20.03.2019 Bilbao Ruhetag

Nach einer langen und recht ruhigen Nacht heute ein Pausentag. Es ist der Besuch des Guggenheim Museums und ein Spaziergang durch die Stadt geplant. Heute ist die Sonne schon seit 8 Uhr am strahlen. Morgen geht es dann weiter in Richtung Norden zum Atlantik. 

Ein Blumenarrangement zum Frühlingsanfang für alle Daheimgebliebenen
Spanisches Frühstück

19.03.2019 Markina-Xemein nach Bilbao

Noch ein kurzer Nachtrag über gestern Abend. Die Damen in der Herberge, ich sollte sie „Daughter“ nennen, war so was von freundlich und hilfsbereit das kann ich gar nicht in kurzen Worten beschreiben. Das waschen der schmutzigen Kleidung wurde mir ja schon von ihrem Mann angeboten. Und für 20€ die Nacht war das auch schon mit bezahlt.  Als ich in mein Zimmer kam stand da schon so eine grüne Klappkiste wie sie auch auf den Wochenmarkt für Gemüse zu finden ist. Also legte ich meine Kleidung rein und brachte sie in die Küche. Dort war auch die Waschmaschine. Nebenan im ganz kleinen Wohnzimmer war der Trockner. Ich hab noch den Hinweis alles zusammen auf 30 Grad zu waschen gegeben. Nach einem 3 Gänge Abendessen inklusive einer 0,75 Flasche Wein für 11€ in einer Pilgergaststätte zurückgekommen fand ich die meine Klamotten gewaschen, getrocknet und !gebügelt! auf meinem Bett vor. Nur die weißen Teile fehlten. Die waren noch im Trockner und ich bekomme die Morgenfrüh. Ich war ganz schön baff. René dem Holländer ging es mit seiner Wäsche genauso. Am Morgen stand in der Küche eine Kanne Kaffee, Toast und eine leckere Aprikosenmarmelade. Leider musste ich die Gute Fee um 8 Uhr aus dem Bett klopfen. Mein Rad stand ja noch im Kellerraum verschlossen. René und ich verabschiedeten uns herzlich von ihr und machten uns auf unseren getrennten Routen im Regen davon. Regen hatte ich heute nur einmal und zwar von 8.00 Uhr bis 10.45 Uhr.  Mal mehr mal weniger stark. Aber immer 8 Grad warm. Kurz nach dem Start kam auch schon die mir bekannte Steigung. Es war heute nur die eine nennenswerte die sich jedoch 10 km lang nach oben zog. Einige Male musste ich schmunzeln als ich an die Berg- und Schlammetappe von gestern dachte. Die wenig befahrenen Straße hatte einen breiten Seitenstreifen. Der gab mir Sicherheit. Nach 90 min und 320 HM völlig durchnässt fast die höchste Stelle des Tages erreicht.  Die unzähligen kurzen Pausen sind da schon mit eingerechnet. Noch geschätzte 80 HM nach oben schieben. Eine erste verdiente Pause in einem trockenen Bushaltestellenhäuschen brauchte ich dringend. Doch ich war bis dahin nicht immer im Regen. Einmal musste ich durch einen Tunnel. Es war zwar Trockner, doch nicht wirklich gemütlich 😉Jetzt nur noch Abwärts. Ich freute mich auf die ca. 6 Km mit angekündigten 10% Gefälle. Der kalte Regen pikste wie mit Nadelstichen in meinem Gesicht, die Finger wurden eiskalt und der Regen ging bei einer Geschwindigkeit von fast, eigentlich auch über 60 kmh, durch die Jacke und die Hose. (Ich musste einmal in einer 60er Zone abbremsen.) Unten war auf der rechten Seite eine Tankstelle. Hier wollte ich einen Kaffee und mich aufwärmen. Das mit dem Aufwärmen und auf die Sonne warten hat geklappt. Der Kaffeeautomat war defekt. Kaffee gab es dann später in einer kleinen urigen Kneipe bei Don Carlos. An der Tankstelle könnte ich noch beobachten wie einer ein paar Liter des falschen Kraftstoffs in seinen Reservekanister tankte. Er kippte ihn dann einfach In den Gulli. Haben die Tankstellen hier alle einen Ölabscheider? Die restlichen 45 Km ging es unspektakulär und auf ebener Strecke nach Bilbao.  Bei der Einfahrt habe ich mich verfahren und so die Altstadt verpasst. Meine Herberge für 14€ liegt laut Booking.com 750m vom Zentrum entfernt. Also ich bin heute Abend gute 45 Minuten dahin gelaufen. Die Kathedrale habe ich mir als Piger natürlich auch noch von außen angesehen. In einer kleinen Kneipe habe ich das zwei Gang Tagesmenue mit 0,5 l Wein für teure 12€ genommen. Ich bin wieder richtig satt. Jetzt noch langsam zurück und mal schauen wer noch alles im 6 Bett Zimmer dazugekommen ist. Morgen mache ich einen Pausentag und besuche das Guggenheim Museum und habe somit für BILBAO zwei Stempel im Pilgerausweis. 


18.03.2019 Deba nach Markina-Xemein

Nach einer ziemlich ruhigen Nacht im mit 6 Personen belegtem 12 Bettzimmer machte ich mich bei 8 Grad und trockenem Wetter auf den Weg. Zuerst noch ein Abstecher zum Metzger für den Tagesproviant und um den Wasservorrat sicherzustellen. Die ersten Kilometer folgte ich der Beschreibung für Radler. Das war auch gut so. Es ging an der Küste entlang mal rauf und runter. Der PKW Verkehr war in Ordnung. Die Autofahrer halten auf den schmalen Küstenstraßen immer guten Abstand und bremsen auch hinter einem ab. Dafür schon mal Dank an alle PKW/LKW Fahrer. Meine Wegbeschreibung kündigte eine Abzweigung an, die auf ein Betonpiste auf den Weg für die Wanderer führt. Die habe ich auch genommen. Einen Puls von 156 bei 300 geschoben Höhenmetern bekam ich als Quittung dafür. Alle paar Meter musste ich Anhalten um wieder runterzukommen. Der Weg war schwierig zum einen gar nicht zu fahren und zum anderen Mega schwer zu schieben. Mein Blut kochte. Bei pausieren rutschte das Rad nach unten. Der Regen der letzten Tage hat die Betonpiste glatt und schmierig gemacht. Mein Rad bleibt nur mit zwei angezogenen Bremsen stehen. Als Entschädigung genoss ich die Stille. Nur die Vögel, ein hämmernder Specht und 

Kühe mit Glocken im Hintergrund. Das ist doch Luxus in unserer Reizdurchseuchten Welt. 

Das Rauschen eines nahen Baches unterbrach die Stille. Wo soll der Bach den sein? Es war der leichte Regen auf den Blättern im Wald. Dunkle Wolken vertreiben schnell die Sonne. Der Regen kam innerhalb von zwei Minuten.  Das Rauschen wird stärker, kleine Hagelkörner sind mit dabei und machen richtig Krach. Ich fand gerade noch Schutz unter einer Fichte als es richtig losging. 

Der Schotterweg hoch zum Gipfel wurde jetzt so richtig schmierig. Lautes Hunde Gebell von den in der Ferne sichtbaren Einödhöfen durchbrach die Stille. Kein Auto, kein Flugzeug, keine Stimmen. Nur Ruhe!

Die Wander überholen mich jetzt. Fragten alle ob alles OK ist. Hier zählt noch der nächste Mensch. Ich freute mich an dieser Stelle nicht auf die Abfahrt. Den kalten Fahrtwind und keine Zeit zum schauen und genießen hatte ich im Hinterkopf. Jetzt noch auf einer noch schlechteren Waldstrecke mit Wurzeln durchzogen Piste die letzten gefühlten 40 HM zum Gipfel hoch. Wenn nicht nach der Kehre noch eine Serpentine kommt! Sie kam. Mein höchster zu diesem Zeitpunkt dokumentierter Punkt war 490 MüN nach geschobenen 650 HM. Das war noch nicht das Ende. Der Weg wurde zusehends schlechter. Die Pfützen könnte ich nicht mehr durchfahren. Eine Passage war so verschlammt das, dass Laufrad bis zur Hälfte im Schlick versank. Da ich dort auch absteigen durfte waren die Schuhe bis zur Hälfte eingesaut. Die Schlammreste zwischen den Zehen habe ich beim Dusche mit warmen Wasser noch weggespült. Die miesen kurzen Abfahrten und Anstiege wurde immer schlechter. Beim Bremsen war ich super vorsichtig. Einmal rutschte mir das Vorderrad weg und ich ging Kopfüber und zur Seite auf dem Boden. Es war eher eine Matschige und steinige Fläche. Für alle Gegner der Fahrradhelme einmal ganz klar gesagt: Helme sind Retter!! Meiner ist jetzt er im Arsch. An der linken Seite gebrochen. Das habe ich aber erst nach ein paar Metern bemerkt als ich meine Hände und den Helm abgespült habe. Ebenso hat die Vorderradbremse einen Abbekommen. Sie ist ein wenig verbogen funktioniert aber noch. Meine Klamotten sollten heute eh in die Wäsche. So schmutzig war ich noch nie. Ab jetzt noch viel, viel vorsichtiger dem Hang runter. Oft bin ich jetzt Bergab abgestiegen. Abschnittsweise rutschte das beladene Rad die schmierige Piste hinunter. Dies Strecke ist für Radler nicht geeignet. Sowohl im Sommer bei Hitze noch bei schlechtem Wetter. Der Autor des Wanderführers wünscht sich immer gerne Feedback von den Pilgern. Meines wird er bekommen.  Nun kam die Sonne raus und mir ging auch noch das Wasser aus. Ich kämpfte mich den Berg hinunter. In der Ferne war schon ein Dorf zu sehen. Das musste Markina-Xemein sein. Dachte ich. An einer Taverna hielt ich an um Wasser zu kaufen und ein letztes Mal nach unzählig viele kleinen Pausen auszuruhen. Auf die Frage wo ich bin zeigte die Dame auf eine Stelle die ich gar nicht sehen wollte. Ich war vom ausgeschilderten Weg irgendwann abgekommen. Aber nur vier Kilometer. Weit. Jetzt in eine Herberge und eine heiße Dusche. Vorher noch an einer Tanke vorbei und das Rad und die Taschen vom Schlamm reinigen. Dabei habe ich auch gleich meine Schuhe mit abgespritzt. Nass bis auf die Socken war ich eh schon. Im Moment liege ich im Vierbettzimmer noch ganz allein. Hoffe das es heute Nacht so bleibt 😉. 

Später habe ich bei der Restaurant suche noch meinen Bettnachtbarn René aus den Niederlanden gefunden. Er hatte noch keine Herberge so habe ich ihn in meine gebracht. Mal schauen ob er bei mir ins Zimmer kommt. Insgesamt habe ich 833 Höhenmeter hochgeschoben. Morgen bleibe ich auf der Straße. Es ist schon nicht ohne was die Pilger so an Strapazen auf sich nehmen. Zumal das hier ja erst der Anfang ist. Zum Abendessen war ich in einer Pilgerspeisestätte. Das Menue bestand aus 300g Nudeln in Tomatensauce, gebratenem Rindfleisch mit Pommes und einem Pudding. Dazu gibt es Wasser, eine Flasche Rotwein oder Weißwein. Was es kostet schreibe ich morgen. 

17.03.2019 Saint Jean de Luz nach Deba

Um 8 Uhr bin ich bei trockenem Wetter und 11 Grad aufs Rad gestiegen. Am Wochenmarkt habe ich mir noch Bananen besorgt und dann ging es los. Stetig Bergauf und Bergab den Radweg an der Küste entlang. Der Ausblick von den hohen Felsen auf das Meer ist unbezahlbar. Die salzige und nach Meer riechende Luft habe ich gern. Vorbei ging es an den mächtig langen und breiten Promenaden der Küstenort mit dem prächtigen Bauten aus längst vergangenen Glorreichen Tagen bis nach Irun. An den Stränden standen viele Angler und versuchten Ihr Glück. 

Die Radwege sind wie ich schon mehrmals geschrieben habe einfach Spitze. Doch die ein oder andere Schikane haben sie für die Radler doch eingebaut. Da kommt in der Altstadt mal eben nach einer steilen Abfahrt eine Treppe. Ein anderes Mal hat es oh Wunder an einer Treppenstelle einen Aufzug. 

Der Grenzübergang in mein in weiß gar nicht wievieltes Radlerland war unscheinbar. Das Landesschild war in einem schlechten Zustand, ob das auch für das Land stimmt werde ich berichten. 

In Irun angekommen setzte der vorhergesagte Regen ein. An der Pilgerherberge wollte ich mir mein Pilgerdokument besorgen. Diese hat aber erst um 16 Uhr wieder geöffnet. Also brauche ich jetzt einen Ortskundigen der deutsch oder englisch spricht. Die freundliche Dame habe ich in einem Ibis Hotel gefunden. Nach 15 Minuten telefonieren kam sie auch nicht weiter. Die einzige Option ist bis 16 Uhr zu warten. Das passte so gar nicht in meinen Plan. Bis 12.30 Uhr den Regen abgewartet und dann wieder los. Nachdem der ich den ersten Hügel in Spanien schiebend erklommen hatte kam der Wind und mit Ihm der volle Regenschauer. Heute zum zweiten Mal Nassgeworden. Nun sitze ich im Wind auf einer Veranda eines Gasthauses an de Straße und warte den Regen ab. Der Schauer hat nachgelassen. Ich mache mich mal auf den weiteren Weg. Mal schauen wie weit ich im Trockenen komme? Ist ja auch egal. Durchnässt bin ich jetzt eh schon.  Das warten darauf hat nicht lange gedauert. Schon nach einer halben Stunde der nächste Schauer. Jetzt bin ich durch und durch Nass. Die letzten Kilometer nach San Sebastian habe ich mir erkämpft. Meine Kraft und Lust war im Keller. Entweder das Leitungswasser oder ein Sandwich von der Tankstelle taten ihr bestes dazu, dass ich erstmal eine Toilette brauchte. Bis nach Deba bin ich die nächsten 30 Km mit der Bahn gefahren um so fast mein Tagesziel noch zu erreichen. Die Pilgerherberge fand ich erstmal nicht. Sie war direkt vor meiner Nase im Bahnhofsgebäude untergebracht. Ein Einheimischer zeigte mir auf meine Frage wo den die Nr. 6 ist das Haus. Genau gegenüber. Die Runde durch die Altstadt hätte ich mir sparen können. Es gab einen separaten Schuppen für das Rad und ein Bett in einem 12 Bettzimmer für mich. Das ganze mit dem Pilgerausweis habe ich für 6€ bekommen. Kein Tippfehler. Die Herberge ist sauber und warm. Die sanitären Anlagen lassen keine Wünsche offen. Die Dame am Empfang hat mir alle Infos gegeben und war so was von freundlich. Aus den Lautsprechern kam Musik,  die ich aus meiner Messdiener Zeit her gut kenne. Mit meinem Pilgerausweis bin ich ab heute „ Im Namen des Herrn“ unterwegs. 

16.03.2019 Biaritz – Saint Jean de Luz

Auf zu neuen Erlebnissen und vielen Eindrücken. Dieses Jahr bleibe ich in Europa. Das eine Anreise von Zuhause bis zu meinem Startpunkt auf dem Rad in Frankreich gute 33 Stunden dauern kann ist schon der Hammer. Nach Taschkend ist man schneller Unterwegs. 

In Kassel in den ICE nach Mannheim, 85 Min Aufenthalt, weiter nach Freiburg, 60 Min warten, weiter mit dem Bummelzug nach Mulhouse dort um 17.35 Uhr zum Schalter für die Buchung der Weiterfahrt. Nach 10 Min erkannt, wie befürchtet, das es nichts sinnvolles herauskommt. Also nach nebenan zum Autovermittelschalter. 

Der erste sagt gleich kein Auto zu haben. Er ruft dem zweiten hinter der Trennwand mein Anliegen zu. Der winkt auch laut ab. Aber der Kollege von Enterprise hat noch Autos, sagt er. Es ist jetzt schon 17.50 Uhr. Enterprise ist nur bis 18 Uhr auf und hat Samstag und Sonntag zu. Also schnell dahin. Noch in die falsche Straße gefahren und dann um 17.58 Uhr zur Tür rein. Um 18.20 hatte ich nach langem Jammern und feilschen mein Auto nach Biarittz. Der nette Herr hat mit mir das Rad mit auseinandergenommen und vorsichtig mit eingeladen. Nach guten 120 KM im Starkregen endlich trockene Straße. Ich bin noch knapp 200 weitere KM gefahren und habe mich dann in einer No Name Herberge mit Check in Schalter ins Bett gelegt. Das Belohnungsbier musste ausfallen. Der Automat war nicht aufgefüllt. Frust hoch drei.  Um 6.30 Uhr ging es dann weiter. Als das Auto dann endlich vollgetankt und abgegeben war ging die Reise auf dem Rad gemütlich los. Ich rollte langsam in Richtung Westen zur Küste. Die kleinen wenig befahrenen Straßen rollte ich gemütlich entlang. Es ging fast nur Bergab. Schon bald fand ich das erste Schild mit dem Eurovelo 1 Zeichen. Sogar eine gelbe Muschel war mit drauf abgebildet. Hier geht es lang. Der Küstenweg hat heute schon mal gezeigt wo der Hammer hängt. Ein stetiges auf und ab. Zwei Steigungen von über 15 HM auf 60 Meter. Da ist schieben die Alternative. Die Frische Luft und der Geruch nach Meer haben das wieder gut gemacht. Kommende Etappen werden noch Steiler und es sind auch Abschnitte mit Treppen. Das hat mir heute ein Radler erzählt der die Stecke schon im letzen Jahr gefahren ist. Er meinte es ist möglich auf dem Seitenstreifen hochzuschieben und das die Ausblicke unvergesslich sein werden. Ich lasse mich mal überraschen. Bis nach  Saint Jean de Luz habe ich es heute geschafft. Die Herbergsuche war schwierig da es hier sehr teuer ist. Ich denke in Spanien wird es in den Pilgerherhergen mit den Stockbetten günstiger werden. Ach ja, dafür muss ich mir noch einen Pilgerausweis für 2 € besorgen. Das mache ich morgen Mittag beim katholischen Pfarren in IRUN.  Wenn ich das Papier dann habe frage ich ihn wie es seiner Frau geht. 

Eine neue Funktion habe die ch der Seite noch hinzugefügt. Wer sie findet kann es mir mit der Kommentarfunk
tion gerne mitteilen.