25.08.2019 Vodo di Cadore nach Paludi

So viele KM waren heute nicht geplant. Das Hotel Dante haben wir nach 71 KM bei strahlendem Sonnenschein und guten 24 Grad erreicht. Aber erst mal alles von vorne. Nach einem mittelmäßigen Frühstück sind wir gegen 11 Uhr los. Wie auch schon die letzten Tage ging es erstmal gute 120 Meter bergab. Ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen, dass mir die rasante Abfahrt gefallen hat. Der Moment vor der Kurve die Bremse zu ziehen ist bei mir bedenklich kleiner geworden. Das hat sich im Laufe des Tages noch gewaltig gesteigert 😉.

Heute ging es laut unserem Plan immer nur nach unten. Die wenigen Anstiege haben wir kaum gemerkt. Nach 12 km haben wir bei der berauschenden Abfahrt vor und hinter der imposanten Kulisse der Bergwände und dem Tal mit all seinen schönen Perspektiven eine rechts Kehre verpasst. Nicht nur wir, wie wir später feststellten. Im Ort Pieve di Cadore habe ich am Bahnhof Radler gesehen die uns während der ersten Pause überholten. Später, nachdem wir durch den Ort und die Straße hinauf gegurkt sind, haben wir uns wieder getroffen. Gemeinsam radelten wir nun wieder bergan in Richtung Süden. Was jetzt folgte muss ein jeder einmal selbst gesehen und erlebt haben.

Es ging kilometerweit auf einer nicht mehr befahrenen Straße serpentinenartig bergab. An jeder Kehre ein anderer Blick ins Tal und die sich dahinter erstreckende Landschaft. Das ist Radfahren auf höchstem Niveau. Die Abfahrt nahm kein Ende. Auf der ganzen Stecke sind uns nur drei Autos begegnet. Diese Ruhe. Nur die Piave rauschte so dann und wann ruhig neben uns her. Der Pegel des in seinem breiten Bett dahin schlängelnden Flusses hat auch schon bessere Zeiten gesehen.

Jetzt ist es eher ein kleiner Bach der da neben uns fließt. Kurz vor Longarno war es mit der Einsamkeit und Ruhe vorbei. Die SS51 hatte uns wieder. Wir mussten uns für einige KM ,wegen einer Sperrung des Radweges, auf die Straße in die nimmer endende Karawane  der PKW‘s einreihen. In Longarno wechselten wir nach einer Cappuccino Pause auf die andere Seite des Flusses. Gute 3 KM ging es direkt an der Piave entlang. Hauptsächlich sind wir heute auf einer Bahntrasse abwärts gerollt. Diesen schönen Weg wird auch von Spaziergängern, gerade am Wochenende genutzt.

Die Halter der Hunde haben die Tiere zu bestimmt 95% angeleint geführt. Das ist schon mal eine Bemerkung die ich lobend erwähnen möchte. Ein ganz kleiner Teil der anderen 5% hat sich mit mir angelegt.

Der Radweg auf der Trasse hatte sogar einen Mittelstreifen und einen Streifen für die Fußgänger. Auf der gesamten Stecke ist uns in den letzten Tagen kaum Müll am Rand aufgefallen. Sogar die Rastplätze mit den Bänken und Tischen waren jederzeit sauber. Der Radweg geht ja meist oberhalb an den kleinen Örtchen vorbei. Gegen Mittag sind uns die 

Gerüche des Mittagessens aus den Häusern entgegengekommen. Was da wohl heute alles auf den Sonntagstisch kommt? Kurz nach Tau di Cadore haben wir noch ein Reh gesehen. Es trottete ganz langsam und unbeeindruckt von uns auf ein Haus zu. Ob es wohl bei den Familien Wolf oder Fuchs zum Mittagessen bestellt oder eingeladen war.

Von unserer Herberge aus können wir die letzten Erhebungen der Alpen sehen. Ich denke mal die sind gerade noch so 400 Meter hoch. Tschüss Alpen. Jetzt geht es flach an das Meer. Auf einer Route die schon vor hunderten von Jahren die Römer nutzen um Handel zu betreiben. So ganz nebenbei haben sie auch das Verderben und den Wohlstand auf die Nordseite der Alpen gebracht. Jetzt sind es noch 140 KM nach Venedig.

Meine Kugel Eis kommt immer näher. 

24.08.2019 Aufkirchen bei Toblach nach Vodo di Cadore

Heute morgen wurden wir nicht nur von unsere Herbergswirtin und der Enkelin Ida verabschiedet. Es gesellte sich noch ein Maulwurf dazu, der es schaffte die Steine an der Mauer der Treppe zu lockern und die Stufen nach unten fallend uns zu erfreuen. Die anderen Kinder der Herberge sind auch schnell gekommen um den Maulwurf, den es ja nur im Kinderfernsehen gibt zu bestaunen. 

„Der lange Weg der Dolomiten“ wird der Dolomiten-Radweg auch genannt. Von unserer Herberge ging es wieder mal fast 3 KM und 180 HM rauschend ins Tal zum Pustertal Radweg. Schon nach 8 KM hatten wir den Toblachersee erreicht.

Der zweite Fotostop, dem noch viele am heutigen Tag folgen werden. Ganz gemütlich ging es stetig bergauf. Keine nennenswerten und kräftezehrenden Steigungen waren zu bewältigen. Einzig ein Abschnitt mit ganz groben, losen Schotter zwangen und zum schieben. Die Steine waren mehr als faustgroß. Das heute Samstag ist haben wir schnell gemerkt. Es waren viele Radler in beiden Richtungen unterwegs. Sowohl die Familien mit Kindern als auch die sportlichen Radler traten zu Häuf auf. Richtig spannend wurde es wenn die Grüppchen den Radweg versperrten. Wie kann man sich so An- und Hinstellen!!

Es waren immer selbstgemachte Gefahrenstellen. Am Aussichtspunkt „Drei Zinnenblick“ machten wir, wie viele andere auch, unsere erste Pause. Der Anblick der mächtigen Bergspitzen war uns jedoch verwehrt geblieben. Wir haben fast eine Stunde in der wärmenden Sonne gesessen und die Natur genossen.

Es ist schon erstaunlich was manche Menschen für Schuhwerk bei einer Wanderung in den Bergen bevorzugen.

Irgendwann waren wir dann oben und hatten den unspektakulären  letzten hohen Pass den Passo Cima erreicht. Jetzt rollten wir langsam auf dem feinen Schotterweg nach unten. Doch auch hier galt es immer nicht nur in die Ferne zu schauen und zu genießen. Der Blick auf den Weg durfte nicht vernachlässigt werden. An einer Stelle wurden die Wände am Eingang in eine Unterführung sogar mit dicken Matten gesichert.

Teilweise war der Waldboden durch den letzten Regen aufgeweicht. Auch hier in den Bergen haben die Stürme der letzten Monate mächtig gewütet und ihre Spuren hinterlassen. Lang und hoch waren die dicken Baumstämme am Rand aufgereiht. Daneben die losen Äste und Wurzeln. Es wird wohl noch eine Weile dauern bis das alles weggebracht wird.

Es ist mir aufgefallen das die Straße immer in Ordnung und gut zu radeln war. Nachdem wir die beiden Tunnel auf dem Eisenbahnradweg passiert haben und die „tiefe Schlucht“ passiert war gönnten wir uns am Wegesrand auf einigen großen Felsen vor dem hinter uns aufragenden Bergmassiv die noch vorhandene Verpflegung – bestehend aus Rotwein, Himbeergeist, Wurst, Schokolade und Brötchen.

Es war so herrlich in der Sonne zu sitzen und die bergauf hechelnden Ebiker und die bergab rauschenden Radler zu beobachten. Aufgefallen sind mir die vielen Kinder MTB’s mit Motor. Ich ziehe den Helm vor den Vätern die ihr Kind im Hänger und ohne Unterstützung den Berg hochziehen und die Abfahrten vorsichtig herunterbremsen. Die kalten Bergseen hatten alle eine andere Farbe. Oben auf den Bergen gab es keine hohen Bäume mehr. Hier dominierten die Steine und die halbhohen Sträucher. Dafür gab es einen grandiosen Blick in die Ferne. Die Sonne schaffte es heute in 1300 Metern das Thermometer auf fast 23 Grad zu treiben.

Weiter unten in Cortina d‘ Ampezzo war es plötzlich vorbei mit den Radlern und Wanderern. Wir waren wieder alleine auf dem jetzt asphaltierten gut ausgebautem Radweg unterwegs. Langsam rollten wir fast ohne Anstrengung nach unten. In Vodo di Cadore haben wir unser Zimmer gebucht. So wie gestern ging es nochmal die letzen 3 KM gute 190 HM hoch. Wir haben ein Zimmer mit einem tollen Ausblick auf die Berge gegenüber. Die Sonne vor uns sitzen wir auf der Terrasse und genießen unseren Aperol. 


23.08.2019 St. Sigmund nach Aufkirchen bei Toblach

Durch die idyllisch und hügeligen Radwege mal durch den noch feuchten Wald oder auch am kühlen Gaderbach entlang ging es stetig auf und ab.

Am Tagesende hatten wir fast 1100 HM erreicht. Bis nach Bruneck radelten wir gemütlich an der neuen Bahntrasse entlang. Es waren heute viele Radler unterwegs.  Eine kleine Gruppe der Radler haben wir schon vorgestern gesehen. Sie waren mit ihren Biobikes nicht ganz so schnell wie wir. Ab Bruneck änderte sich die Fliessrichtung des Baches. Jetzt hatten wir die Rienz als Begleiter neben uns.

Die Strecke nach Toblach vorbildlich ausgeschildert und ausgebaut. Es gab kaum Eng- und Gefahrenstellen. Im Mitterolang gönnten wir uns unsere obligatorische Kaffeepause, natürlich mit frischem Marillenstrudel und frisch geschlagener Sahne.

Am Olanger Stausee konnten wir den derzeit in Europa herrschenden Wassermangel gut sehen. Der Stausee war gerade mal zu 50% gefüllt und machte einen traurigen Eindruck auf uns.

Bis nach Toblach war es nicht mehr weit. Wir genossen die sich in der Sonne vor dem blauen Himmel aufwärts drehenden Paraglider. An so manchen Stellen konnten wir die Natur so richtig riechen. Es ist gerade die Zeit in der die Gülle auf die Felder gebracht werden muss. Ja, so ein Schnitzel oder Steak kann auch anders schmecken. Leider wissen das viele, gerade junge Menschen nicht mehr und schimpfen auf diesen Gestank. Mit ein paar Kurbelumdrehungen mehr ist dieser Geruch auch bald vergessen und vorbei. Vor Toblach sehen wir zu unserer rechten Seite die Ausläufer oder sind es schon die Dolomiten. Diese sich mächtig  vor und aufbauenden Felsen werden wir morgen erklimmen.

Am Nachmittag bot sich in der Sonne und ohne Wolken auf den Birkenkofel und Monte Cristallino ein schöner Ausblick. Morgen werden wir nach dem wir den Toblacher See passieren nach ca 6 KM den Aussichtspunkt „Drei Zinnen Blick“ erreichen. Auf diesen hoffentlichen Wolken und nebelfreien Anblick freuen wir uns schon. Heute haben wir unser Bergfest in der Herberge mit Schinken, Berg- und Heukäse und luftgetrockneten Kaminwurzen (Würsten) mit einem dunklen Brot gefeiert. Natürlich waren der landestypische Rotwein Lagrein, dass Felsbier und der wohlschmeckende Himbeergeist mit dabei.

Morgen haben wir eine Unterkunft in Vodo di Cadore gebucht. Was nach 20 KM stetig aufwärts und 350 HM auch 30 KM rollender Abfahrt auf dem Dolomiten Radweg mit sich bringt. Ein Tipp von vielen Radler ist diese Strecke ganz langsam zu genießen. 

Schaffe ich das? 

22.08.2019 Sterzing nach St. Sigmund

Gegen 11 Uhr sind wir auf die Räder gestiegen. Wir freuten uns schon auf den Radweg. Der lag nämlich gute 100 HM unter uns. Die 1.5 KM lange Strecke wurde bei mir zu einer rasanten Abfahrt. Bei KMH 64 habe ich angefangen leicht zu bremsen. Es war so herrlich! Martina kam ein wenig später unten an und genoss den herrlichen Ausblick ins Tal und auf die Stadt Sterzing. Die ersten 5 KM ging es recht langweilig und eben an der vielbefahrenen Straße rechts von uns entlang. Links neben uns die rauschende Eisack. Bei Stilfes dann der erste Weg im Wald auf gut befahrbarem feinen Schotter. Die leichten Steigungen und Abfahrten machten uns auf den Ebikes viel Freude. Es gab viel zu sehen. Links von uns war leider die Straße zu sehen und zu hören. Durch kleine Dörfer und einsame Höfe am Waldrand ging es immer in Richtung Osten. Auf einer Anhöhe genossen wir den Blick ins vor uns gelegene Pustertal.

Jetzt hatten wir schon 28 Grad und die hielten sich noch eine Weile. Gegen Abend wurde es dann sehr schwül. In der Nacht wird es dann wieder so richtig Gewittern.  Die Apfelplantagen standen wie Eingangstüren links und rechts am Radweg. Die saftigen satt grünen und leuchtend gelben Äpfel machten Lust einen zu klauen. So was machen wir aber nicht.

In Schabs auf dem Dorfplatz war eine Pause mit Cappuccino und ofenfrischem Apfelstrudel der Pausenfüller. So ein warmer Apfelstudel und richtige frisch geschlagene rahmhaltige Sahne dazu sind schon eine kulinarische Geschmacksexplosion. An dieser Stelle habe ich meine Kalorien heute nicht gezählt und vertraue auf meine Selbstdisziplin bis zum 30.08.2019 mein Wunschgewicht erreicht zu haben.

Kurz nach dem beschaulichen und zum verweilen einladenden Örtchen Mühlbach hatten wir das heutige Ziel schon vor Augen. Nach 14 km waren wir in unserer Herberge dem Sigmunderhof in St. Sigmund angekommen. Das Hotel liegt keine 200m vom Radweg entfernt und ist zu empfehlen. Wir haben gestern Abend noch eine Zimmer Anfrage gestellt und heute morgen die Bestätigung bekommen. Derzeit ist hier noch die Hochsaison. Entsprechend rar und auch teuer sind die Zimmer. In Cortina d‘ Ampezzo ist kein Zimmer unter 190€ im Internet verfügbar. Heute haben wir in der näheren Umgebung unsere Anfragen gestellt. Mal schauen wo wir morgen Abend unterkommen und vor allem wieviele Kilometer und Höhenmeter wir strampeln müssen. Es ist nur noch ein Pass auf 1500 HM zu erklimmen. Danach feiern wir Bergfest und es geht nur noch Bergab bis nach Venedig. 

21.08.2019 Innsbruck nach Sterzing

Als ich das Schild mit der Aufschrift Brenner gesehen habe „musst ich mir eine Träne wegdrücken“ sagte Martina bei der langen Rast auf dem Brenner. Das war gar nicht so schlimm wir ich es mir gedacht hatte, waren die nächsten Worte. Um 10.30 Uhr sind wir im Hotel gestartet und waren nach genau 1 KM an der Brücke über die Eisen- und Autobahn.

Auf der anderen Seite gibt er zwei Möglichkeiten um weiterzukommen. Die erste rechts, einen kleinen Trampelpfad runter,  nahmen wir. War natürlich falsch. Die Vermesser an der Baustelle zeigten uns den richtigen Weg der natürlich hoch führte. Für alle Leser zum merken – durch den Gastgarten der Gaststätte kommt man direkt zur alten Römerstrasse, so wird sie von den Einheimischen genannt.  Es ging ca 4 KM an der viel befahrenen und anspruchsvoll ansteigenden Straße nach oben. Im ersten Ort gibt es rechts einen Automaten und einen kleinen Selbstbedienungsverkaufsraum. Der Bauer hat die frischen Produkte gerade aufgefüllt. Salatköpfe, Karotten, Zucchini und manches Gemüse mehr kann man stückweise kaufen. In Den Kühlfächern der Automaten gab es Eier, Käse und sogar die frisch gemachten Spinatknödel die wie er uns versicherte noch vor 30 Minuten von seiner Frau gemacht wurden. Zahlen kann jeder in Bar oder mit Kredit- und EC Karte. Das ganze auf Vertrauensbasis. Die Drei Parkplätze waren die ganze Zeit immer wieder belegt. Eine Tolle Idee. Weiter ging es jetzt in die Felder auf Schotterwegen immer leicht bergauf.

Wir wollten heute ja auf 1400 Höhenmeter hoch. Die saftigen Wiesen und die teilweise schon abgeernteten Felden boten vor den noch im Nebel versteckten Bergen ein abwechslungsreiches Bild. Einmal haben wir ein Schild übersehen und mussten fragen. Die freundlichen Wanderer lachten und meinten das an der Stelle so einige geradeaus weiterfahren. Die richtige Trasse war schnell gefunden und es ging schnell weiter auf einer Straße entlang. Die Wege schlängelten sich heute durch die kleinen Gemeinden. Oft am rauschenden Gebirgsbach entlang. In der Ferne auf der anderen Seite des Tals zog sich die Autobahn durch die Landschaft. Die Autos waren wie auf einer Perlenkette aufgereiht.

Der Wind stand gut für uns. So mussten wir das Dröhnen der Pkw und LKW nicht ertragen. Auch machte durch den Schiebewind das radeln noch mehr Spaß. Je näher wir dem Pass kamen umso kälter und feuchter wurde es. Wir waren beide in unsere Jacken eingehüllt. Oben belohnten wir uns um 14.30 Uhr mit einem leckeren frischen und kalorienreichen hausgebackenem Kuchen. Er schmeckte fast wie der von Oma und Muttern.

Bis nach Sterzing waren es no ch 20 km. Es ging immer nur bergab. Die gut ausgebaute ehemalige Bahntrasse machte richtig Spaß. Die Sonne kam noch dazu und wärmte uns auf und setzte die atemberaubende Landschaft mit den Bergen im Hintergrund vor uns ins rechte Licht. Das war die bisher schönste Abfahrt bei meinen Radreisen.

In Sterzing suchten wir durch die Touristinfo nach einer Unterkunft. Diese haben wir im Lahnerhof gefunden. Dorthin mussten wir nochmal alles geben. Es ging so richtig bergauf. Wir freuten uns auf unser Etappen Radler. Bei diesem herrlichen Ausblick schmeckte es gleich noch viel besser.

Für 10€ pro Person haben wir auch gleich noch die Halbpension gebucht. Wir freuen uns auf die typischen Tiroler Speisen.