**

Der Wind heulte um die Türme.

**HUUUUUUU!**

Luke sprang aus dem Bett und griff nach seinem Abenteuerbuch.

Marla lief auf den Balkon.

Fritz schaute begeistert aus dem Fenster.

„Das klingt nach Ärger!“

Mira rieb sich die Augen.

„Oder nach einem Abenteuer.“

Über dem Silbersee wirbelten schwarze Wolken wie riesige Drachen umeinander.

Blitze zuckten über den Himmel.

Zwischen den Wolken erschien plötzlich ein fliegendes Schloss.

Ein echtes Schloss.

Mit Türmen.

Fenstern.

Brücken.

Und flatternden Fahnen.

Es schwebte direkt über dem See.

„Das stand gestern noch nicht dort“, sagte Luke.

„Ganz sicher nicht“, antwortete Marla.

„Vielleicht haben wir es einfach übersehen“, meinte Fritz.

„Ein fliegendes Schloss?“, fragte Mira.

„Das hätte sogar dir auffallen müssen.“

Noch bevor jemand etwas sagen konnte, landete Drache Funkelflamm vor dem Schloss.

Seine Augen wirkten besorgt.

„Der Schwarze Sturm ist zurück!“

„Wer ist der Schwarze Sturm?“, fragte Mira.

Funkelflamm senkte die Stimme.

„Eine uralte Zauberkraft. Sie verwandelt Freude in Angst und Licht in Dunkelheit.“

Selbst Fritz wurde kurz still.

Kurz.

„Können wir dagegen kämpfen?“

„Vielleicht“, sagte Funkelflamm.

„Vielleicht auch nicht.“

Gemeinsam flogen sie auf dem Rücken des Drachen durch die peitschenden Wolken.

Regen prasselte auf ihre Umhänge.

**PRASSEL! PRASSEL!**

Der Wind zog an ihren Haaren.

Unter ihnen lagen dunkle Wälder, tiefe Schluchten und silberne Flüsse.

Als sie das fliegende Schloss erreichten, standen die gewaltigen Tore offen.

Dahinter war alles verlassen.

Kein Mensch.

Kein Tier.

Kein Geräusch.

Nicht einmal ein Vogel.

Die Luft roch nach altem Stein und geheimnischem Zauber.

„Das gefällt mir nicht“, flüsterte Marla.

„Mir schon“, sagte Fritz.

„Das überrascht niemanden“, antwortete Luke.

Plötzlich hörte Mira etwas.

Ganz leise.

Ein Wimmern.

„Psst!“

Alle blieben stehen.

„Hört ihr das?“

Aus einem Turm erklang ein schwaches Geräusch.

**Huuuuhuuuu…**

Die vier rannten die Wendeltreppe hinauf.

Stufe um Stufe.

Immer höher.

Bis sie auf dem höchsten Turm eine silberne Eule fanden.

Sie war in einem magischen Käfig gefangen.

„Bitte helft mir!“, rief die Eule.

„Ich bin die Hüterin der Sternenuhr.“

Luke staunte.

„Die Sternenuhr gibt es wirklich?“

„Natürlich“, antwortete die Eule.

„Sie hält die Zeit des Zauberlandes im Gleichgewicht.“

„Und was passiert, wenn sie stehen bleibt?“, fragte Fritz.

Die Eule schluckte.

„Dann bleibt die Zeit stehen.“

Fritz grinste.

„Dann müsste ich nie wieder mein Zimmer aufräumen.“

„Fritz!“, riefen alle gleichzeitig.

Kaum hatten sie die Eule befreit, begann das Schloss zu beben.

**RUMMMS!**

Steine fielen von der Decke.

**KRACH!**

Der Schwarze Sturm hatte sie entdeckt.

Wie ein riesiger Wirbel aus Schatten raste er auf das Schloss zu.

Fenster zerbarsten.

Blitze zuckten.

Der Himmel wurde schwarz.

„Lauft!“, rief Luke.

Die Kinder rannten durch die langen Gänge.

Marla sprang über einstürzende Brücken.

Fritz rutschte auf einem Teppich die Treppe hinunter.

Mira führte sie durch geheime Gänge, die ihr eine kleine Schlossmaus verraten hatte.

„Hier entlang!“

„Woher weißt du das?“, fragte Luke.

„Die Maus wohnt hier.“

„Natürlich“, sagte Luke.

Als sie schließlich das Dach erreichten, war der Sturm bereits überall.

Dunkle Schattenarme griffen nach ihnen.

Da trat Marla nach vorne.

Sie begann zu tanzen.

Mitten im Sturm.

Mitten im Donner.

Mitten zwischen den Blitzen.

Ihre Bewegungen wurden schneller und schneller.

Hell leuchtende Funken entstanden.

Goldene Lichtkreise erschienen.

Die Dunkelheit begann zurückzuweichen.

Luke schlug sein Abenteuerbuch auf.

Darin stand eine uralte Sternenformel.

Er las die Worte laut vor.

Die Buchstaben leuchteten silbern.

Mira sprach mit den Vögeln des Himmels.

Hunderte Falken, Eulen und Schwalben kamen herbeigeflogen.

Und Fritz?

Fritz hatte tatsächlich eine gute Idee.

Eine seltene, aber wertvolle Erscheinung.

Er zündete die Notfall-Feuerwerksraketen des Drachen an.

**ZISCH!**

**BOOM!**

**KAWUMM!**

Tausende bunte Sterne explodierten über dem Himmel.

Der Schwarze Sturm wurde geblendet.

Das Licht wurde stärker.

Immer stärker.

Bis der Sturm schließlich verschwand.

Wie Nebel in der Morgensonne.

Als die Sonne aufging, saßen die vier erschöpft am Silbersee.

Die Luft roch nach frischem Gras, feuchter Erde und den ersten Blumen des Morgens.

Vögel begrüßten den neuen Tag.

**Zwitscher. Triller. Piep.**

„Das war knapp“, sagte Luke.

„Das war großartig“, sagte Fritz.

„Das war gefährlich“, sagte Marla.

„Das war spannend“, sagte Mira.

Der kleine Frosch am Ufer quakte zustimmend.

**Quak.**

„Er sagt, das nächste Abenteuer wartet schon.“

Fritz grinste.

„Sehr gut. Mir war gerade ein bisschen langweilig geworden.“

Und genau in diesem Moment erschien weit draußen auf dem Silbersee ein geheimnisvolles grünes Leuchten …

Denn für die vier Sterne vom Silbersee begann das größte Abenteuer ihres Lebens gerade erst.

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