D – Lohfelden 15.01.2023

Mein Ziel ist es heute mehr als 14 Km zu joggen. Die Voraussetzungen dafür sind gut. Ich fühle mich fit und bin hoch motiviert. Die Außentemperatur ist mit 7 Grad so an der Überlegensschwelle ob die lange oder die kurze Hose angezogen werden soll. Ich entscheide mich für die kurze Laufhose. Meinen Kopf und den Oberkörper schütze ich durch meine Winterbekleidung. Später wird sich das fehlen der Handschuhe spürbar bemerkbar machen. Ich starte in der Kassler Innenstadt und laufe in Richtung Fulda in die Orangerie. Vor der prächtigen Orangerie begegne ich den ersten Jogger. Da ist er wieder der Moment der meine Motivation und meine schon gute Laune noch weiter pusht. Eine junge Joggerin hebt nicht nur die Hand zum Gruß sondern lächelt mich zudem noch richtig lange freudig an. Mann sieht, dass es ihr ebenso wie mir Spaß macht. Ich kann es mir nicht verkneifen, mich für diese Geste beim vorbeiziehen zu bedanken. Einige Jogger grüßen immer durch das kurze heben einer Hand. Es macht mir sehr viel Freude zu dieser Gruppe zu gehören. Ich ziehe an den im Halbkreis aufgestellten weißen Skulpturen vorbei.

Die letzte mit dem Namen „Caritas“ hat bei mir wieder einen Synapsen Hurrikan ausgelöst. Welches Thema kann das wohl gewesen sein? Mein zentrales  immer präsentes Thema begleitet mich seit 2012 dem Beginn meines Engagements zur Unterstützung der Mukoviszidose Selbsthilfegruppe Kassel e.V.  Mit der Zeit bin ich immer tiefer in das Thema der vielfältigen Erkrankung eingetaucht. Das Gute daran ist, meinem Gefühl nach, und das zeigen auch aktuelle Statistiken, dass den erkrankten Menschen sehr gute Medikamente zur Verfügung stehen und die damit einhergehende flächendeckende Versorgung über die Grenzen Deutschlands hinaus organisiert ist. Der Verein „Atemspende e.V.“ in Mainz z.B organisiert selbst Hilfslieferungen der benötigten  Medikamente und Hilfsmittel in die Ukraine. Die Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland sind untereinander gut verknüpft. Eine Einzelperson ist mir besonders aufgefallen. Der selbst erkrankte Thomas Malenke ist in den sozialen Medien aktiv und hilft auf dieser Weise viele Unzulänglichkeiten der bei uns Betroffenen, deren Familien und Partnern und den geflohenen  Menschen aus der Ukraine diese zu mildern und damit zu unterstützen. Regelmäßig werden Freundesbriefe mit Hinweisen zur Selbsthilfe oder  seinen eigenen Erfahrungen verschickt. 

Jeder der mag kann sich ja mal die Seiten dazu online anschauen. Die Links dazu sind hier.

  • atemspende.de
  • Thomas Malenke auf Facebook 
  • muko.info

Wann erwacht die Natur aus ihrem Winterschlaf? Das fehlen der Blätter hat in diesem Moment für mich auch einen guten Aspekt. Durch die Bäume hindurch ist es jetzt gut möglich einen Blick auf die Plätze der Standorte der vergangenen Dokumenta 15 zu werfen. Außer den noch unbewachsenen Bodenstellen ist nichts mehr zu sehen.

Der zentrale Komposthaufen ist wie immer zu dieser Jahreszeit nicht zu betreten. Der matschige Boden hält Spaziergänger ab diesen Bereich zu betreten. Die großen tiefen Pfützen lassen erahnen, dass dies auch noch lange so bleiben wird. Wieder hebe ich automatisch die Hand beim passieren der nächsten Läufer und lächle zurück. Meine Finger werden kalt. Ich versuche sie in der Jackentasche zu wärmen. Das gelingt mir nicht. Zu unstabil laufe ich dabei. Abgesehen davon sieht es für weitere Betrachter nicht sehr sportlich aus denke ich mir so. Die feuchte Kälte gilt es jetzt auszuhalten. Schon 6 Km geschafft. Auch heute entdeckte ich wieder eine Oase der Ruhe. Wie oft sind wir schon zu zweit, mit Freunden und den Kindern hier herumspaziert. Wir haben sooo vieles noch nicht gesehen. Heute führt mich meine Neugierde zu einem Entenhaus an einem kleinen Teich. Vorsichtig balanciere ich über einen umgestürzten Baum der als nützliches und wichtiges Totholz dort liegenbleiben wird. Wenige Meter davon entfernt entdecke ich eine versteckte Stelle. Der durch das wilde natürliche Schilf eingewachsener Ort ist jetzt unspektakulär.

Im Sommer werde ich nochmal dort vorbeischauen um eine Pause einzulegen. Der Gedanke an die schnatternden Enten im Teich, die Ruhe und die hoffentlich wärmende Sonne machen Lust darauf. Sieben Kilometer- Halbzeit. Zeit eine wichtige Entscheidung zu treffen. Die große Runde um die Insel Siebenbergen oder direkt in die Buga und nach Hause. Es ist die große Runde in diesem vor langer Zeit und für viele Genarationen angelegtem Park geworden. Eine Amsel sitzt in Augenhöhe auf einem Ast. Ich halte an und mache ein Foto von diesem anmutigen Tier.

Singvögel sind mir heute gar nicht aufgefallen. Wo sind sie geblieben? Alle noch im Süden oder hat sich die Anzahl der bei uns immer heimischen Arten so stark dezimiert? Allgegenwärtig sind die an einigen Stellen zu mehreren Dutzenden schnatternden Nielgänse vorzufindenden. Ich bin mal gespannt wann diese Art bei uns als invarsiv eingestuft wird. Jetzt den Rückweg antreten oder noch eine kleinerer Runde mehr? Gleich nach Hause. Die Kraft lässt nach. Am Wahlebach führt mich die wenig fordernde Stecke entlang. Schon lange war ich nicht mehr hier gewesen. Mittlerweile hat sich die Grünfläche entlang der Schrebergärten verändert. Zuhause angekommen treffe ich noch einen Nachbarn der sich mit mir über meine geschafften Kilometer und die Leistung freut. Er kennt mich noch aus der Zeit mit fast 100 KG Körpermasse. Die vielen Gedanken in meinem Kopf verlassen mich noch nicht. KM 14,2. Beim Aufschließen der Haustüre stelle ich mir die Frage: Was wäre, wenn jetzt aus dem Radio die Eilmeldung gesendet würde, dass in diesem Moment auf der ganzen Welt kein Krieg mehr geführt würde?  

Scheiß Konjunktiv.

Beim Aufschließen richtet sich mein Blick auf die verschmutzten Schuhe. Nach dem Dehnen und Duschen werden auch sie mit reichlich Wasser gesäubert und gepflegt. 

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