15.07.2018 Jerewan nach Agarak

Zuerst ging es heute in der Früh zum Busbahnhof. Von dort soll es möglich sein zur Grenze Armenien/Iran zu kommen. Die Busfahrer machten mir schnell klar das dorthin kein Bus von hier geht. Sie meinten am Bahnhof müsste es gehen, wussten es aber auch nicht sogenau. Jetzt um 8 Uhr ist es noch kühl und es macht mir auch nichts aus nochmal durch die Stadt zum schon bekannten Bahnhof zu fahren. Dabei bin ich auch an einer Markthalle vorbeigekommen. Auf dem Bürgersteig lagen die frischen abgeschnittenen Rinderköpfe noch mit Fell herum. Buhhhh den Anblick und Geruch brauche ich jetzt gar nicht. Kurz vor dem Erbrechen war ich schnell vorbei. Der Bauernmarkt am Bahnhof, bei dem die Bauern ihr Gemüse und die frischen Kräuter anbieten, war da schon angenehmer. Ich drängelte mich mit dem Rad durch die Menge und die Autos und ging direkt in den Bahnhof hinein. Kein Ticketschalter zu finden. Also direkt zu den Gleisen. Dort wurde ich sofort von einem netten und englisch sprechenden Polizisten angesprochen. Er bestätigt das es keine Züge mit Radmitnahme nach Meghri gibt. Er ging mit mir nach draußen und half mir einen Van zu finden der mich für 50000 DRAM dorthin bringt. Heiki, der Fahrer war sich schnell mit mir einig, ließ aber nicht mehr mit sich handeln. Der moderne und gepflegte Honda mit Automatischer Schaltung, immerhin schon 13 Jahre alt macht einen guten Eindruck auf mich. Heiki würde eine Rasur auch einmal guttun.
Bei verlassen der Stadt fahren wir an alten stillgelegten und verlassenen Industrieanlagen vorbei die so langsam aber sicher verrotten. Ziemlich an der Stadtgrenze werden Schafe auch direkt auf dem Bürgersteig geschlachtet und dann in den Iran gebracht. Das Blut läuft in die Rinne. Ich denke mir nur:HACCP? Was soll ich im Iran essen? Die gut ausgebaute Autobahn war nach 20 km vorbei. Der Berg Ararat war nur im Dunst/Nebel zu erahnen. Ihn zu sehen habe ich mir gewünscht. Nachdem ich ja in meinen jungen Jahren schon eine Menge im Religionsunterricht von ihm gehört habe. Alle paar Kilometer werden an der Straße Melonen und andere Früchte verkauft. Sie sind schön und farbig sortiert auf Gerüsten aufgebaut oder stehe einfach in Kisten oder Eimern am Boden.
In Jerewan bin ich bei 500 HM getestet, jetzt auf 1000 HM ist es immer noch grün. Die Felder werden hier bewässert. Das freut auch die Störche in ihren oft doppelt belegten Nestern.
Ich komme an einer großen Gärtnerei vorbei. Die Produktion dieser Industrieanlage geht bestimmt ins Ausland. Links und rechts von der Fahrbahn sehe ich in der Ferne die ersten Berge. Dahinter zeichnen Sie die Höhenzüge ab. Noch habe ich keine Ahnung was das für Berge sind. Manchmal geht mir die Laute und ungewohnte Musik auf den Nerv. Heute ist Techno und Rapp neben den traditionellen Liedern dabei.
Rechts ist jetzt in 1 Km Entfernung die Türkische Grenze. Armenien hat vier Anrainer Länder mit zwei davon versteht sich das Land gut. Mit den anderen beiden gibt es immer wieder Konflikte und diplomatische Spannungen. Was mich so durcheinander bringt ist das der offizielle Grenzübergang nur auf einer Linie von ca. 40 km im Süden und nur an einer Stelle in Agarak möglich ist. Von der Durchreise durch die abtrünnige Republik Bergkarabach wurde mit mehrmals abgeraten. Es soll die Korruption der staatlichen Organen vorherrschen. Ebenso sollen wieder Schüsse gefallen sein. Ob das alles so stimmt? Für mich war dann gestern Abend klar das ich umplane, auch wenn es mit Mehrkosten verbunden ist. Auf der Autobahn war die Geschwindigkeit 130 km/h auf der Landstraße 90 km/h und in den Bergen so 50 km/h. Am Ende hatten wir 57 km/h. Heute am Sonntag ist wenig Verkehr. Ich komme durch ein Weinanbaugebiet und es wird mir die große Fabrik gezeigt. Ich habe mir vor ein Paar Tagen einen hiesigen Rotwein gegönnt. Er war mir zu kalt und zu lieblich. Auch hier finden sich die ausgeschlachteten und verrosteten PKW und LKW Skelette wieder. Ein Eldorado für jeden Schrottsammler. Abgeerntete Felder werden hier einfach abgebrannt. Warum das so ist erklärt mir keiner. Auf der Karte waren viele kleine rechteckige Wasserflächen zu erkennen. Jetzt weis ich was das ist. Es ist eine gigantische Fischaufzucht Anlage. Kilometer lang schaue ich auf die Becken. Auch hier werden die Fische in Bassins an der Straße verkauft. Es geht stetig nach oben. Die Straße wird schmaler und auch holpriger. Der Ausblick ist grandios. Ein PKW steht mitten auf der Straße. Vor ihm eine große Schafherde mit den Schäfern. Gut abgesichert. Heiki schockt mich mit seine Überholmanövern. Ich rufe mehrmals Vorsicht, Achtung. Er schmunzelt nur.
Ein LKW ist vor wenigen Minuten mit einem Auto zusammengestoßen. Die Unfallstelle ist nicht abgesichert und es ist auch kein Verletzter zu sehen. Der Opel ist stark demoliert. Wie geht es dem Fahrer? Ich will es gar nicht wissen. Heikis Fahrweise macht mir zunehmend Angst. Er wird jetzt auch noch Müde. Ich spreche die ganze Zeit mit Ihm. Ich sterbe mit jedem Höhenmeter einen Tod. Wir sind bis zur Grenze am Ende 6615 HM gefahren. Ich sitze verkrampft im Auto. Wir machen zwei Kaffeepausen und halten an einer Wasserstelle hoch oben mit einem grandiosen Ausblick an. Das kalte Wasser tut uns beiden gut. Wir füllen unsere Flaschen und lassen das Wasser über den Kopf und das Gesicht laufen. So muss eine Quelle sein. Ich sehe einen Liegeradler mit Anhänger in meine Richtung radeln. Ein ander schiebt auf 2220 Hm sein Rad uns entgegen. Für mich ist das nicht machbar. Hut ab und allen Respekt diesen Kämpfern. Respekt hat Heiki vor den Blitzern. Er bremst immer brav ab. Dann gibt er wieder Gas. Von der Polizei hält er nichts. Oberklasse Autos habe meist ein Russisches Kennzeichen. Diese fahren auch wie die Henker. Verpflegungsstellen und Herbergen gibt es genug auf der Strecke. Apropos Strecke. Diese Strecke habe ich mir vor über einem Jahr zuerst zusammengestellt. Sie aber wegen der Berge und Höhenmeter wieder verworfen. Hätte, hätte, Fahrradkette. Zweimal fahren wir auf eine Tankstelle um Gas zu tanken. Mehrmals halten wir an weil das Auto nicht mehr richtig zieht. Motor aus, Motor an und das Gaspedal voll durchgetreten. Dann läuft es wieder. Heiki schimpft auf das teure und schlechte Gas. Oben in den Bergen gibt es auch noch einen kleinen See. Er ist von oben schön anzusehen. Ich kann mich jedoch nicht so gut darauf konzentrieren. Die Angst ist bei mir. Hunderte Bienenstöcke stehen in den Feldern. Den Honig kann man auch hier gleich kaufen. Bei Gori geht es rechts ab zu den Wings of Tatev. Einer Seilbahn die zum Kloster über eine Schlucht führt. Das muss ich auch nicht haben….
Heute habe ich eine Toilette auf der Tankstelle gesehen. Der Anblick und der Geruch waren das schlimmste was ich in so einer Anlage gesehen habe. Ich kann und will es hier gar nicht beschreiben. Nach 280 Km waren die Berge grün und mit Laubbäumen bewaldet.
In Karpan stehen auch die Hochhäuser aus sowjetischen Zeiten. Kühe wandern durch die Stadt in verrichten das Geschäft einfach so vor der Haustür.
Die Panoramen hoch oben erinnern mich an Anblicke in Österreich. Ein Feuerwehrauto steht auf 2200 Metern. Auf Nachfrage stellt sich heraus das hier vor drei Tagen ein Auto die Böschung runter ist. Jetzt wollen sie es wieder hochholen. Ich werde stiller. Ich vertraue den Leitplanken, wenn sie den mal da und in Ordnung sind, nicht mehr. Ich verlasse das Auto an der Grenze erleichtert. Zu meinem Hotel sind es zwei Kilometer. Ich fahre die ersten 500 m. Danach kann ich nicht mehr radeln. Der Hals ist trocken und der Kopf ist Matsch. Diese Hitze zwingt mich in die Knie. Ich bin fertig.

14.07.2018 Sevan See

Heute Morgen hatte ich im 10.00 Uhr einen Termin mit einem Fahrer der mich zum Sewan See bringen sollte. Ich wartete zur Vereinbarten Zeit vergeblich auf ihn. Er kam gut gelaunt gegen 10.15 Uhr mit seinem Opel Astra vorgefahren. Er sagte, dass es noch 5 Minuten dauern wird. Nachdem er jeden der anderen Fahrer auf dem Platz mit einem Plausch begrüßte ging es nach 20 weiteren Minuten los. Zur abenteuerlichen Autofahrt auf den schlechten Straßen in Armenien brauche ich ja nichts mehr zu sagen. Es ging hoch auf 1900 MÜNN. Die Vegetation wurde immer spärlicher und die Grünen Flächen wurden allesamt braun. Auch hier oben ist alles verdorrt. Oben angekommen war gleich ein anderes Klima. Es wehte ein leichter Wind und es war auch gefühlt um einige Grad kälter. Wenn ich hier von kälter schreiben kann.

 

Die Luft kam mir auch klarer  vor. Der Himmel war bedeckt. Das klare, türkisblaue Wasser brachte meinen Füßen auch keine Abkühlung. In dem kleinen Fischerdorf gab es für die Touristen Fisch. Ich bekam die Sewan See Forelle gebraten mit Kräutern, einer halben Zitronenscheibe und einem Hauch von einer Salatgarnitur.

Wahrscheinlich sollte ich vom herrlichen Blick auf den See satt werden. Die Tische standen nicht einfach so draußen, sie waren in kleinen offenen Hütten untergebracht. So dann und wann schipperte ein Ausflugsboot mit Touristen vorbei. Nervig waren die Auf- und Abrasenden Jetskis. Die laute Musik aus der Bar am Strand trug auch nicht gerade zum entspannen bei. Es waren auch viele Armenische Familien mit ihren zahlreichen Kindern dabei. Um den See herum gibt es kleine Kirchen und Klöster. Den Anspruch diese zu besuchen hatte ich heute nicht. Der Fahrer hat es im übrigen zwei mal versucht mit mir auch noch ein Zusatzgeschäft zu machen. Bei ersten Mal bot am Anfang und am Ende der Fahrt eine Massage im Salon an und beim zweiten Versuch wollte er mit mir heute Abend in einen Nachtclub. Als ich ihn sagte das ich im Hostel schlafe und kein Money habe war das Gesprächsthema schnell vom Tisch. So jetzt noch die Klamotten für morgen packen und ein kleines Mittagsschläfchen im Klimatisierten Zimmer halten. Heute Abend schaue ich nochmal beim Musikalischen Brunnen vorbei. Heute,am Samstag, ist da bestimmt die Hölle los. Kurz nach Sonnenaufgang will ich morgen los. Ach ja, die Strecke aus der Stadt hinaus muss ich mir auch noch rausschreiben. 

13.07.2018 Jerewan.

Zuerst noch die Gedanken und Notizen von gestern verarbeiten. Es gibt hier in diesem doch fernen Land jede Menge deutscher Autos. Angefangen von modernsten Reisebussen mit deutscher Aufschrift bis zu den vielen Bullis mit den noch vorhandenen Adressen der Firmen oder Campingbussen und Kleinbussen die hier als Transportmittel für eine maximale Anzahl an Personen genutzt werden. Ältere LKWS stammen noch aus den Beständen der Russischen Ähra. Es gibt wenige alte für uns schon als Schrottautos abgestempelte Wagen. Aufgefallen sind die Wagen mit dem Stern. Die meisten sind mit dunklen Scheiben und schon eher in der oberer Preisklasse angesiedelt. Optimale Nutzung der Straße ist immer möglich wenn auf zwei Fahrspuren sich vier PKW entgegenkommen. Wie schon erwähnt reichen 10 cm zum anderen PKW beim vorbeifahren aus. In den Bergen gibt es viele Steinmetze. Die aufgeschütteten Steinplatten am Straßenrand und die übergroßen Sägeblätter als Hinweis zeugen davon. Leider wird der Plastikmüll außerhalb der Stadt verbrannt. Der unangenehme beißende Rauch ist auf viele Kilometer sichtbar. Der Dunst verhüllt ganze Dörfer. So alle gefühlten 30 km konnte ich eine Herberge ausmachen. Alte LKWS und Baumaschinen werden auf Schrottplätzen neben den Straßen abgestellt und rostenden so vor sich hin. Die Steine zum bauen der Häuser werden hier auf dem Land noch aus Beton handgemacht. Es sieht aus als ob Legosteine gegossen werden. Habe ich schon erwähnt das viele Autos einen Gastank im Kofferraum haben?
Die ungesicherten Schlaglöcher haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Georgi konnte diese wohl auch nur mit der lauten Landestypischen Musik aus dem modernen Radio ertragen.Ein wenig Angst habe ich in den Bergen. Die Schattenspendenden Bäume werden mir sicherlich sehr fehlen. Es gibt viel Polizei Präsenz auf den Straßen. Das beruhigt ein wenig. Bei der Einfahrt nach Jerewan sind mir auch wieder die desolaten Hochhäuser aufgefallen. Ich glaube sie sind noch die letzten sichtbaren Architektonischen Zeugen einen nicht nachhaltigen sowjetischen Städteplanung. Die noch freien Flächen vor der Stadt sind allesamt vertrocknet. 70 Km weiter zurück waren die Felder noch alle saftig grün. Egal wir die Autofahrer auch rasen. An den vielen Radargeräten bremsen sie alle ab. Das funktioniert hier im Straßenverkehr recht gut. Heute morgen habe ich in meinem sechs Bett Zimmer gut ausgeschlafen. Die beiden Inder im Zimmer konnte ich nicht fragen ob es mit mit auszuhalten war. Sie sprachen kein Englisch. Um 12 Uhr konnte ich dann in mein Privatzimmer umziehen. Es ist schon was schöne Dusche und WC, wenn auch schäbig, im Zimmer zu haben. Den ganzen Tag hatte ich mir heute das besichtigen der Stadt vorgenommen. Es hat gut geklappt. An den Bürgersteigen vor den dem Westen nichts nachstehenden Geschäfte finden sich viele Skulpturen wieder. Einfach klasse diese auf sich wirken zu lassen Mein Höhepunkt waren heute die Treppenanlage einen Hügel hinauf. Hier wollte ich einen netten Deutsch-Armenier treffen um mit ihm gemeinsam die Treppen bei lauter Musik im Dauerlauf bis zum Ende erklimmt. Arthur Abraham hatte jedoch in Berlin zu tun und keine Zeit dafür. Schade, kein Bier zur Belohnung! Diese in den Berg getrieben Anlage hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Links und rechts der Anlage befindet sich im inneren das Kunstmuseum. Die hier gezeigten Exponate stehen den Objekten auf unsere Dokument in Kassel nicht nach. Erst als ich oben war habe ich den Eingang entdeckt. Mit Rolltreppen kommt man so von oben nach unten, oder auch umgekehrt. Leider machen diese in dem Tunnel einen enormen Krach. Das passt leider nicht so. Diese zwei Stunden hatten es in sich. Unten im Liebespark habe ich noch ein Radreise Pärchen getroffen. Sie kommen aus Frankreich und sind jetzt auf dem Weg zur Seidenstraße. Hier müssen sie jetzt warten da ihr VISA für den Iran noch fehlt. Gegen 16 Uhr ist es wie angekündigt stark windig geworden. Das brachte auch eine angenehme Kühle mit sich. Für morgen habe ich eine Tour zum Sewansee im Landesinneren gebucht.

12.07.2018 Tiblisi nach Jerewan

Heute morgen schwer aus dem weichen Bett gekommen. Aller Guten Dinge sind zwei und so bin ich gleich am Morgen, noch ohne Frühstück und Kaffee im Bauch, erneut zum Bahnhof geradelt. Da war ich wohl ein wenig zu schnell unterwegs. Bald meldete sich das Gehirn mit ein Schwindel und schwarzen Sternen im Kopf. Also ab jetzt ganz langsam. Am Schalter in der 4. Etage zig ich wiederum mein Ticket und kam auch sofort dran. Das gleiche Prozedere wie gestern. Gewünschten Zug genannt und nach der Radmitnahme gefragt. „Bitte gehen Sie zum gelben Telefon und rufen die 1331 an. Dort kann man es Ihnen sagen. „Ja ein Ticket in der dritten Klasse ist kein Problem. Das Rad müssen Sie mit dem Schaffner vor Ort klären. Sie müssen aber auch einen Fahrschein für das Rad kaufen.“ Auf Deutsch heißt das für mich. Für den Nachtzug um 22.15 Uhr zwei Tickets kaufen, kein Hotelzimmer buchen und ggf. Hundemüde und kaputt am Bahnsteig stehen bleiben. Nein, mache ich nicht. Das Telefonat hat ein Umtriebiger Georgier mitbekommen. Er sagte das es die Möglichkeit nach Jerewan zu kommen mit der Matruschka um 11 Uhr für 24€ mit Rad gibt. Er brachte mich nach unten zum Fahrer und wir waren uns schnell einig. Zurück zum Hotel und die Packtaschen holen. Dazwischen noch eine Kleinigkeit essen das ganze recht langsam. Ich hatte noch fast 2 Std bis zur Abfahrt Zeit. Erneut am Bulli angekommen konnte ich in aller Ruhe das Rad vorbereiten. Vorderrad raus und Lenker gerade stellen. So passte es genau hinter die letzten Sitze rein. Dann noch Getränke und was zu essen besorgen. Kurz vor 11 Uhr ging es los. Noch an einem Hostel vorbei und einen jungen Amerikaner mitnehmen. Dann vor der Autobahn noch ein 10 Minuten Stopp. Hier waren auch keine weiteren Passagiere mehr. Also nur zu dritt nach Jerewan. Die Fahrt ging erst auf einer gut ausgebauten Autobahn zügig voran. Vorbei an den kargen Bergen und auf der anderen Seite den teilweise stark heruntergekommenen Vorstadtsiedlungen. In den Hochhäusern sind die oberen Etagen schon am einfallen und ohne Fenster darunter wohnen noch Menschen. Unfassbar. Es dauert das zu begreifen. Was 10 KM so ausmachen können. Auch hier wird gefahren wie es gerade passt. Rechts überholen kein Problem, durchgezogene Linie existiert nicht. Kann der Fahrer ja auch nicht so richtig durch die auf der Fahrerseite drei mal gebrochen Windschutzscheibe sehen.

Die ersten Schlaglöcher habe ich gar nicht so wahrgenommen. Später wurden die soviel das die Wagen auf beiden Seiten der Straße jeweils die Spuren wechselten. Schon ein komisches Gefühl wenn ein LKW auf der eigenen Spur langsam auf einen Zukommt. Irgendwann habe ich mich an der Beifahrertüre festgehalten und immer öfter kräftig mitgebremmst. Ich weiss jetzt das beim überholen ein Handbreit Abstand reicht. Alles eine Sache der guten Nerven oder des guten Gefühls. Dann war da noch das Schild „Straße gesperrt – Durchfahren verboten“ Schon weit vor der Passage in großer Schrift und mit großen Symbolen angebracht. Georgi fährt die Tour ja täglich und weist Bescheid. Nach vielen Kilometern war die Straße mit Flatterband abgesperrt und ein Mitarbeiter SOLLTE hier keinen durchlassen. Jetzt lief Georgi zur Furie auf. Keine Ahnung was er dem Mitarbeiter zuschrie und ihn wohl auch beschimpfte es half. Wir könnten Passieren. Noch hatten wir keine Ahnung was alles auf uns zukommt!! Nach 100 Metern war die Straße weggefräst und wir fuhren auf Schotter. Später gab es nur noch eine Spur und ein LKW kam auf und zu. Danach wieder zwei Spuren mit Löchern die einen Kleinwagen verschwinden lassen. Das ist jetzt wirklich nicht übertrieben. Eine weitere Absperrung vor einem Tunnel. Warten, warten. Bis Georgi wieder laut wurde. Wir durften nach einem Polizeiwagen fahren. In einen unbeleuchteten Tunnel mit einem Bagger in der Mitte der den Boden aufhämmert. Daneben der bearbeitetet Boden mit den mehr als faustgroßen Steinen und den entsprechenden Löchern. Hoppel, Hoppel Kasimir gut das es nicht mein Wagen ist. Wir sind mit Gegenverkehr durchgekommen. Mal schauen ob die Bilder das wiedergeben können.


Ich habe mich nicht wohl gefühlt und beschlossen meinen bevorstehenden Tunnel nicht mit dem Rad zu meistern. Die Fahrbahn wurde immer wieder von Katastrophal bis sehr schlecht. Einmal kam eine feine Asphaltstraße und ich hob den Daumen zum Fahrer hoch. Er grinste nur und zeigte den Daumen runter. Es ging also noch fast 30 km in Armenien so weiter. Die vorherige Passage der Grenze war ohne Probleme und für mich heute nicht besonders erwähnenswert. Irgendwann waren wir in Vansador. Hier hatte ich geplant aus dem Zug auszusteigen und die folgenden steilen, nächsten 35 KM zu radeln. Gut das ich es nicht so gemacht habe. Meine Tour geht auch auf dieser Straße entlang. Die Steigungen ziehen sich Serpentinen artig nach oben. Die Rampenartige Straße führt und auf 2090 MÜNN. Der Verkehr nahm zu. Es waren bei geöffneten Fenster 38 Grad im Auto. Der leichte Wind macht später die Hotel suche nicht angenehmer. Später in Jerewan auf dem Parkplatz fast 43 Grad bei bewölktem Himmel. Die Hitze macht mich fertig. Ohne Bewegung habe ich heute 3 L Wasser und 1 L Cola getrunken. Armenien ist im Vergleich zu Georgien sehr viel grüner. Auf den fernen Bergen ist der Schnee auf den Gipfeln zu sehen. Hier unten wird gerade die Heuernte mit den für uns alten Maschinen eingeholt. Alle aus der Familie helfen mit. Am Straßenrand stehen die geernteten Früchte auf kleinen Tischchen zum Verkauf. Pfirsich, Aprikosen, Beeren aller Art und auch der Georgisch Honig stehen am Straßenrand. Vereinzelt sind auch Schnittblumen zu sehen. Da wir Platz haben wurden auch immer mal eine Anhalterin mitgenommen. Die erste nur eine Baustelle, ca 10 Km lang. Die andere mit nach Jerewan. Der Vater gab Georgi 1000 Georgische Dram. Das sind 1.77 € für die letzten ca 60 Km. Im noch so kleinsten Dorf gibt es Boxen zum Autowaschen. Diese werden gerne von den Fahren genutzt. Ich denke ein Auto ist schon ein Statussymbol für die Männer. Auf den Kennzeichen der Oberklasse Wagen konnte ich an der Nummernschilder und Halterung nicht nur einmal ein deutsches Autohaus erkennen. Georgi hat auch gerne Telefoniert. Das war aber eher ein Anschreien als ein Gespräch. Ich möchte nicht wissen wie es sich anhört wenn seine Frau ihm mal sagt das er was zum Essen einkaufen soll …. Georgi füllt sich seine Wasserflasche am Brunnen oder einer eingefassten Quelle am Straßenrand auf. Ich hoffe nur das die vielen Kühe und Bullen nicht auch aus dem erfrischenden Kral trinken. Die Tiere sind jederzeit auf der Straße zu finden. Gemütlich laufen sie über die Straße und käuen behäbig wider. Georgi hatte sich um den linken Arm ein Handtuch gewickelt. An der Wasserstelle konnte ich sehen das er es sich mit dem kühlen Nass tränkte und dann wieder um den Arm wickelte. Auch eine Art die fehlende Klimaanlage auszugleichen.
Es gibt hier an dieser Stelle noch viel mehr zu erzählen. Meine Notizen nehme ich später nochmal zur Hand und ich erzähle euch die Geschichten in den nächsten Tagen.
Hier ist es jetzt kurz vor 21 Uhr und ich freue mich das die Sonne endlich untergeht.

11.07.2018 Tiflis

In meiner Herberge könnte ich erst einmal ausruhen und das in einem bequemen Bett und mit Klimaanlage. Am frühen Nachmittag bin ich dann zuerst in Richtung Bahnhof um meine Weiterreise am Freitag zu organisieren. Auf dem Weg dorthin habe ich viele der bekannten und sehenswerten Skulpturen, die unzählig in der Stadt zu finden sind, gesehen. Geschmackvoll passen die in der Vielzahl Menschengroßen Bronzestatuen in die Umgebung. Es gibt viele Oasen der Ruhe in Form von kleinen Parks überall in der Stadt verteilt. Die schattigen und mit Springbrunnen installierten Plätze sind sehr begehrt. Morgens waren die großen Straßen in die Stadt hinein noch wenig befahren. Die Ränder der Straßen wurden von Frauen mit teilweise selbstgemachte Reisigbesen von Hand gefegt. Bei uns erledigen das moderne Maschinen. Ich habe mir noch gedacht warum es die riesigen Kreisverkehre, im übrigen ohne Markierugen, gibt. Heute Nachmittag habe ich erlebt, dass diese sehr wohl gebraucht werden. Um es mit einem treffenden Satz zu sagen: Die Georgier fahren wie die Henker eine Hand ist dabei an der Hupe am Lenkrad angewachsen. Kein Auto das nicht schwarz und kräftig aus dem Auspuff pustet. Am schlimmsten sind die kleinen gelben Stadtbusse aus vergangenen Jahrzehnten. Schnell habe ich mich an das Gehube gewöhnt und meinen Fahrstil auf dem Weg zum Bahnhof angepasst. Das alte und das Neue Tiflis liegen auf den Straßen und engen Gassen direkt nebeneinander. Es gibt die modernen Cafés und auch die uns bekannten hippen Szenelokale direkt neben den tratitionelen Kneipen. Ganze Straßenzüge, unter anderem der wo ich die erste Nacht schlafen wollte, werden abgerissen und neu aufgebaut. Mein Highlight war heute die von einem Italiener gebaute, nur für Fußgänger gebaute Friedensbrücke über den Fluss. Diese futuristische Brücke ist interaktiv. Die Fußgänger bestimmen mit ihrer Trittfrequenz die sich wechselnde Beleuchtung in der Nacht. Sie ist von weiten sehr schön anzusehen. Da meine Herberge morgen kein Zimmer für mich hat bin ich im benachbarten Rotlichtviertel für eine Nacht untergekommen. Mal schauen wie das in der günstigen Herberge sein wird. Heute habe ich mich innerhalb von nur einer halben Stunde, ohne große Bewegungen, durchgeschwitzt. Ich hoffe das wird in den Bergen bei ein wenig Wind nicht so heftig sein. Wasserverbrauch heute 3 x 1,5 Liter.