D -28.06.2021 Ostseeküstenradweg von Waabs nach Kiel 65 KM Hotel

„Gib einem Menschen einen Fisch und er kann sich einen Tag ernähren. Lehre einem Menschen das Fischen und er kann sich sein Leben lang ernähren. Lehre einem Mann das Radfahren und er merkt, dass das Fischen ein langweiliger Zeitvertreib ist.“ (Desmond Tutu)

Dieser kluge Ausspruch hat mich heute auf der zum Teil langweiligen Strecke beschäftigt. Es ging heute morgen, nach einer ruhigen und nicht zu warmen Nacht entspannt los. Auf dem CP war schon am  frühen Morgen, also um 7 Uhr vor dem platzeigenem EDEKA Markt schon richtig was los. Die noch müden Männer wurden zum Brötchen holen geschickt. Sie hatten zum Teil meine Einstellung zur Auswahl der am Morgen so dringend benötigten Brötchen. Es ist schon erstaunlich was Brötchen in allen Variationen mittlerweile kosten. Für ca. 10 Brötchen legte so manch einer 7€ auf die Theke. Der Mann mit seinem großen Jutebeutel voller Brötchen bekam von seinem 20€ Schein nicht mehr viel zurück. Na gut. Mit solch einer großen Familie Frühstücken zu gehen kostet mehr. Wir machten uns auf, auf die Tagestouren mit der wenigsten Abwechslung. Gefühlt ging es nur monoton auf dem Radweg, der zum Teil schon sehr marode war und durch seine, durch die Wurzeln von den Laubbäumen angehobenen Bodenwellen um die volle Aufmerksamkeit der Radler gebeten hat. Bei so wenig motorisiertem Verkehr wäre auch Fahrt auf der Landstraße ohne Risiko möglich gewesen. Hätte, hätte Fahrradkette…. In Strande machten wir direkt am Wasser an einem kleinen Imbiss unsere verdiente Mittagsrast. Der Milchkaffee war passabel, jedoch belohnte uns der Blick auf die See. In der Ferne konnten wir die kleinen Schulsegelboote mit ihren roten Segeln erkennen. Die markanten Punkte setzten sich von den glitzernden Wellenkronen ab. Wir genossen bei einem leckeren Magnum das Treiben auf dem Wasser und genossen das Sommerfeeling in der Sonne mit ein paar Schweißtropfen auf der Stirn. 


Schnell waren wir in Kiel bei unserem  Hotel angekommen. Das neue Hotel glänzte mit einem defekten Fahrstuhl und das bestmögliche Zimmer für uns Radler mit viel Gepäck war in der zweiten Etage. By the Way.  Die Räder durfte ich in einem Kellerraum die enge Treppe hinunter tragen. Die schwarzen streifen im Treppenhaus sollen dechiffriert lauten: Ich war schon hier! Zum Abendessen sollte es heute doch endlich mal Fisch sein. Die sehr freundliche und bemühte junge Dame an der Rezeption empfahl uns das Lokale „ Lagom“ direkt an der Förde. Wir genossen den Abend wieder mit chilliger Musik unterm Sonnensegel bei einem lauschiges warmes Lüftchen mit einem grandiosen Blick auf die Förde. Nacheinander zogen die Stena Line und Mein Schiff 6 vorbei.

Morgen gegen 16 Uhr soll es nieseln. Mal schauen wo wir dann schon sind. 




Respekt und Toleranz

D -27.06.2021 Ostseeküstenradweg von Wackerballig nach Waabs CP 57 KM


Es war eine so angenehme Nacht gewesen. Noch bevor es komplett dunkel war, sind wir in unserer 1000000 Sterne Herberge in den Schlafsäcken verschwunden. Es war so warm, dass wir diese gar nicht brauchten. Die Gespräche der in angenehmen Abstand sitzenden Camper verstummten nach und nach. Die Stille legte sich wie ein Nebel über den Platz. Erst am sehr frühen Morgen gegen drei Uhr begannen die Vögel mit ihrem Morgenkonzert. Dabei habe ich die in der Regel sehr tonangebende und das Konzert dominierende Amsel vermisst. Gegen sieben Uhr begannen die Tauben in einer Lautstärke zu turteln die nicht nur mich aus der Matte hochjagte. Die Reißverschlüsse der Zelte schnurrten monoton und es entstand eine stoische Dynamik auf dem Platz. In den Sanitären Anlagen traf man sich wieder. Ein kurzes verschlafenes Moin genügte dem einen. Ein anderer erzählte mir ungefragt alles über die gestrigen Fußballspiele und gab seine Meinung dazu kund. Warum muss  ich gerade an einem Sonntagmorgen diesen einen von Millionen Jogis unausweichlich neben mir beim Zähneputzen ertragen? Gegen Sieben Uhr war die Luft noch feucht und angenehm kühl. Jetzt um acht Uhr steigt die Sonne hinter mir im 45 Grad Winkel und wärmt angenehm meinen Rücken. Auf der Marina vor uns schippern die ersten kleinen Segler, teilweise mit Motorunterstützung, auf die Ostsee hinaus. Der Wetterbericht sagt ein Top Reisewetterbericht mit leicht bewölktem Himmel und 21 Grad vorher. Wir freuen uns darauf von der noch leichten Briese aus Westen kommend angeschoben zu werden. Noch haben wir kein finales Ziel für heute Abend definiert. Mal schauen wo wir landen. Direkt nach der Abfahrt führte uns ein geschotterter Weg direkt nach Osten am Meer entlang. Den Weg durften wir mit vielen Spaziergängern und Haustierbesitzer teilen. Nicht jeder(Mann-Frau) hatte das nötige Verständnis für den anderen. Der leichte Westwind brachte uns schnell voran. Partiell ging es durch die kühlen und Schattenspendenden Buchen und Lindenwälder. Der Geruch nach Moos, verrottenden Ästen und der  kalten Erde war genau das Gegenteil von der salzigen, nach Fisch und Algen riechenden Luft nur wenige 100 Meter entfernten Küste. Wir konnten mit der geringsten Unterstützung angenehm entspannt die Natur genießen und sind schon nach 90 Minuten zum Frühstücken in Kappeln an der Hafenpromenade angekommen. An uns flanierten die Besucher des Sonntagsmarktes teilweise hastig vorbei. Vor vielen Jahren hätte ich noch die Menschen beobachtet. Heute interessieren mich mehr die Fahrräder. Weiter ging es an Getreidefelder vorbei. Die Wintergerste war schon fast reif und strahlte schon in einem hellen gelb. Der Roggen und der Hafer waren noch nicht reif. Die Ähren waren nur spärlich ausgeprägt. Der Raps war schon verblüht und stand in einem saftigen Zustand auf den Feldern. Da es sich um den Futterraps handelt ist die Ernte zur Verfütterung gesichert. Neben den großen Getreidefeldern die nur von wenigen Bauern bewirtschaftet wurden lag das frisch gemähte Gras und wartete darauf gewendet und zu Heu verarbeitet zu werden. Die Bauern waren an diesem sonnigen Tag allerorts tätig. Die Maisfelder sind derzeit noch in einem bedenklichen Zustand. Kaum 40 cm hoch stehen die Halme, weit voneinander entfernt. Der lange, feuchte Frühling hat der Frucht geschadet. An den Bauergehöften riecht es stark nach Naturdünger. Ich sage immer zu Kindern oder älteren noch nicht so richtig Erwachsenen Menschen das so die Schnitzel vor dem Besuch beim Metzger duften. So manch einer der die Nase rümpft und auf die Bauern schimpft, hat das immer noch nicht verstanden. Die Gegend heute ist uns von einem Wanderurlaub im Oktober 2020 kurz vor der Pandemie bestens bekannt. Viele Kilometer der Küstenlinie und der Felder haben wir schon erwandert. Hier in Kappeln habe ich das Joggen erlernt und für mich entdeckt. Aus den anfänglich vier Kilometern sind jetzt schon regelmäßige acht geworden und im August werde ich mich an die 12 Kilometermarke herantasten. Spontan haben wir uns für eine ***** Sterne CP Anlage in Waabs entschieden. Hier bleiben wir heute und lassen den Tag beim Italiener mit auf dem Platz mit Blick auf die Ostsee ausklingen. Das erste Getränk wird heute auf Daggi und Michaela getrunken. Unsere Herberge ist eingerichtet und wir freuen uns wieder auf eine entspannte und ruhige und trockene Nacht. 

D -26.06.2021 Ostseeküstenradweg von Flensburg nach Wackerballig 50 KM


Die erste Frage von Martina auf dem Campingplatz in Wackerballig war „Wo hast du meinen Schlüssel für den Akku! Findet den Fehler und geht mal schnell alle damit verbundenen Konsequenzen durch …

Ja, sie hat ihren Schlüssel nicht mit eingepackt. Zufälligerweise habe ich ihren zweiten Schlüssel seit Jahren an meinem Schlüsselbund. Es hat schon auch etwas gutes nach so einem entspannten Tag mit einer großen nicht bestellten Portion Adrenalin versorgt zu werden. Das Zelt war in der halben Zeit aufgebaut und beide Isomatten mit der noch im Körper vorhandenen Energie des Adrenalins aufgeblasen. Die Zeltwiese ist klasse. Kurz gemäht, vom Grasschnitt befreit, sauber, ruhig und mit Blick auf die Ostsee. 

Die Anreise von Kassel nach Hamburg war im ICE bequem. Der Zug war bis auf zwei Minuten pünktlich. So war das Umsteigen in den Regiozug wie geplant auf dem gleichen Bahnsteig kein Problem und locker zu bewältigen. Acht Minuten vor Ankunft in HH der obligatorische Blick auf die DB App.  Gleisänderung! Der Plan war im Eimer. Wir haben gar nicht versucht in den verbleibenden 5 Minuten mit den vollgepackten Rädern, mit dem Aufzug nach oben zu kommen. 20 Meter weiter in die Schlange der Wartenden anzustellen und dann auf dem richtigen Bahnsteig pünktlich in den Zug zu steigen. Über das Gleisbett sahen wir unseren Zug abfahren. Wir nahmen  ganz entspannt den nächsten Zug der eine Stunde später auf unserem Bahnsteig abfuhr. In Flensburg angekommen rollten wir gemütlich zum Wasser, schon dem Ostseeküstenradweg folgend. Es ging heute doch häufig Auf und Ab. Von Bergen will ich an dieser Stelle nicht sprechen. Die vergangene Eiszeit hat hier hoch im Norden in Schleswig Holstein und auch in Mecklenburg ihre Spuren hinterlassen. Nicht nur die großen schon fast rund geschliffen tonnenschweren Steine, sondern auch die vielen Auf und AB’s im Gelände zeugen davon. Der Radweg ist sehr gut ausgeschildert. Die Wege sind befestigt, dennoch gibt es Abschnitte im Wald, welche immer nur von einem Radler befahren werden kann. Solche Stellen befinden sich auch direkt am Wasser. Mit Asphalt wurde hier an der Wassergrenze eine provisorische jedoch passierbare Trasse angelegt.

Die Stille wurde nur durch das schreien der Möven oder dem Gezwitscher der Vögel unterbrochen. Leise rollten die Wellen der heute sehr stillen Ostsee  an das Ufer. Es roch nach Urlaub. Der bewölkte Himmel tat gut. Wir haben beide kein besonderes Interesse schon am ersten Tag einen Sonnenbrand zu bekommen. Die Navigation mit Komoot funktioniert sehr gut. Alle benötigten Infos sind immer parat. Der Campingplatz in Wackerbaliig ist Spitzenklasse. Der Empfang war zwanglos und es wurden alle geforderten Hygienerichtlinien eingehalten und die erforderlichen Unterlagen eingesehen. Hier fühlen wir uns sicher. Die Sanitären Anlagen sind neu und werden zwei mal am Tag komplett gereinigt. Das laden der Akkus kostet pro Türöffnung 1€  und ist sicher in einem verschließbaren Schrank möglich. (Das der € beim öffnen weg  ist wurde vergessen zu erwähnen) Jetzt gegen 19 Uhr schafft es die Sonne, wie vorhergesagt,  die Wolken zu durchdringen und lässt die Ostsee in der Sonne glitzern. So langsam füllt sich die Zeltwiese. Lecker zu Abend haben wir beim freundlichen Griechen Hellas im 2 KM entfernten Gelting gegessen.




D – 25.06.2021 Die Vorbereitung. Ostseeküsten Radweg D2 Flensburg – Stralsund

Whooom ! Morgen geht es los! Zusammen mit Martina radle ich den Ostseeküsten Radweg D2. Wir wollen so gegen 13.00 Uhr in Flensburg beginnen. Davor haben wir in aller Frühe noch die Etappe von Zuhause zum Bahnhof Willhelmshöhe und dann mit dem ICE in den Hohen Norden nach Flensburg vor uns. Das Umsteigen in Hamburg in 8 Minuten werden wir wohl schaffen. Wenn’s nicht klappt fährt einen Stunde später der nächste Zug. Was soll’s – wir haben Urlaub. Der erste Stopp ist auf einem CP in Wackerballig. Wetter.com sagt für unserer Reise keinen Regen vorher daher bleiben die Regenklamotten Zuhause. Noch sind nicht alle dringend erforderlichen Sachen von Martina in den Taschen verstaut. Die Brotzeit für die Anreise ist zubereitet und die Stimmung und Aufregung steigt. Noch eine kurze Nacht und es geht los. Endlich, nach so langer Zeit der Entbehrung, vollständig durchgeimpft und in freudiger Erwartung auf die schönen Momente der Reise so kurz vor dem Start bin ich richtig aufgeregt. Das war ich bei unseren Reisen vor 18 Monaten gar nicht. Was mich die Zeit und die uns mit bedacht und Weitblick auferlegten Restriktionen doch verändert hat. Alle Prognosen stehen auf „Grün und Go“! Morgen Abend wird sich zu ersten Mal zeigen ob die Vorfreude nicht zu groß war. Bleibt doch dabei und erfreut euch an den „Gute Nacht Geschichten“. Es versteht sich doch mittlerweile für die treuen Leser von selbst, dass ich das natürlich mache um für die Mukoviszidose Selbsthilfegruppe Kassel e.V. Spenden sammle.
Bleibt dabei, mir und der Sache treu.
Ich freue mich auf eure Kommentare und eine Challenge!

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D – 20.11.2013 Mainradweg Bayreuth –

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Erst am frühen Mittag bin ich in Bayreuth, südlich unterhalb des Festspielhügels, also am Bahnhof, gestartet. Vielen Dank an das  Team vom „Hotel Bayerischer Hof“ für das gratis unterstellen des Rades in der Hotelgarage an meinem Ruhetag. Der leichte Regen sollte sich nach der Wetterprognose am Nachmittag verabschieden und der Sonne weichen. Denkste! Schnell war ich auf dem schon in der Stadt gut ausgeschilderten Radweg angekommen. Auf einem Bahntrassenweg ging es bis zum zusammenfluß des Weißen und Roten Main. Von den beiden Farben konnte ich im übrigen keine, auch unterzuhilfenahme aller meiner Phantasie, ausmachen. Schnell war ich vorangekommen. Um 13.00h war ich schon an Kulmbach vorbei. Die heutige Strecke war mit vielen Schotter und unbefestigten Abschnitten gespickt. So richtig Schlamm hatte ich nur einmal. Die wenigen Steigungen habe ich genossen. Der Rennsteig lässt grüßen. Mein heutiges Tagesziel ist Lichtenfels. Dort angekommen haben mich der obligatorische Fitness- Zeitmanagement und Wettercheck dann doch noch bis Bad Staffelsetein geführt. In einem schönen und freundlichen Hotel bin ich so gegen 16.45h untergekommen. Keine 200m vom Radweg neben dem Bahnhof entfernt. Den Namen der Herberge habe ich mir nicht gemerkt. Was habe ich heute gelernt. „Hochstadt“ nennt sich „Hochstadt“ weil es „hoch“ oben angesiedelt ist. Die wenigen Steigungen waren so gar keine Herausforderung und auch bei Nießelwetter kommt man, wenn auch schlechtgelaunt voran. Statistik: 73km in 4.13 H bei einer Durschnittsgeschwindigkeit von 17.1kmh und 356 HM rauf sind auch bei Regen machbar.