Tag 2 Der Berg, der Wichtel und mein Super-Damm

Gestern Nacht bin ich nach der von omartina vorgelesenen Gute-Nacht-Geschichte sofort tief und fest eingeschlafen. Mein Schlaf war so weich wie eine Wolke aus Zuckerwatte. In meinem Traum saß ich plötzlich zusammen mit Erling Haaland in einem VW Bulli. Der Bulli brummte wie ein dicker, zufriedener Bär, und draußen flogen die Sterne an uns vorbei wie glitzernde Feuerfunken. Das war vielleicht ein Traum! Erling grinste mich an und fragte:

„Luke, fährst du heute wieder mit dem Fahrrad?“

Ich nickte ganz wichtig und sagte: „Na klar! Aber nur, wenn du mich den Berg hochschiebst!“

Da musste sogar Erling so laut lachen, dass der Bulli wackelte.

Als ich morgens aufgewacht bin, war die Luft noch frisch und kühl, und überall sangen und piepsten die Vögel, als hätten sie ein riesiges Konzert nur für uns gegeben. Das war viel besser als jeder Wecker. Weil ich ganz dringend musste, bin ich schnell zu den Büschen an der Fulda gelaufen. Die Toiletten waren nämlich sooo weit weg, dass ich dachte, meine Beine würden unterwegs schon wieder einschlafen.

Danach haben wir erst einmal gekuschelt und ein bisschen im Schlafsack getobt. Das war wie ein kleines Ringelringel im warmen Stoffnest. Fast genauso toll wie Fahrradfahren, nur ohne Berg und ohne Schwitzen.

Zum Frühstück haben wir wieder frische Brötchen und Croissants vom Bäcker geholt. Heute schmeckten sie noch besser als gestern. Vielleicht hatte der Bäcker heimlich Zauberkrümel draufgestreut. Oder Glückspuder. Oder beides. Jedenfalls war jeder Bissen wie ein kleiner Sonnenstrahl im Bauch.

Im Zelt habe ich fast alles alleine aufgeräumt. Robert musste nur noch die schwierigen Sachen in die Beutel quetschen. Das ist nämlich eine echte Zauberkunst, weil die Sachen immer so tun, als wären sie plötzlich viel zu groß. Das Zelt abbauen kann ich inzwischen fast ganz alleine. Ich ziehe die Heringe aus dem Boden, falte alles zusammen und rolle die Sachen ordentlich ein. omartina und Robert schauen dann nur noch zu und staunen.

„Du wirst ja bald Camping-Profi!“, sagte omartina.

Ich grinste breit und meinte: „Bald kann ich euer Chef sein!“

Nach dem letzten Toilettenbesuch radelten wir los. Der coole, schnelle Berg von gestern war heute plötzlich gar nicht mehr cool, sondern richtig gemein. Von der anderen Seite war er nämlich riesig steil, als hätte ein Riese ihn extra hochgeschoben. Ich musste wirklich absteigen.

„Der Berg hat heute wohl Haferflocken gefrühstückt“, schnaufte ich.

Robert lachte und sagte: „Oder du brauchst einfach noch ein zweites Croissant!“

Nach fünf Kilometern kamen wir nach Halldorf. Dort gab es einen riesigen Spielplatz, der aussah wie ein Abenteuerland für Superkinder. Ich musste natürlich jedes einzelne Spielgerät ausprobieren. Fast eine ganze Stunde war ich dort unterwegs. Klettern, rutschen, schaukeln, balancieren… ich glaube, ich habe sogar Geräte entdeckt, die gar nicht für Kinder gebaut wurden, weil die bestimmt viel zu langsam dafür sind.

Als wir weiterfuhren, verzogen sich endlich die Wolken, und die Sonne kam hervor wie eine goldene Kugel aus dem Himmel. Plötzlich wurde es richtig warm. omartina cremte mich sorgfältig ein.

„Stillhalten! Sonst wirst du zum Streifenhörnchen!“

„Hoffentlich geht die ganze Creme heute Abend beim Duschen wieder ab!“, sagte ich. „Sonst glänze ich morgen noch wie ein Pfannkuchen.“

Später machten wir an einem dunklen, kühlen Platz Pause. Dort war es fast ein bisschen unheimlich. Die Bäume standen still wie große Wächter, und ich dachte, vielleicht wohnen dort Waldgeister oder Rittergespenster, die nachts heimlich durch die Blätter huschen. Zum Glück gab es Waffeln und Müsliriegel. Die brauchte ich dringend, damit meine Beine wieder Kraft bekamen und nicht einfach wie gekochte Spaghetti herunterhingen.

Heute war das Radfahren ganz schön anstrengend. Seit Stunden schien die Sonne, und sogar die kleinste Rampe fühlte sich an wie ein Berg mit Geheimtreppe nach oben. Zum Glück hatte ich Robert als meine Schiebehilfe dabei.

„Turbo einschalten!“, rief er.

„Volle Luke-Power!“, rief ich zurück.

Am Nachmittag erreichten wir den Campingplatz Weißenthalmühle. Wir bekamen einen richtig schönen Platz. Heute war ich aber total platt, so platt wie ein Luftballon nach einer Geburtstagsparty. Robert baute das Zelt fast alleine auf, während ich auf meiner Decke lag und ihm müde, aber sehr interessiert zusah. Meine Beine wollten heute einfach Urlaub machen.

Später durfte ich an der Ems spielen. Das Wasser war herrlich kühl und glitzerte in der Sonne wie flüssiges Silber. Ich baute einen Damm aus Steinen, Ästen und Sand. Das war richtig harte Arbeit. Immer wieder drückte das Wasser dagegen, als wollte es sagen: „Na warte, ich komme trotzdem durch!“

„Du schaffst das nie!“, gluckste der kleine Bach.

„Warte nur!“, sagte ich und schob noch einen Stein nach.

Stein für Stein wurde mein Damm größer. Ich war ganz konzentriert, als wäre ich ein echter Wasserbaumeister. Am Ende hatte ich gewonnen. Zumindest ein bisschen. Das Wasser durfte trotzdem noch ganz frech an den Seiten vorbeifließen, aber mein Damm stand stolz da wie ein kleiner Held.

Auf dem Campingplatz gab es auch einen tollen Spielplatz mit einem echten Sandbagger. Damit konnte ich riesige Löcher buddeln. Ich glaube, wenn ich genug Zeit gehabt hätte, wäre ich bis zum Mittelpunkt der Erde gekommen. Vielleicht hätte ich dort sogar einen Maulwurf getroffen.

Auf das Abendessen mussten wir ewig warten. Mein Bauch knurrte schon wie ein hungriger Bär im Winterschlaf, der plötzlich aufgewacht ist.

„Ich glaube, mein Magen frisst gleich meinen Fahrradhelm!“, sagte ich.

Robert lachte so laut, dass sogar andere Camper grinsen mussten. Ich glaube, mein Witz war ziemlich gut.

Als wir endlich im Schlafsack lagen, war ich hundemüde. Meine Augen wurden immer schwerer, als hätten kleine Schlafwichtel daran gezogen. Heute Nacht träume ich bestimmt von den Wichteln, die hier überall wohnen. Auf dem ganzen Campingplatz stehen kleine Häuschen, und überall entdecke ich winzige Männchen. Vielleicht tragen sie nachts winzige Mützen und schleppen winzige Werkzeuge durch das Gras.

Ich bin mir ganz sicher: Wenn alle schlafen, kommen die Wichtel heraus. Sie reparieren heimlich Fahrräder, polieren die Sterne am Himmel und verstecken Glitzersteine für Kinder, die mutig genug sind, sie am nächsten Morgen zu suchen. Vielleicht backen sie sogar winzige Waffeln oder flüstern den Bäumen Gute Nacht.

Morgen werde ich ganz früh aufstehen. Vielleicht erwische ich einen Wichtel. Aber ich muss ganz, ganz leise sein. Sonst huscht er bestimmt davon wie ein Schatten mit Zipfelmütze.

Pssst… verratet das bloß niemandem!

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